Bierfestival des KVD

175 Jahre und kein bisschen müde

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Das KVD-Jubelfest wurde ein voller Erfolg: An drei Tagen zog es die Massen auf den Marktplatz. Gestern war wegen des Regens am Vormittag der Sternmarsch in Gefahr, aber alles wurde gut.

Dieburg - Der Karnevalverein Dieburg feiert sein 175-jähriges Bestehen auf dem Marktplatz und Tausende feiern mit. Viele stehen am Samstagabend auf den Bänken. Nur einen Kritikpunkt hatte der KVD-Sprecher. Von Jens Dörr

„Aber stehen wir auf der Bühne hier, is’ es grad’ wie Doping fürs Gemüt“, singen die Äla-Fetzer des Karnevalvereins im Lied „Äla-Fetzer Zeit“ von Burkhard Becker alljährlich auf den Sitzungen im Januar und Februar.

„Doping fürs Gemüt“ - das traf auch an einem ziemlich sommerlichen Wochenende von Freitag bis zum gestrigen Sonntag auf die Wirkung des Fests „175 Jahre Karnevalverein Dieburg“ zu.

Eine Gruppe konnte die Aufmunterung und das Vergessen der alltäglichen Sorgen in diesen Tagen besonders gut gebrauchen: die 40 Frauen und Männer aus dem thüringischen Walschleben. Mit ihnen pflegen die Dieburger eine immer intensiver gewordene Freundschaft; Zuspruch konnten die Gäste aus der Nähe von Erfurt durchaus gebrauchen, da auch dort das Wasser - Walschleben liegt am Flüsschen Gera - zuletzt bedrohlich angestiegen war. Vom Schlimmsten blieben die Walschlebener aber verschont und traten somit die Reise nach Südhessen an. In drei Wochen werden sich einige Dieburger zu einem Gegenbesuch aufmachen.

Kaum noch ein Platz war zu finden

Mit trockenem Sommerwetter, dem Festort Marktplatz, einem eingespielten Team Dutzender Helfer und einer Organisation mit Hand und Fuß, die dem KVD rufmäßig längst vorauseilt, wurden der Freitag und der Samstag zu Selbstläufern. Kaum noch ein Platz war da zu finden, jeweils eine vierstellige Zahl an Besuchern machte sich in die Stadtmitte auf.

Da spielte es auch kaum eine Rolle, dass die Groß-Umstädter Tanz- und Partyband Fun-Collection die Besucher nicht ganz so stark mitriss wie die Wiesenfelder am Samstagabend. Nicht zum ersten Mal spielten die bei einer KVD-Veranstaltung auf; die Leute standen teils auf den Bänken. KVD-Sprecher Wolfgang Dörr, durchaus auch für eine kritische Selbsthinterfragung von KVD-Aktivitäten bekannt, ließ sich deshalb auch zu einem euphorischen Statement hinreißen: „Der Samstagabend war das beste musikalische Event, das es auf dem Marktplatz bisher überhaupt gegeben hat.“ Abgerundet wurde der zudem durch die schweizerischen Guggemusiker von Sgarella - auch sie in Dieburg keine Unbekannten.

15 Sorten Gerstensaft

Auch den Freitagabend bewertete Dörr als „sehr erfreulich“. An allen Tagen seien die Besucher zudem „begeistert“ vom Bierfestival gewesen, das der KVD in dieser Form erstmals veranstaltete. 15 Sorten Gerstensaft standen zum Verkauf. Wer Alkoholhaltiges von der Rebe wollte, würde derweil ebenso fündig wie die Hütchenfans. Ohne den Mix aus Asbach und Cola geht es bei so manchem Karnevalist auch abseits der Tollen Tage kaum.

Der gestrige Sonntag begann unterdessen verheerend mit Starkregen und Gewitter. „Es ist nicht selbstverständlich, dass da überhaupt noch Leute kommen“, meinte Dörr am Mittag zu den zumindest tröpfelnden Besuchern. Gegen 12 Uhr stabilisierte sich das Wetter, so dass der Sternmarsch mit diversen Musikzügen und das Feuerwerk am Abend wie geplant stattfanden. Die Kerb-Dixie-Stompers spielten bereits, als der Himmel noch weinte; später kamen auch Sgarella und Alleinunterhalter Jörg Ratz noch musikalisch zum Zug.

Bilder zum Bierfest des KVD

Karnevalisten feiern 175-jähriges Bestehen

Unerfreulich aus KVD-Sicht - auch das unterschlug Wolfgang Dörr nicht - sei derweil der Zwang gewesen, die Musik um Mitternacht abzustellen. Die Massen wären gewiss noch länger geblieben, was auch dem Umsatz gut getan hätte. Wichtig für die Narretei in Dieburg, schließlich muss der KVD unter anderem durch den Umzug in die Römerhalle zunehmend tiefer in die Tasche greifen, um seine Vereinsarbeit zu finanzieren. „Die Zeiten waren von der öffentlichen Hand so vorgegeben - das müssen wir gelegentlich mal hinterfragen“, so der Pressesprecher. Ihn wie weitere Karnevalisten ärgerte besonders der verordnete Feststopp, während in der Nacht auf Sonntag in unmittelbarer Nähe eine Bar durchaus noch hörbar musikalisch - und wesentlich länger als der KVD - feierte.

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