Kinder schützen? - Eltern in zentraler Rolle

Dieburg (lho) ‐ Ob Internate, Schulen, kirchliche Einrichtungen, Vereine oder der Fall eines Stiefvaters aus Groß-Zimmern, der jetzt gerade vor dem Landgericht Darmstadt wegen sexuellen Missbrauchs an seiner Stieftochter verurteilt wurde. Momentan vergeht kaum ein Tag, an dem nicht ein neuer Fall von Missbrauch an die Öffentlichkeit gelangt.

Oft passiert der Missbrauch dort, wo man Kinder in guten Händen und geschütztem Raum glaubt. Das macht die Taten umso unfassbarer. Eltern wird dabei zugleich auch aufs Eindringlichste die Wichtigkeit der Frage „Wie schütze ich mein Kind?“ vor Augen gerufen.

Gerade der Umstand, dass sich Missbrauch meist im geschützten, familiären Raum abspielt, macht die Beantwortung dieser Frage aber schwierig, erklärt Otto Weber, Hauptabteilungsleiter Familie und Soziales beim Landkreis, im Gespräch mit dem DA.

Eltern sind in zentraler Rolle

Zahlreiche Angebote, die helfen sollen, Kinder stark zu machen werden bereits von Schulen, Vereinen und anderen Institutionen angeboten. Doch gefragt sind bei diesem Thema vor allem starke Eltern, wie Weber erklärt. „Eltern haben beim Schutz ihrer Kinder die zentrale Rolle.“ Oberstes Gebot sei dabei, dass Eltern ihren Kindern immer klar signalisieren, dass sie hinter ihnen stehen, und dass sie das Kind und seine Gefühle ernst nehmen. Das bedeute dann auch, das Kind zu unterstützen, wenn es etwa sagt, dass es dem Onkel lieber kein Küsschen zur Begrüßung geben möchte.

Hellhörig sollte man auch dann werden, wenn das Kind sich anders verhält als sonst, erklärt Weber. „Im besten Fall hat das Kind zu den Eltern ein so gutes Verhältnis, dass es sich ihnen mitteilt.“ Hinter einer Verhaltensänderung muss sich natürlich nicht immer so etwas gravierendes wie ein Missbrauch verstecken. Doch ein sensibler Umgang mit den Problemen seines Kindes ist dem familiären Miteinander in jedem Falle zuträglich und hilft auch beim Bewältigen von anders gearteten Problemen.

Bei Unsicherheit - immer Rat einholen

Allerdings ist es nicht immer leicht, sein Kind und dessen Verhaltensweisen zu verstehen, weiß Weber.

Der kostenlose Familienwegweiser des Landkreises Darmstadt-Dieburg, der auch im Landratsamt Dieburg ausliegt, zeigt auf fast 200 Seiten wichtige Ansprechpartner und Anlaufstellen für alle Fragen rund um die Familie auf. Angefangen bei Familienplanung, Schwangerschaft und Geburt über Gesundheit, Erziehung und Partnerschaft, Kinderbetreuung, Fragen rund um Schule und Ausbildung bis zu Anlaufstellen für Menschen in Krisen und Notlagen. Auch Senioren, Behinderte und Migranten finden hier die richtigen Anlaufstellen. Der Familienwegweiser des Landkreises liegt in den Kreishäusern, in zahlreichen Rathäusern des Kreises sowie in Einrichtungen für Kinder, Jugendliche und Familien aus. Er kann außerdem bestellt werden unter kijufoe@ladadi.de.

Deshalb bietet der Landkreis tatkräftige Unterstützung bei der Dechiffrierung von kindlichen und jugendlichen Nachrichten an. Angefangen bei „Wie verstehe ich mein Baby“-Kursen über Erziehungsberatung geht das Angebot bis zu Anlaufstellen für Jugendliche, die in der Pubertät anfangen, ihre Eltern als schwierig zu empfinden. Weber ermutigt Eltern dazu, sich kompetenten Rat zu holen, wenn sie im Umgang mit ihren Kindern oder speziellen Problemen unsicher sind. Die richtige Anlaufstelle findet man im Familienwegweiser für den Landkreis Darmstadt-Dieburg (siehe Kasten).

Weber: „Bei Tätern ist meine Toleranz gleich null!“

Und obwohl die Eltern ganz klar die Hauptrolle bei der Unterstützung und dem Schutz ihrer Kinder spielen, legt der Landkreis auch Wert auf die Fortbildung von Erziehern, Tagesmüttern und anderen Personen, die das Wohlergehen von Kindern im Blick haben. „Wir setzen sehr auf Prävention“, so Weber. „Allerdings wird es immer Familien geben, die sich nicht helfen lassen.“

Ich finde es eine tolle Entwicklung, dass sich jetzt so viele Menschen öffnen“, sagt Weber über die Missbrauchsopfer, die sich nun nach jahre- und jahrzentelangem Schweigen zu Wort melden. „Es ist nun an der Öffentlichkeit, ihnen bei der Verarbeitung ihres Missbrauchs zu helfen“, lautet der Appell des Amtsleiters. Die gegenwärtige Situation sieht Weber aber auch als Chance, das Thema Kinder und deren Schutz wieder mehr ins Bewusstsein zu bringen. „Das Thema sollte uns eigentlich ständig beschäftigen.“

Wie ernst Weber selbst seinen Beruf gerade im Hinblick auf den Schutz von Kindern nimmt, verrät auch der entschlossene Ton, in dem er sagt: „Wenn uns ein Missbrauch bekannt wird, dann greifen wir ein. Bei den Tätern ist meine Toleranz gleich null!“

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