Keine Babyklappe im Kreis

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Vermutlich wird es im Landkreis weiterhin kein Angebot einer Babyklappe, wie hier im St. Vinzenz Krankenhaus in Hanau, geben.

Darmstadt-Dieburg (db) ‐ Der Antrag der CDU-Fraktion auf Prüfung einer Babyklappe in der Groß-Umstädter Kreisklinik wurde in dieser Woche im Kreistag einstimmig verabschiedet.

Vorausgegangen war der Redebeitrag der CDU-Sprecherin Marita Euler, die daran erinnerte, dass es weder in Darmstadt noch im Landkreis eine einzige Babyklappe gebe. Die nächsten Anlaufstellen seien Hanau, Wiesbaden, Gießen und Mainz. Immer wieder gebe es Fälle, in denen Frauen nach einer allein durchgestandenen Geburt ihre Neugeborenen aussetzen. Eine Babyklappe gebe den meist verzweifelten Frauen die Möglichkeit, ihr Kind anonym und legal abzugeben. Dadurch könne das Überleben des Kindes und eine sofortige medizinische Versorgung gewährleistet werden

Seit 1999 gibt es in Deutschland (inzwischen rund 98) Babyklappen, sie werden sowohl von kirchlichen als auch von freien Krankenhausträgern angeboten. Irmgard Fischer von den Freien Wählern machte darauf aufmerksam, dass Babyklappen das Problem von Kindstötungen und Misshandlungen nicht lösen könnten.

Prüfungsantrag für Kreisklinik zugestimmt

Tatsächlich könne keine Statistik einen Rückgang solcher Delikte in Gegenden mit Babyklappe belegen. Jedoch betonte sie: „Wenn in fünf Jahren durch eine Klappe ein Kind gerettet werden kann, hat sich die Sache gelohnt.“ Aron Krist von der SPD erinnerte an die rechtlichen und moralischen Probleme einer Babyklappe, die auch im Deutschen Ethikrat kontrovers diskutiert würden. Im Spannungsfeld zwischen dem Recht auf körperliche Unversehrtheit und dem Wissen um die eigene Herkunft lehnte das Gremium die Babyklappe ab.

Mehr noch: Bereits vorhandene Einrichtungen sollen aufgegeben werden. Gleichwohl wurde angeraten, öffentliche Informationen über Hilfsangebote für Frauen in Notsituationen zu verbessern. Ebenso sollten die legalen Hilfsangebote für Schwangere und Mütter in Not zu jeder Tages- und Nachtzeit erreichbar gemacht werden. Landrat Klaus Peter Schellhaas machte in diesem Zusammenhang deutlich, dass seine Partei zwar einem Prüfungsantrag für eine mögliche Babyklappe im Kreisklinikum zustimme, ob aber „tatsächlich eine in Groß-Umstadt umgesetzt wird, ist etwas anderes“.

Anonyme Geburt im St. Rochus möglich

Eine Alternative zu der Möglichkeit, sein Kind anonym abzugeben, findet man im Dieburger St. Rochus Krankenhaus. Obgleich die Installation einer Babyklappe hier nicht angedacht ist, bietet die Klinik schon seit längerem anonyme Geburten an. „Hierbei kann eine Mutter in Not in einer sicheren Atmosphäre ihr Kind auf die Welt bringen, ohne dass sie ihre Identität preisgeben muss“, erläutert der Bevollmächtigte des Vorstands der St. Rochus-Stiftung, Markus Bazan. Jedoch sei die Babyklappe immer wieder Thema innerhalb der Stiftung.

Als konfessionelles Krankenhaus unterliegt die Stiftung der Aufsicht des Bistums Mainz. Dort steht man dem Thema Babyklappe aufgeschlossen gegenüber. Kardinal Karl Lehmann äußerte sich zu dem Thema in der Bistumszeitung „Glaube und Leben“. Zwar sei es verwerflich, sein eigenes Kind auszusetzen, dennoch habe „nach unserer Überzeugung das fundamentale Gut des Lebens den Vorzug“, so der Kardinal in seinem Kommentar.

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