„KiföG setzt falsche Maßstäbe“

+
Mit Plakaten, Luftballons und Trillerpfeifen protestierten Erzieherinnen, Kinder und Eltern gegen das KiföG. 

Dieburg - „KiföG – so nicht“, „Gegen Massenkinderhaltung“ oder „Kita-Qualität im Sinkflug“ steht auf den Plakaten zu lesen, die Erzieherinnen, Kinder und Eltern am Donnerstagmorgen auf dem Marktplatz in den Himmel recken. Von Laura Hombach

Ohrenbetäubende Trillerpfeifenkonzerte unterstreichen das Nein zum neuen hessischen Kinderförderungsgesetz (KiföG) akustisch.

Gut gefüllt ist der Platz, besonders auch mit kleinen Demonstranten, denn alle Dieburger Kindergärten haben sich der Protestaktion angeschlossen. Auch Vertreter des DGB sind vor Ort, um die Demonstranten zu unterstützen. Und die Dieburger sind mit ihrem Protest nicht alleine: In einigen Nachbarkommunen finden ebenfalls Veranstaltungen statt, Kirchenglocken werden geläutet, um auf das Nein zum KiföG aufmerksam zu machen.

Erzieher, Eltern und Sozialverbände befürchten, dass das neue KiföG zu einer Verschlechterung bei der Kinderbetreuung führt. Hauptkritikpunkte am KiföG sind die darin zu Grunde gelegten aufgestockten Gruppengrößen, eine Absenkung des Betreuungsschlüssels, kürzere Öffnungszeiten und die Betreuung der Kinder auch durch fachfremdes Personal.

Falsche Standards

Damit würden im KiföG die falschen Standards festgelegt, moniert Juliane Brechtel, Leiterin der katholischen Kindertagesstätte St. Josef am Donnerstag bei der Protestveranstaltung. Und eben diese Standards seien dann der Maßstab für die Verhandlungen zwischen den Trägern der Kindergärten und der Kommune.

Auf großen Widerstand stoßen die im KiföG zu Grunde gelegten aufgestockten Gruppengrößen.

Denn ob über die vom Land finanzierte Betreuung Zusatzleistungen wie kleinere Gruppen, familiengerechte Öffnungszeiten und die Beschäftigung von mehr Fachkräften in den örtlichen Betreuungseinrichtungen angeboten werden sollen, liegt in den Händen der Städte und Gemeinden. „Die politische Verantwortung wird hin und her geschoben“, erklärt Brechtel. Sie sieht in der Reduzierung der Betreuungsarbeit auf eine reine Grundversorgung der Kinder, wie sie das KiföG beinhalte, einen klaren Rückschritt.

Auch die Leistungen, die von den Erzieherinnen zusätzlich zu der reinen Betreuungsarbeit geleistet werden, finden im derzeitigen Gesetzentwurf keinen Niederschlag. Die Finanzierung von Zeitkontingenten für die Vorbereitung, die Arbeit der Kita-Leitung oder die Vernetzung etwa mit Schulen ist im KiföG nicht vorgesehen.

Informationsabend zum KiföG

Dabei wäre nach Ansicht von Brechtel gerade ein Schritt in die entgegengesetzte Richtung vonnöten, um auch in Zukunft eine qualitativ hochwertige Betreuung der Kinder zu gewährleisten. „Der Beruf muss attraktiver werden“, fordert sie. Nur so könne verhindert werden, dass immer mehr qualifizierte Erzieherinnen durch Erkrankung ausfallen oder aus dem Beruf aussteigen, weil die Belastung immer größer werde.

Am kommenden Freitag, 22. März, bieten die FDP-Landtagsabgeordneten Wilhelm Reuscher und René Rock in Dieburg einen Informationsabend zum KiföG an. René Rock, stellvertretender Fraktionsvorsitzender und sozialpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion im Hessischen Landtag will dabei die Fördersystematik und Neuerungen des hessischen Kinderförderungsgesetzes erläutern und für Fragen rund um das Gesetz zur Verfügung stehen. Der Termin findet um 19 Uhr im Gemeindezentrum St. Wolfgang, Berliner Straße 35, statt.

Kommentare