Klares Bekenntnis zur Innenstadt

Hinter dem Sanitätshaus Klein entsteht auf einem ehemaligen Gelände der katholischen Pfarrgemeinde derzeit der Erweiterungsbau. Das Team um Klaus Leng (hinten rechts im Gespräch mit einem Bauarbeiter) bekennt sich damit klar zur Zukunft in der Innenstadt. - Foto: Dörr Das Sanitätshaus Klein baut hinter dem Hauptgeschäft in der Zuckerstraße neu und erweitert damit seine Fläche um 40 Prozent.

Dieburg - Starkes Signal für die Dieburger Innenstadt: Mit einem Neubau hinter dem Hauptgeschäft, einer räumlichen Umstrukturierung und der Fortentwicklung der Kerndienstleistungen bekennt sich das Sanitätshaus Klein derzeit klar zu seinem Standort in der Zuckerstraße. Von Jens Dörr

Bis zum Sommer dieses Jahres erweitert das Team um Inhaber Klaus Leng und Juniorchefin Genovefa Leng seine Geschäftsfläche um 40 Prozent. Das sichert die Arbeitsplätze in der Fußgänger-Zone und schafft zudem die Möglichkeit, weitere Auszubildende einzustellen.

Mit dem Satz „Sie können nicht auf zwei Stühlen gleichzeitig sitzen“ eröffnet Klaus Leng das Gespräch über die jüngsten Entwicklungen und die Perspektiven des Sanitätshaus Klein. Damit spielt er zunächst auf eine Veränderung an, die Mitte 2014 augenfällig wird: Der Verkaufsbereich für Wäsche und Miederwaren wird dann nämlich geschlossen.

Derzeit lässt sich im Bereich, der der Zuckerstraße zugewandt ist, noch in derlei Produkten stöbern. Obgleich etwa der Internethandel in diesem Geschäftsfeld ein harter Widersacher sei, spielten für die Entscheidung nicht nur Rentabilitätsgründe eine Rolle: Man wolle den Fokus noch stärker auf seine Spezialgebiete richten. Und das sind durchaus viele.

So kennt sich das Fachpersonal des Sanitätshaus Klein etwa mit dem Komplex Prothetik und Orthetik genauestens aus. Prothesen ersetzen einerseits ganze Gliedmaßen, können andererseits auch kleinere ästhetische Korrekturen bezwecken. „Wir können zum Beispiel selbst kleinste Teile von Fingern produzieren, auf Wunsch sogar mit Haaren dran“, sagt Leng. Sein Team stellt sich der gerade im vergangenen Jahrzehnt extrem fortgeschrittenen technischen Entwicklung: So ermöglichen inzwischen etwa computergesteuerte Kniegelenks-Prothesen, die via Sensoren Informationen aufnehmen und an das Gelenk weitergeben, ganz unterschiedliche Belastungen des „Ersatzteils“ - ein klarer Vorteil gegenüber mechanischen Prothesen, die lange Zeit „State of the Art“ waren. „Wir sind eins von 40 zertifizierten Sanitätshäusern in Deutschland – unter 2 200 insgesamt –, die damit arbeiten. Das erklärt auch unser großes Einzugsgebiet von 100 Kilometern, teils sogar noch weit darüber hinaus.“ Selbst Bundesliga-Profis werden von Dieburg aus versorgt. In der Orthetik – Orthesen sind stabilisierende Hilfsmittel wie Einlagen oder Schienen – gilt Ähnliches: „Beim Ausmessen unserer Einlagen kommen inzwischen 3D-Scanner zum Einsatz. Anschließend können wir ganz individuell fräsen“, erzählt Leng, selbst Meister der Orthopädietechnik.

Noch präzisere Wege vermag die Sportwissenschaftlerin im Haus künftig in der Laufanalyse zu gehen: Bis zum Abschluss des Umbaus wird ein zehn Meter langer und vier Meter breiter Laufgang geschaffen, der auf technisch modernstem Weg haltungstechnische Schwächen in der Fortbewegung aufdeckt.

Einer der Schwerpunkte soll künftig die Unterstützung von Kindern mit Defiziten in der körperlichen Entwicklung sein. Erst orthopädische Unterstützung ermögliche in manchen Fällen das Gehen und Greifen.

Dass all dies weiterhin in der Zuckerstraße bewerkstelligt werden kann – von der Beratung über die Analyse bis hin zur Produktion –, hänge derweil unmittelbar mit einem Grundstückskauf zusammen, wie Klaus Leng betont. Von der katholischen Pfarrgemeinde Dieburgs konnte er jenes Grundstück erwerben, das sich direkt hinter dem Sanitätshaus Klein –seit Anfang der 50er Jahre am jetzigen Standort daheim –befindet. Dort entsteht derzeit ein Neubau, der Keller ist bereits fertig. „Bis März soll der Rohbau stehen, im Sommer sollen alle Arbeiten abgeschlossen sein“, nennt Leng das ambitionierte Ziel. Die Baumaßnahme sorgt für eine Vergrößerung der Geschäftsfläche von 1 000 auf 1 400 Quadratmeter.

Im Neubau werden künftig unter anderem Laufgang, Silikontechnik, Einlagenproduktion und Seminarraum zu finden sein. Der bisherige Bereich zur Zuckerstraße hin bekommt ein neues Gesicht, wie es Genovefa Leng beschreibt: „Dort wird man künftig kaum noch Ware sehen, was nicht heißt, dass wir sie nicht mehr führen.“ An einem Informationstresen beginne indes eine gezielte Beratung, in deren Folge der Kunde dann passend bedient werde.

Ohne diese Erweiterung, verdeutlicht derweil Klaus Leng, hätte man wohl nur noch einen kleinen Teil des Unternehmens in der Zuckerstraße halten können und einen Großteil von Angebot und Mitarbeitern an den beiden Standorten in Darmstadt (weiteres Sanitätshaus und Care-Team, eigenständig ist das Reha-Team) konzentrieren müssen.

Allein für das rechtlich eigenständige Sanitätshaus Klein arbeiten in Dieburg derzeit 55 Menschen, in Darmstadt sind es nochmals 45. Der zusätzliche Platz ermögliche künftig unter anderem die Schaffung zweier weiterer Ausbildungsplätze.

Insgesamt ist Leng hochzufrieden, dem Standort in der Fußgänger-Zone vollumfänglich treu bleiben zu können: „Das ist für unsere Kunden die schönste Lösung und auch insgesamt gut für die Innenstadt.“

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