Keine Sprünge vom Turm

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Wasser ist noch nicht in den Becken: In den Anlagen des Freibads wird derzeit noch gearbeitet. Etliche Schäden des strengen Winters müssen beseitigt werden. Und eine schlechte Nachricht für Springer gibt es auch noch: Die Türme bleiben vorerst gesperrt.

Dieburg - Die ersten warmen Tage haben vielleicht schon wieder die Lust auf einen Schwimmbadbesuch geweckt. Aber das in Dieburg wohl temperierte Nass lässt noch auf sich warten. Denn beim Blick ins Becken im Freibad, ist nur eins zu sehen: tiefe, blaue Leere. Von Lisa Hager und Bettina Link

Leitern, Schubkarre und Eimer stehen und liegen dort, wo sonst Schwimmer ihre Bahnen ziehen. Und wo sonst Mutige vom Zehn-Meter-Turm ins Wasser springen, sitzen Arbeiter, die sich jeder einzelnen Fuge widmen, sie reinigen und auffüllen.

Das Freibad muss nach der extrem langen Winterperiode noch sommerfest gemacht werden. Dafür sorgen Jürgen Klingsbigl und seine Kollegen von der Firma Klingsbigl aus Erbach. Weil die monatelange Kälte tiefe Spuren hinterlassen hat, müssen die Becken nun wieder repariert werden. „Wir haben 150 Meter Fugen ausgebessert“, erläutert Jürgen Klingsbigl. Das Schwimmerbecken ist am Montag so weit, dass es mit Wasser befüllt werden kann – dafür braucht es noch einmal zwei Wochen. Aber für das kleine Spaßbecken fehlen noch die Fliesen, die zur Ausbesserung benötigt werden. „Die werden erst nächste Woche von der Firma produziert“, sagt Klingsbigl, der seit drei Wochen an den Fugen im Schwimmbecken arbeitet.

Dieburg traditionell eh schon später dran

Wann aber öffnet das Schwimmbad denn jetzt? Im Vergleich zu anderen Bädern der Region ist Dieburg traditionell eh schon später dran. Den Anfang macht in diesem Jahr wie immer Schaafheim: Dort startet die Saison schon Ende April. Auf einen definitive Termin kann sich Bürgermeister Dr. Werner Thomas derzeit noch nicht festlegen. „Wir werden so früh wie möglich aufmachen, aber es wird nicht vor dem 15. Mai sein“, sagte er gestern gegenüber dem DA. Nach der langen Frostperiode gäbe es in diesem Jahr mehr zu tun als sonst. Und man habe erst vor Kurzem mit den Arbeiten beginnen können.

Und einen besonderen Wermutstropfen gießt er auch noch in den Badespaß-Wein 2012: Die Sprungturm-Anlage, die das Dieburger Freibad vor anderen auszeichnet, muss vorerst geschlossen bleiben. „Vielleicht klärt sich die rechtliche Situation bis zum Saisonstart. Aber nach momentaner Lage bleibt sie gesperrt“, so Thomas. Hintergrund: Ein Beratungsbüro ist derzeit damit beauftragt nach Einsparungspotenzial im defizitären Freibad zu suchen. Und da ist eine Verkleinerung des Wasservolumens Punkt eins der Möglichkeiten. „Ich hatte die Idee, die Becken, die durchschnittlich 2,20 Meter Tiefe haben, flacher zu machen“, sagte der Verwaltungschef. In diesem Zusammenhang sind die Berater aber auf eine Tatsache gestoßen, die den Turmspringfans gar nicht gefallen wird: Nach den aktuellen Vorgaben dürfte die Anlage in der Form gar nicht mehr betrieben werden. „Sie erfüllt die Richtlinien nicht mehr“, so Thomas. Beispielsweise muss ein Turm laut dieser Vorgaben so ausgerichtet sein, dass der Springer nach Norden schaut und nicht von der Sonne geblendet wird. Auch der Anstiegswinkel der Sprungbeckenwand entspricht nicht mehr den Richtlinien. „Wir haben 80 Grad, es dürfen aber nur noch 30 Grad sein, damit sich der Schwimmer nicht verletzt“, sagt der Bürgermeister. Jetzt muss geklärt werden, ob sich die neuen Richtlinien auch auf bestehende Anlagen beziehen. Bis dahin bleiben die Sprunganlagen in Dieburg geschlossen. „Das ist für mich eine haftungsrechtliche Frage“, so Thomas.

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