Keine Krise auf den Köpfen

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Rainer Lamp (l.), Detlev Faust (2. v. l.) und Klaus Gottwald (r.) ehrten drei langjährige Mitglieder der Friseur-Innung: Christa und Katja Medelnik sowie Willi Schmitt.

Dieburg (ula) ‐ Die globale Finanzkrise sorgt bei vielen Menschen für Kopfzerbrechen. Auf den Köpfen spiegeln sich die Sorgen jedoch kaum wieder: „Die Verbraucher schätzen ihren Friseur und haben sich die Lust am Salonbesuch nicht nehmen lassen“, so Detlef Faust, seit fünf Jahren Obermeister der Friseur-Innung Dieburg-Erbach, bei der Jahreshauptversammlung des Gremiums.

Und weil Modebewusstsein und ein gepflegtes Äußeres trotz Finanzkrise eine große Rolle spielen, zeige sich der Friseurmarkt in „robuster Verfassung“, so der Obermeister in seiner Jahresbilanz. Dennoch gibt es haarige Tendenzen in der Handwerker-Innung: Die Dachorganisation der Friseure schrumpfte in den vergangenen fünf Jahren von 90 auf 30 Mitgliedsbetriebe zusammen. Betriebsschließungen, Interesselosigkeit, Kostenreduzierungen und andere Gründe sind für den Rückgang verantwortlich. Detlef Faust, Inhaber des gleichnamigen Meisterbetriebs in Dieburgs Innenstadt, rührt mächtig die Werbetrommel – bislang jedoch erfolglos. Die Vorteile der Organisation liegen nicht nur in der Interessenbündelung gegenüber Wirtschaft und Politik. Sie biete Kosteneinsparungen in vielen Bereichen sowie Aus- und Fortbildung, Modeproklamationen und arbeits- und sicherheitstechnische Dienste, so der Innungsobermeister.

Trotz des Mitgliederschwunds „schießen neue Friseurbetriebe in den letzten drei bis vier Jahren wie Pilze aus dem Boden“, so das Fazit des Innungschefs, „oftmals muss man feststellen, dass diese Betriebe sehr günstige Friseurleistungen anbieten.“ Diese „Dumping-Preis-Entwicklung“ führe bei alteingesessenen Betrieben zu Frust.

Mangelnde Leistungen im praktischen Prüfungsteil

Auch im Ausbildungsbereich läuft nicht alles glatt: Zurzeit seien 45 Lehrlinge in den drei Lehrjahren im Altkreis Dieburg eingetragen, so Faust, hiervon werden 13 Lehrlinge von Nichtinnungsbetrieben ausgebildet. 18 Lehrverträge wurden – häufig im dritten Lehrjahr – aufgelöst. Neun davon in Nichtinnungsbetrieben. In Erbach befinden sich 22 junge Leute in Ausbildung, acht davon in Nichtinnungsbetrieben, vier Ausbildungsverträge wurden vorzeitig  aufgelöst. „Bei Nichtinnungsbetrieben werden viele Lehrlinge über Zuschüssen eingestellt, dies führt dann während der Ausbildung zu Problemen“, beklagt Detlef Faust.

Im vergangenen Jahr absolvierten 30 Lehrlinge erfolgreich ihre Gesellenprüfung, drei Prüflinge fielen durch. Vor allem im praktischen Teil beklagte der Prüfungsausschuss, mangelnde Leistungen.

Goldener Meisterbrief für Edgar Mohrhard

Ein erfreulicher Tagesordnungspunkt war die Ehrung langjähriger Mitglieder, die Detlef Faust mit dem Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Darmstadt Dieburg, Rainer Lamp, vornahm. Den goldenen Meisterbrief der Handwerkskammer Rhein-Main erhielt Edgar Mohrhard (Mainaschaff), der seinen Salon in Dieburg führt. Er legte vor rund 50 Jahren seine Meisterprüfung ab. Mit einer Ehrenurkunde zum 40-jährigen Meisterjubiläum wurde Willi Schmitt aus Lützelbach ausgezeichnet. Katja und Christa Medelnik wurden anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Salons Medelnik in Erbach geehrt. Unternehmensgründerin Christa Medelnik engagierte sich vierzehn Jahre lang als Vorstandsmitglied der Friseur-Innung, neun Jahre davon als stellvertretende Obermeisterin. Tochter Katja ist seit 2004 Vorstandsmitglied und führt das erfolgreiche Friseurunternehmen der Mutter fort.

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