Kinder bekehren den Riesen

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Zuerst spielen die Kinder unbeschwert im Garten des Riesen.

Dieburg ‐   Ohrenbetäubendes Geschnatter, nervöses Zupfen an den Kostümen, letztes Hand-an-Legen an der Dekoration, laute Anweisungen: Hinter den Kulissen der Bühne herrscht reges Treiben. Bevor es auf die Bühne geht, erschallt nochmal ein vielstimmiger Schlachtruf aus Kinderkehlen, um sich einzustimmen und gegenseitig Glück zu wünschen. Von Verena Scholze

„Puh“, lässt eine helfende Mutter erleichtert Dampf ab und eilt den Kindern nach, um auf der Bühne nach dem Rechten zu sehen. Am Freitagnachmittag führte die Gutenbergschule gemeinsam mit der Musikschule Dietzenbach ein musikalisches Tanztheater auf. Erzählt wurde das poetische Märchen „Der eigensüchtige Riese“ von Oscar Wilde. Die Idee, das Werk als Tanztheaterstück umzusetzen, wurde nach dem Probenwochenende im November 2008 in Wetzlar geboren. Die Vorbereitungszeit betrug rund zehn Monate.

Eigens eine Bühnenbild-AG gegründet

Bald aber errichtet der Riese eine dichte Mauer.

Zunächst begann man mit der Gestaltung und Umsetzung des Bühnenbildes. Hierzu wurde eine Bühnenbild-AG gegründet, bei der die Schüler die ersten Requisiten fertigten.Schulleiterin Birgitt Schmidt-Walter hat seit Februar in Eigenregie die Kostüme genäht und gefertigt, ihr Mann Heinz Schmidt-Walter übernahm den Bau der Bühne und der Requisiten. Norma Bretthauer aus dem Lehrerkollegium arbeitete seit Sommer an der Choreografie, die dann nach den Ferien von einer eigens ins Leben gerufenen Tanz-AG einstudiert wurde. Die Musik zum Stück komponierte Ralph Flieger, Lehrer der Streicherklasse an der Gutenbergschule. Die Instrumentalschüler der Gutenbergschule, das Dieburger Schülerorchester sowie das Kinderorchester der Musikschule Dietzenbach probten seit Sommer. Rund 220 Schüler waren als Sänger, Musiker und Tänzer beteiligt. Die musikalische Leitung lag in den Händen von Flieger, die Gesamtleitung hatte Schmidt-Walter. Der Riese, gespielt von Maybritt Bonnifer, der zunächst mürrisch gegen jedermann ist und die spielenden Kinder aus seinem Garten verjagt, wundert sich, dass ewiger Winter bei ihm eingekehrt ist, der Frühling keinen Einzug mehr in seinem Garten hält und keine Blumen mehr blühen wollen.

"Mir standen die Haare zu Berge"

Doch dann wird der Riese bekehrt, besinnt sich eines Besseren und die Kinder dürfen wieder in seinem Garten spielen. Dann nimmt die Geschichte jedoch noch ein tragisches Ende. Der Riese, der Herz zeigt und sich den Kindern öffnet, stirbt am Ende. Ergreifend ertönt hierzu ein Solo, gesungen von Pauline Brenncke. „Mir standen die Haare zu Berge, so schön hat sie gesungen“, sagt eine Besucherin gerührt.

Mit begeisterten Pfiffen und Klatschen bedankt sich das Publikum und ehrte die Darsteller mit gebührendem Applaus. „Ich möchte der Schulleiterin einen herzlichen Dank aussprechen“, sagt eine der Mütter, die sich rund um das Stück mit engagierten. „Sie hat seit Februar die Kostüme allein genäht, die Eltern mussten nichts dazu beisteuern - auch kein Geld“, betont die Mutter. Dies sei keine Selbstverständlichkeit: „Frau Schmidt-Walter besitzt ein großes Engagement und zeigt dies für die Schule und die Schüler auf eine unglaubliche Weise.“ Auch lobt die Mutter die Weitsicht, mit der die Schulleiterin die Kinder mit verschiedenen Projekte auf die weiterführenden Schulen vorbereitet.

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