Der Dieburger Peter Schmidt fährt Oldtimer-Rallyes / „Spiti“ immer dabei

„Keine Zeit, in die Landschaft zu gucken“

Peter Schmidt (links) und Werner Sinnigsohn im Triumph Spitfire.

Dieburg - (jd) Peter Schmidt, das merkt man gleich, könnte wohl stundenlang über seine Leidenschaft sprechen. Langweilig würde das nicht, tut er das doch mit genau jenem Enthusiasmus, der Unwissende schnell gefangen nimmt und für das interessiert, was ihn selbst begeistert: Schmidt ist Fahrer bei Oldtimer-Rallyes.

Bei den „Nibelungen“, einer der bekanntesten Rundfahrten, die vor einigen Wochen auch Station in Dieburg machte, wurde der 58-Jährige in diesem Jahr Sieger in der Teamwertung und Dritter in der Gruppe. „Wir haben einen Schnitzer gemacht, sonst hätten wir gewonnen“, hat der Dieburger nachträglich analysiert. Wenn er von „wir“ spricht, meint er damit allerdings nicht sich und seinen Triumph Spitfire MK IV mit 63 PS und Baujahr 1972. Vielmehr spricht er von sich und seinem Beifahrer Reiner Sinnigsohn, Baujahr 1954. „Der Beifahrer ist eigentlich noch wichtiger als der Fahrer“, sagt Schmidt und betont den großen Anteil Sinnigsohns an seinen Rallye-Erfolgen.

Drei Anforderungen habe Autofan Schmidt gehabt, als er den Spitfire im Jahr 2002 kaufte: „Das Auto sollte offen, preisgünstig und mindestens 30 Jahre alt sein“, erläutert Schmidt. Der Wagen vom Typ Roadster sei bis 1980 gebaut worden und damals für seine schlechte Verarbeitung bekannt gewesen. Doch der Spitfire sei für Schmidt heute leicht zu reparieren, es gebe alle Ersatzteile dafür. Mit 67 Euro pro Jahr kostet die Versicherung für den Oldtimer nicht mehr als einmal Volltanken.

Beim Sprit müssen Schmidt und Sinnigsohn, die seit 2003 gemeinsam Rallyes fahren, allerdings häufig das Portemonnaie zücken. 5000 Kilometer legen beide mit „Spiti“, wie Schmidt seinen Oldtimer liebevoll nennt, pro Jahr zurück. In der Rallye-Saison von April bis Oktober nehmen beide an acht bis zehn Rallyes teil, die durch den Spessart, den Taunus oder wie die „Nibelungen“ durch den Odenwald führen. Auch das Umfahren des Darmstädter Luisencenters stand dabei in diesem Jahr auf dem Programm. Die PS-starke Gaudi hat ihren Preis – die Startgebühren variieren bei den Rundfahrten zwischen 25 und 150 Euro.

Das interessiert Schmidt und Sinnigsohn aber weniger als die Art der Rallye. In der Regel nehmen sie an „touristischen“ Rallyes teil, die im Kontrast zu „sportlichen“ Rallyes stehen. „Die sind aber Stress pur“, sagt Schmidt. Doch auch so werde während einer Rundfahrt „nichts Privates“ gesprochen, wie Sinnigsohn ergänzt, sei man ganz auf die gestellten Aufgaben des Veranstalters fixiert.

Da gibt es beispielsweise die so genannten Gleichmäßigkeitsprüfungen: Den Teilnehmern wird die Länge einer Strecke mitgeteilt und die erwartete Zeit vorgegeben. Die Messung erfolgt dann per Lichtschranke – das Ende der Strecke ist allerdings nicht zu sehen. Da sind Fahrgefühl und gute Zusammenarbeit zwischen Fahrer und Beifahrer gefordert. Und vor allem Erfahrung: „Die ersten beiden Jahre haben wir bei den Rundfahrten nur geübt“, sagt Schmidt. Erst dann seien sie wettbewerbsfähig gewesen. Was die Gleichmäßigkeitsprüfungen noch unberechenbarer, zugleich aber auch spannender mache: Die Rallye-Teilnehmer absolvieren sie auf öffentlichen Straßen, die nicht extra wegen der Rundfahrt abgesperrt werden. „Da gibt es Situationen, die man vorher nicht abschätzen kann“, weiß Sinnigsohn aus seinen inzwischen sechs Jahren Rallye-Erfahrung. Bei den „Nibelungen“ führte diese Prüfung hoch zur Burg Frankenstein bei Darmstadt.

Angesichts vieler anderer Anforderungen bei den Rundfahrten – dem Lesen von „Chinesen-Zeichen“, Pfeil- und Punktskizzen oder dem „Fischgrätenfahren“ – bedarf es neben Rallye-Kompetenz und großer Konzentration auch einer gut gepackten Rallye-Tasche: In die packen Schmidt und Sinnigsohn neben Stopp- und Funkuhren auch eine Lupe, eine Taschenlampe und ein Kartenbrett ein. Ganz bedeutsam ist auch die Schnitttabelle, die verrät, mit welcher Geschwindigkeit man in welcher Zeit welche Strecke zurücklegt. So wird die „Schnitzeljagd für Erwachsene“ (Schmidt) zum ernsthaft betriebenen Ereignis.

Und obwohl die Touren in der Regel durch optisch reizvolle Regionen führen, haben Peter Schmidt und Reiner Sinnigsohn bei den Rallyes dafür keinen Blick: „Bei einer Rundfahrt hat man einfach keine Zeit, in die Landschaft zu gucken.“

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