Bushaltestellen in Dieburg

Kein Halt mehr am Rochus

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Der Magistrat hat die Streichung der Bushaltestellen vor dem St. Rochus Krankenhaus – unser Bild – und am Markt beschlossen. Mitarbeiter des Krankenhauses und der Praxen protestieren gegen die Abschaffung des Stopps in der Steinstraße.

Dieburg - Zu wenig frequentiert und deshalb entbehrlich ist nach Ansicht des Dieburger Magistrats und der Dadina die Bushaltestelle am St. Rochus Krankenhaus (wir berichteten). Von Laura Hombach

In einem Protestbrief, der inzwischen von über 130 Ärzten und Mitarbeitern des Krankenhauses und der Praxen in der Steinstraße unterzeichnet wurde, wird die Stadtverwaltung zum Überdenken dieser Entscheidung aufgefordert.

Vorangegangen waren dem Beschluss des Magistrats zwei Zählungen: die erste unter Regie der Dadina und eine zweite, die auf Bitten des St. Rochus Krankenhauses von Seiten der Stadt durchgeführt wurde. Die bei der Dadina-Zählung ermittelte geringe Nutzung wurde im zweiten Durchgang bestätigt: Lediglich drei Personen stiegen im Laufe eines Werktages an der Haltestelle ein, sieben aus.

Das Ergebnis der Zählungen will die in der Steinstraße tätige Nephro- und Diabetologin Norgard Ortwein-Horn gar nicht bezweifeln, dennoch hält sie es für die Aufgabe einer Stadt, eine gewisse Grundversorgung zu gewährleisten.

Deshalb hat sie zum Protest aufgerufen, dem sich inzwischen die über 130 Unterzeichner des Briefes angeschlossen haben. „Gerade die Leute, die es am Nötigsten haben, kämen dann nicht mehr zu uns“, argumentiert Ortwein-Horn. Besonders die ärmeren Patienten seien auf die Nutzung des Busses angewiesen, sagt sie.

Bei allem Verständnis für die Notwendigkeit von Sparmaßnahmen sehen die Unterzeichner des Briefes die besondere Lage der Bushaltestelle als zu wenig berücksichtigt an. „Anstatt die Anbindung an öffentliche Infrastruktureinrichtungen zu stärken, sorgen Sie mit dem Wegfall der Haltestelle direkt vor unserem Krankenhaus für eine Schwächung unseres umfassenden gesundheitlichen Leistungsangebotes“, heißt es in dem an Bürgermeister Dr. Werner Thomas gerichteten Schreiben.

Adressat Thomas sieht indes keine Notwendigkeit, an dem Magistratsbeschluss zu rütteln. Die Zahlen seien eindeutig, so der Bürgermeister. Das habe er nach Erhalt des Schreibens in der vergangenen Woche auch in einem Antwortbrief klar gestellt.

Eine ursprüngliche Mitstreiterin Ortwein-Horns hat der Bürgermeister – der auch als Vorsitzender des Kuratoriums der St. Rochus Stiftung im Gespräch ist – mit dieser Argumentation indes wohl schon überzeugt: Hatte die Generalbevollmächtigte des St. Rochus Krankenhauses, Ute Sperling, den auf den 16. Juli datierten Brief an die Stadt erst noch an prominenter Stelle mit unterzeichnet, erklärte sie kaum drei Wochen später gegenüber unserer Zeitung (DA vom 5. Juli), dass man entschieden habe, aufgrund der Untersuchungen nicht weiter gegen den Wegfall der Haltestellen argumentieren zu können.

Gemeinsam mit der von den Linien 672 und 679 angefahrenen Haltestelle in der Steinstraße soll auch der Stopp am Marktplatz weichen. Dieser würde zwar viel genutzt, räumt Thomas ein, aber die Schüler, die hier vor allem ein- und ausstiegen, könnten genauso die Haltestelle an der Post nutzen.

Der Busverkehr würde dann künftig über die Frankfurter Straße, Altstadt und „Hinter der Schießmauer“ zwischen Post und Bahnhof verkehren. Für Besucher des Krankenhauses bliebe immer noch die Haltestelle am Bahnhof, so Thomas.

In der Innenstadt würde die von ihm schon seit Längerem favorisierte Verlegung der Busstrecken nach Ansicht des Bürgermeisters zu einer größeren Sicherheit für die anderen Verkehrsteilnehmer führen. Für die Nutzer der Busverbindungen bedeute die Abschaffung der Bushaltestellen indes kaum eine Beeinträchtigung.

Was der Bürgermeister als Gewinn für die Stadt ansieht, widerspricht nach Dafürhalten Ortwein-Horns allen Erkenntnissen der modernen Städteplanung. Nach ihren Recherchen gäbe es keine andere Stadt, die ihr Krankenhaus vom öffentlichen Personennahverkehr abgekoppelt habe.

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