ADS befasst sich mit Neuen Medien

Killerspiele nicht die Hauptursache

Offenbach-Post

Dieburg - (jd) „Es gibt keinen nachweisbaren Unterschied zwischen Gewalt im TV und Gewalt am Computer“, sagt Philipp Theis – auch wenn man bei letzterem aktiv ins Geschehen eingreift.

Theis ist beim Diakonischen Werk Kassel in der Suchtberatung tätig und war jetzt zu Gast in der Alfred-Delp-Schule (ADS). Vor den Jahrgangsstufen 11, 12 und 13 referierte Theis über die Neuen Medien – vor allem Spielekonsolen und das Internet – und die Chancen, Risiken und Herausforderungen von virtuellen Welten.

Eine der zentralen Aussagen im Hinblick auf die jüngsten Amokläufe in Deutschland und den USA: „Killerspiele am PC sind weder harmlos noch die Hauptursache für Gewalt in der Gesellschaft.“ Unter „Killerspielen“ versteht man gemeinhin solche Spiele an Computer oder Spielekonsole, bei denen man in die Rolle eines virtuellen Kämpfers schlüpft und aus dessen Perspektive Menschen tötet, manchmal auch zerstückelt.

Eine größere Bedeutung als diesen Spielen maß Theis dem persönlichen Umfeld junger Leute zu – das sei wichtiger im Hinblick auf Gewalttätigkeit im „echten“ Leben. Letztlich fehle es aber auch an längerfristigen Untersuchungen – ganz sicher, welchen Einfluss Gewaltspiele am Computer und Gewaltdarstellungen im Fernsehen haben, könne man also gar nicht sein.

Mehr als auf den Gewalt-Aspekt konzentrierte sich der Referent vor den Schülern dann auch auf das Thema Sucht. Die Suchtberatung des Diakonischen Werks werde vor allem wegen Online-Rollenspielen – hier in erster Linie „World of Warcraft“ – konsultiert. Über ausufernde Rechnungen wegen Handy-Sucht sei das Werk dagegen seltener informiert worden. „Bei den neuen Spielen geht es weniger darum, Monster zu erlegen, vielmehr ist das gemeinsame Spielen wichtig“, hat Theis ermittelt. Die Grafiken beliebter Spiele seien teils nur mittelmäßig, das Spielen werde schnell langweilig. „Wenn da nicht die Gruppe wäre, für die ich noch weiterspiele“, merkt Theis an. Das könne in eine Sucht mit regelrechten Entzugserscheinungen ausarten. In der ADS gingen auf die Frage, wer denn „World of Warcraft“ spiele, unterdessen nur drei, vier Hände in die Höhe.

Anders sah dies bei der Frage aus, wer in einem sozialen Netzwerk im Internet – etwa „SchülerVZ“, „Facebook“ oder „Wer kennt wen?“ – aktiv sei. Hier blieb – die Lehrer eingeschlossen – fast keine Hand unten. Theis bezweifelte gar nicht, dass die Netzwerke viele gute Seiten hätten und Chancen böten; die Teilnahme an Gruppen wie „Komasaufen bis zum Abwinken“ sei derweil problematisch.

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