„Etwas Schlimmes getan“

Verwirrende Aussagen im Prozess um mutmaßliches Mörderpaar

Darmstadt/Dieburg -  Die Verhandlungstage drei und vier um den mutmaßlichen Mord an einer Dieburger Rentnerin waren vor allem von zum Teil verwirrenden Zeugenaussagen geprägt. Von Lars Herd

Im Prozess um den mutmaßlichen Mord an einer 81-jährigen Dieburgerin hat am Dienstag erstmals der Angeklagte Denny M. selbst ausgesagt. Gleich zu Beginn gab er nach Aufforderung des Vorsitzenden Richters Volker Wagner an, dass er sein Messer – die Tatwaffe – in einer Plastiktüte in einem See bei Roßdorf versenkt habe. Das war bereits bekannt. Nun sagte er dazu, dass in der Tüte außerdem zwei paar Handschuhe waren – sein eigenes Paar und das von der Mitangeklagten Jana F. Doch bis jetzt haben Taucher noch nichts in dem See gefunden.

Später kamen noch weitere Aussagen von M. dazu, die seine mutmaßliche Mittäterin F. immer mehr belasten. Bei einem virtuellen Rundgang durch die Tatwohnung im Dieburger Erlenweg mit Panoramaaufnahmen stellte Richter Wagner beim Blick ins Schlafzimmer – wo an der Matratze Blutspuren zu sehen waren – die Frage, ob sie von M. stammen. Der bestätigte und sagte, er habe die Matratze angehoben, um darunter nach Geld zu suchen – nach mehrmaliger Aufforderung von F. Auf Wagners Nachfrage, was F. währenddessen gemacht habe, sagte M., dass sie noch weiter auf das Opfer eingestochen habe.

Auch der Ex-Freund von F. war im Zeugenstand. 2015 haben sich die beiden in einem Fußballstadion kennengelernt, führten seitdem eine „On-Off-Beziehung“, erklärte er. Sie waren also mal ein Paar, mal wieder nicht. Zuletzt sollen sie sich am 24. März 2017 gesehen haben, dem Tattag. Da sei F. gegen 20.30 Uhr mit einer Schnittverletzung in der Hand zu ihm in die Wohnung gekommen. Unter anderem habe F. ihm an diesem Abend erzählt, dass sie „etwas Schlimmes“ getan habe. Sie hätte einen neuen Weg eingeschlagen, sie sei nun ein Serienmörder.

Als er gefragt habe, wie viele sie schon habe, soll F. ohne zu überlegen „drei“ gesagt haben. Die drei seien ein Kind, ein Mann und „heute eine alte Frau“ gewesen, berichtete F.s Ex-Freund. Das Kind führte er auf eine Totgeburt zurück, von der F. ihm erzählt habe. Der Mann soll während ihrer Arbeit in einer Klinik in der Schweiz gestorben sein, weswegen F. wohl schon einmal im Gefängnis gewesen sei, erzählte ihr Ex-Freund. Nur von einer „alten Frau“ habe er bis dato nichts gewusst. Die Angeklagte drehte sich während der Aussage immer wieder mit einem breiten Lächeln zu ihrem Anwalt und flüsterte ihm etwas ins Ohr.

In der Wohnung ihres Ex-Freundes habe F. dann zu diesem auch gesagt, sie wäre gekommen, um ihn umzubringen. Unter anderem habe sie ihn mit einem Klappmesser bedroht. Er habe daraufhin nur gelacht, damit wäre die Sache erledigt gewesen, und sie hätten Geschlechtsverkehr gehabt. Das habe sie jedoch mehrfach geleugnet, berichtete einer der beiden Leiter der ermittelnden Soko „Erle“, der sie nach der Festnahme in Spanien nach Deutschland überführt hatte.

F. habe laut der Aussage ihres Ex-Freundes auch die Nacht bei ihm verbracht. Als sein Kind nachts aufgewacht und mit Bauchschmerzen zu ihm gekommen sei, soll er gemerkt haben, wie F., die neben ihm lag, von ihm „weggehüpft“ sei. Nachdem er sein Kind ins Bett gebracht habe, soll F. zu ihm gesagt haben, sein Kind hätte ihm damit das Leben gerettet. Noch in der Nacht verließ die Angeklagte die Wohnung ihres Ex-Freundes und flüchtete schließlich mit M. über Frankreich nach Spanien, wo sie gefasst wurden.

Erste neue Zeugenhinweise zu möglichem Serienmord

Und wie kam die Polizei auf diese Spur nach Spanien? Laut einer Polizistin, die F. aus einem anderen Zusammenhang kennt, habe die Angeklagte sie am 29. März aus Spanien angerufen. Im Gespräch habe sie gesagt, sie sei von M. entführt worden, müsse schnell wieder auflegen, da er zurückkomme. Später an diesem Tag habe F. der Polizistin eine SMS mit dem Reiseziel und der Beschreibung des Autos geschickt.

Gegen eine Entführung spricht jedoch der Suchverlauf von F.s Laptop. Dort soll am Tag nach der Tat, 25. März 2017, nach Ländern gesucht worden sein, die kein Auslieferungsabkommen mit Deutschland haben, sagte der Soko-Leiter. Konkret seien dies Kuba und Guinea gewesen. Des Weiteren habe F. ihm erzählt, dass M. sie zu einem „Road-Trip“ mitnehmen wolle und sie deshalb zunächst nichts von der Flucht gewusst habe.

Der Prozess wird am morgigen Freitag, 16. Februar, fortgesetzt.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Archivbild: dpa

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