„Klassik-Konzerte gehören doch zum Kulturangebot“

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Richard Berg lädt wieder zu Schlosskonzerten ein.

Wie haben Sie es geschafft, nach der Kürzung der Zuschüsse durch die Stadt Dieburg die Reihe der Schlosskonzerte doch weiterzuführen?

Gute Argumente, eine seit über zwei Jahrzehnten bestehende Konzertreihe von hohem Niveau am Leben zu erhalten, öffneten die Tür zu Sponsoren. So ist es schließlich gelungen, die Sparkasse Dieburg, die HSE- und die Da Ponte Stiftung mit ins Boot zu nehmen. Zur Vielfalt eines städtischen Kulturangebotes zählen nämlich auch klassische Konzerte, die leider immer öfter bei Kommunen ins Hintertreffen geraten. Die Besucherzahlen in Dieburg verdeutlichen aber, dass hieran ein beachtliches Interesse besteht. Die Sponsoren und der Zuspruch vieler Musikfreunde sowie die darüber hinausgehende, von einigen erbrachte finanzielle Förderung, ermöglichen einen Fortbestand der Schlosskonzerte zumindest in diesem Jahr.

Welchen künstlerischen Weg beschreiten Sie mit der Reihe? Welche Zielgruppe wollen Sie mit dem Angebot ansprechen?

Seit Anfang an war es mein Bestreben, ein abwechslungsreiches und anspruchsvolles Programm vornehmlich aus dem weit gefassten Bereich der klassischen Musik anzubieten. Aber auch Chansonabende und Klezmermusik haben ihren Platz in der Schlosskonzertreihe. Besonders freut es mich, wenn auch Jugendliche den Weg in den Konzertsaal finden, denn wer ein Konzert live erlebt, räumt manches Vorurteil zur Seite.

Wie viele Besucher hatten Sie in der Vergangenheit durchschnittlich bei einem Konzert bzw. pro Jahr?

Abgesehen von wenigen Ausnahmen war die Besucherzahl sehr erfreulich, das heißt, es kamen rund 100 Personen pro Konzert. Mehr Besucher fasst der Kammermusiksaal nicht. Die Kalkulation für dieses Jahr beruht auf voller Auslastung, was auf Grund der regen Kartennachfrage für alle Veranstaltungen auch zu erwarten ist.

Werden bekannte Gesichter unter den Künstlern sein, die die Reihe 2010 bestreiten?

Mit Ekaterina Kitáeva, Irina Grünwald, Grigory Gruzman, Julian Evans und Georgi Mundrov treten Interpretinnen und Interpreten auf, die auch schon in vergangenen Jahren in unterschiedlichen Besetzungen in Dieburg konzertierten. Darüber hinaus ist noch vielen Musikfreunden der Bariton Bruno Caproni aus seiner Zeit als Ensemblemitglied des Staatstheaters Darmstadt ein Begriff, der mittlerweile in vielen großen Opernhäusern der Welt gastiert.

Sie starten am Samstag mit „Karneval - einmal anders“. Ist das ein Zugeständnis an die Fastnachtshochburg Dieburg?

Der Tanz steht im Mittelpunkt des musikalischen Geschehens im ersten Konzert am Samstag. Er war stets eine wichtige Inspirationsquelle für die großen Meister der Musik und er ist im Fastnachtstreiben eine wichtige Ausdrucksform der Freude. Ich denke, das Programm passt, auch wenn keine Fastnachtslieder gespielt werden. Deshalb das Thema „Karneval – einmal anders“. Neben dem Tanzzyklus „Carnaval“ von Robert Schumann und der Polonaise As-Dur von Frédéric Chopin erklingen Tänze von Astor Piazzolla und Alberto Ginastera.

Welche Art der Unterstützung würden Sie sich von der Stadt, beziehungsweise anderen Institutionen oder auch der heimischen Wirtschaft noch wünschen?

Die Reihe ist eingebettet in das Kulturprogramm der Stadt und sicherlich schon seit vielen Jahren ein Aushängeschild für Dieburg. Ich würde mir wünschen, dass die Saalmiete und die Flügelnutzung auch zukünftig finanziell nicht zu Buche schlagen. Die Wirtschaft lade ich ein, im Jahresprogramm zu werben.

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