Schließung bis Ende des Jahres steht fest

Kfz-Zulassung im Kreishaus bald Historie

Hier montiert eine junge Autofahrerin das Nummernschild an ihren Mercedes, das sie sich gerade beim Schildermacher hat stanzen lassen. Die beiden Schilder-Hersteller - dieser hat sein Mobil direkt vorm Landratsamt stehen, ein weiterer hat sein Geschäft in einem Container in der Albinistraße um die Ecke, werden nach der Umstrukturierung der Zulassungsbehörde wohl überflüssig. Fotos (2): Hager

Dieburg J Am Fastnachtsdienstag ist die Zulassungsstelle in Dieburg ab 11 Uhr geschlossen - ab Ende des Jahres macht sie gar nicht mehr auf. Dieses Gerücht hat schon länger die Runde gemacht, jetzt ist es amtlich. Von Lisa Hager

Auf Anfrage unserer Zeitung bestätigt Landrat Klaus Peter Schellhaas, dass die Schließung der Zulassungsstelle zum 1. 1. 2013 amtlich ist.

Schon am 11. Januar, als der Landrat die rund 4,6 Millionen Euro teuren Umbaupläne für das Dieburger Kreishaus vorgestellt hat, gab es intern weniger Anlass zur Freude: Bei dieser Gelegenheit hat er die fünf Mitarbeiter der Zulassungsstelle über die geplante Schließung informiert. Zweieinhalb Stellen - darunter die der Amtsleiterin - werden in Dieburg bleiben, das weiterhin die Fachaufsicht über die Zulassungsstellen im Kreis behalten soll. Die anderen Mitarbeiter werden sich für andere Stellen bewerben müssen - unter anderem in Groß-Umstadt. Dort ist die Zulassungsstelle - daneben gibt es noch Ober-Ramstadt, Pfungstadt und Weiterstadt - im Bürgerbüro des Rathauses angesiedelt. Dort soll erweitert werden.

Diese Nähe zur städtischen Verwaltung ist unter anderem einer der Gründe für die Schließung in Dieburg. „In Hessen ist auf dem Sektor des Zulassungswesen einiges im Umbruch“, informiert der Landrat im Gespräch mit unserer Zeitung. Künftig werden einige der Aufgaben auch von Bürgerbüros und Einwohnermeldeämtern erledigt werden können. Zum anderen ist ein generelle Vereinfachung der Kfz-Zulassung geplant, was ein geringeres Besucheraufkommen an den Schaltern zur Folge haben wird. „Beispielsweise sind wir auf dem Weg zu einem lebenslangen Kennzeichen“, so Schellhaas. „Das muss dann nie mehr gewechselt werden, auch wenn der Halter das Auto wechselt.“

Und die Leiterin der Zulassungsstelle in Dieburg, Anja Buchsbaum, macht noch auf eine weitere Neuerung in Hessen aufmerksam, die erst seit 9. Februar in Kraft ist. „Ab sofort muss man das Kennzeichen nicht mehr wechseln, wenn man innerhalb Hessens umzieht, beziehungsweise ein Auto aus einem anderen Bezirk kauft.“ In Weiterstadt hat diesen neuen Service ein Bürger gleich am ersten Tag in Anspruch genommen. So kann es sein, dass künftig auch in Dieburg die Straßen „bunter“ werden - also Einheimische beispielsweise Autos mit Kasseler oder Göttinger Kennzeichen fahren. „Grundsätzlich wird die Zulassung entbürokratisiert“, beschreibt Buchsbaum die Tendenz. Insgesamt werde es dadurch weniger Transaktionen geben.

Statt dem gewohnten Schalterservice, den es in Dieburg ab dem neuen Jahr nicht mehr geben wird, kommt der „Mobs“ ins Spiel: Das ist eine „mobile Zulassungsstelle aus dem Koffer“ sozusagen. Der Mitarbeiter kann damit in Rathäusern - mit dem Dieburger Bürgermeister wurden auch schon entsprechende Gespräche geführt - eine mobile Servicestelle einrichten. Vor allem aber wird der „Mops“ direkt zu großen Autohäusern kommen, die beispielsweise wie Skoda oder Seat in Weiterstadt am Tag hunderte von Zulassungen abzuwickeln haben.

„Dann bin ich meinen Job los“, befürchtet Silva Sauerwein, die als Selbstständige für Firmen wie PacLease (Nutzfahrzeugvermieter in Dieburg) oder Hauser Trucks (Eppertshausen) die Zulassungen erledigt. Sie ist täglich in der Zulassungsstelle in Dieburg vor Ort und bedauert die Schließung sehr. Der „Mobs“ wird später dann ihre Arbeit machen. „Ansonsten muss ich nach der Schließung jedes Mal nach Groß-Umstadt oder Ober-Ramstadt fahren. Das ist viel aufwändiger für mich“, sagt sie.

Die Umbauarbeiten, die in Dieburg Anfang 2013 beginnen und eineinhalb Jahre dauern sollen, waren laut Schellhaas der endgültige Auslöser für die Überlegungen, die Kfz-Zulassung zeitgleich zu schließen. Das gesamte Kreishaus-Gelände muss geräumt werden, der Neubau wird komplett entkernt, zeitgleich beginnen die Arbeiten am denkmalgeschützten alten Gebäude.

Ein Teil der 160 Mitarbeiter werden im leer werdenden Pflegeheim am Krankenhaus in Umstadt untergebracht. Ein Teil wird nach Kranichstein ins Kreishaus kommen, für den Rest werden Gebäude angemietet. Die Volkshochschule wird in der Bauphase möglichst auf Dieburger Schulen verteilt.

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