Viele Teilnehmer bei Prozession

Kein Gewitter am Kisseltag

+
Durch die Feldgemarkung von Klein-Zimmern führte die Prozession anlässlich des Kisseltages.

Klein-Zimmern (bea) - Schwarz hingen am Freitagabend die Wolken am Himmel während des Gottesdienstes zum Kisseltag. Doch es blieb nicht nur während der kurzen Eucharistiefeier, sondern auch während der Prozession trocken.

Erwähnenswert ist das Wetter auf jeden Fall, war doch ein Unwetter Anlass für die Prozession. Die Erstbegehung des Kisseltages (Hageltages) fand am Freitag nach Christi Himmelfahrt im Jahre 1742 statt. Wann genau das Unwetter stattfand, weiß heute keiner mehr so recht, auf jeden Fall wurde die junge Ernte durch den Hagel vernichtet. „Die Meinungen gehen auseinander, ob Klein-Zimmern verschont geblieben war und rundum alles zerschlagen war, oder ob die Ernte hier vernichtet wurde“, sagt Walter Götz. „Die meisten glauben allerdings, dass der Hagel hier zugeschlagen hat. “.

Götz, der sich für die Heimatgeschichte interessiert, will sich künftig über dieses ganz spezielle Ereignis schlau machen. Im Landesarchiv in Darmstadt wollen die Heimatforscher auf die Suche gehen. „Es gab mehrere Hagelereignisse, 1815 gab es schon mal einen Schriftverkehr zwischen dem Klein-Zimmerner Bürgermeister und dem großherzoglichen Kreisrat“, so Götz. Bis Anfang der Sechziger Jahre hatte der Kisseltag eine solche Bedeutung für den Ort, dass es für die Kinder schulfrei gab.

Der Kisseltag wurde zwar laut Pfarrer Christian Rauch auch in den letzten Jahren begangen, aber nur noch mit wenigen Teilnehmern. „Wir haben die Prozession umgestaltet“, sagt Rauch, „und auch den Gottesdienst von der Kirche zum landwirtschaftlichen Obstbaubetrieb Geibel verlagert, der auch heute noch vom Wetter abhängig ist.“ Rauch freute sich über die rege Teilnahme beim wiederbelebten Kisseltag, viele besuchten nicht nur den Gottesdienst, sondern wanderten auch mit zum Kreuz am Soldatenfriedhof. Den Gottesdienst gestaltete Kaplan Biju Joseph Chirathara aus Reinheim, Rauch war durch eine Erkältung praktisch sprachlos geworden.

Quelle: op-online.de

Kommentare