Gereimter Gruß auf fünf Quadratmetern: Banner am Dieburger Marktplatz

Kerbverein muntert KVD auf

Fünf Quadratmeter groß ist das Banner, mit dem der Kerbverein seine Zugewandtheit zum KVD und den Dieburger Fastnachtern ausdrückt.
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Fünf Quadratmeter groß ist das Banner, mit dem der Kerbverein seine Zugewandtheit zum KVD und den Dieburger Fastnachtern ausdrückt.

Groß-Zimmern/Dieburg – Zwischen den Fans der Zimmerner Kerb und jenen, die es mit der Dieburger Fastnacht halten, besteht seit jeher eine – augenzwinkernd zu verstehende – Hassliebe. Mittlerweile, so der Eindruck, könnte man fast von reiner Liebe sprechen, insbesondere auf der organisatorischen Ebene: „Im Verhältnis zwischen dem Kerbverein und dem Karnevalverein hat in den letzten Jahren eine gute Entwicklung stattgefunden“, sagt Kerbvereins-Vorsitzender Mark Pullmann.

Das neuste, weithin sichtbare Zeichen der Zugewandtheit findet man seit Samstagvormittag am Dieburger Marktplatz: Am Fachwerkhaus zwischen Nähzentrum Meitner und Eingang zum Fechenbach-Park hängt nun ein fünf Quadratmeter großes Banner. Aufschrift: „Äla Bumm is leider ausgefalle, äwwer nägst Joohr losse mer zoamme die Korke knalle!“ Unter der gereimten Aufmunterung ist ihr Absender zu lesen: der Kerbverein Groß-Zimmern. Er hatte die Aktion bis Samstag erfolgreich geheim gehalten, lediglich Immobilienbesitzer Peter Kolb, Dieburgs Bürgermeister Frank Haus und den Denkmalschutz über sein Vorhaben informiert. Auch die Behörde gab grünes Licht, dass das weinrote Banner jetzt an prominenter Stelle der Dieburger Innenstadt hängen darf. Voraussichtlich bis Mitte Februar, wenn die tollen Tage anstehen, wie am Samstag Mark Pullmann, Kerbvereins-Schriftführer Thorsten Burger, Holger Bernhard vom Arbeitsausschuss (der das Banner von der Leiter aus im Holz verankerte) und Kerblegende Thomas Beutel vor Ort vorausblickten.

Als es im August 2020 coronabedingt nichts mit der Groß-Zimmerner Kerb geworden war, hatte der Dieburger Karnevalverein den heiß geliebten Nachbarn seinerseits nicht vergessen und ihm per Videobotschaft sein Mitgefühl ob des schmerzlichen Verzichts übermittelt. Nun revanchierte sich der Kerbverein, und das aus ganzem Herzen: „Wir tauschen uns mit dem KVD inzwischen regelmäßig aus, zum Beispiel bei der Brauchtumsabnahme für die Umzüge und die Datenschutz-Grundversorgung“, berichtet Pullmann vom gepflegten Kommunikationsfluss. Noch mehr als das: Bei Veranstaltungen helfen sich Kerb- und Äla-Jünger ab und an auch gegenseitig mit der Übernahme von Diensten. So brachte sich der Kerbverein beispielsweise schon beim KVD-Oktoberfest im Zeughaus ein. Während die Dieburger Fastnachter (und nicht nur die) aufgrund der zeitlichen Distanz zur nächsten Kampagne (11.11. 2021 bis 01.03.2022) stark auf die Rückkehr der Normalität hoffen dürfen, macht sich der Zimmerner Kerbverein nichts vor: Eine Sause in gewohnter Dimension scheint in diesem August zum zweiten Mal in Folge unwahrscheinlich. Mark Pullmann hat zwar auch eine „normale“ Zimmner Kerb 2021 noch nicht ganz abgeschrieben, „wir bereiten uns aber auch auf Alternativen vor“. Dazu gehöre, die digitalen Kerbformate weiter zu forcieren und Kerbveranstaltungen unter den Regeln, die auch für die Gastronomie gelten, durchzuführen. Ein Problem immerhin stellt sich erst gar nicht: Der diesjährige Kerbjahrgang wäre personell recht schwach vertreten gewesen, sodass diese jungen Groß-Zimmerner erst mit dem Jahrgang des kommenden Jahres das Heft in die Hand nehmen werden. Jene aus 2020, dem Kerbjahr zum Vergessen, sollen ihre Sause möglichst in diesem Jahr nachholen können.

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