Keine S-Bahn für Dieburg

+
Sprechstunde: Volker Bouffier lockt 120 Menschen in die Römerhalle

Dieburg - Energiewende, Länderfinanzausgleich, Umgehung für Darmstadt, S-Bahn-Anschluss für Dieburg: Die Fragen, die am Donnerstagabend aus den Reihen der 120 Menschen im Obergeschoss der Römerhalle an Volker Bouffier (CDU) gerichtet wurden, waren vielfältig. Von Jens Dörr

Zu einer „Bürgersprechstunde“ war Hessens Ministerpräsident, der in seiner früheren Funktion als Innenminister auch schon in der alten Ludwigshall referiert hatte, in die Gersprenzstadt gekommen. Flankiert von seinem Staatssekretär und Regierungssprecher Michael Bußer und vis-à-vis unter anderem der Landtagsabgeordneten Manfred Pentz (Groß-Zimmern, CDU) und Wilhelm Reuscher (Dieburg, FDP), antwortete Bouffier sachkundig, ausführlich und, wie von ihm bekannt, ohne wesentliche Hilfe eines Skripts.

Nicht immer fielen die Antworten konkret aus, was der 60-Jährige dann aber erklärte. So könne er auf die Frage, wann mal etwas in Sachen Umgehung der Verkehrsflussbremse Darmstadt – aus Richtung Dieburg angedient etwa über die B 26 – geschehe, keine klare Aussage machen, weil das in der Hand der Stadt und des Kreises liege. Hier müsse man als Bürger den Volksvertretern auch mal auf die Nerven gehen, damit sich etwas bewege, riet Bouffier.

Ein bisschen Balsam für Dieburger Seelen

In Sachen Energiewende wies er darauf hin, dass insbesondere bei der Stromerzeugung das Grundlastproblem noch zu lösen sei, weil regenerative Energien nicht gleichmäßig verfügbar und Speicher noch nicht ausgereift seien. Über die geplanten und nun auch dem Bau ein Stück näher gebrachten Nord-Süd-Trassen für Gleichstrom – und auch die Wechselstromleitungen bis Urberach – zeigte sich Bouffier erfreut, gleichwohl bei ihm immer noch der Atomkraft-Anhänger durchschien.

Hellhörig wurden die vielen Dieburger im Raum besonders, als Bouffier speziell auf ihre Stadt einging. Darf man seiner Einschätzung Glauben schenken, so muss sich Dieburg vom Gedanken an einen Anschluss an das S-Bahn-Netz verabschieden. Bouffier berief sich auf Gutachten, die neben den Investitionen ein jährliches und langfristiges Defizit der Fortsetzung der Linie, die von Frankfurt kommend bislang in Ober-Roden endet, prognostiziere. „Es gäbe wohl zu wenige Nutzer. Da kann ich Ihnen keine Hoffnungen machen“, redete Bouffier in dieser Sache Tacheles.

Ein bisschen Balsam schmierte er dennoch auf die Dieburger Seele und holte zum Rundumlob für die Stadt aus: „Sie haben eine Bombenlage, Arbeit, eine gute wirtschaftliche Struktur - prima! Ich sage Glückwunsch, wie es um Sie bestellt ist!“

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare