Neuer Leiter des Dieburger Gefängnisses

Wechsel in „Vorzeigeanstalt“

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Fast schon ein Idyll: Der ehemalige Leiter der JVA Dieburg, Franz Josef Pfeifer (links), und sein Nachfolger Klaus-Dieter Vogt im Innenhof der JVA Dieburg.

Dieburg - Hessens Justizministerin Eva Kühne-Hörmann hat gestern den neuen Leiter der JVA Dieburg, Klaus-Dieter Vogt, offiziell in sein Amt eingeführt. Von Stefan Scharkopf

Er folgt auf Franz Josef Pfeifer, der die Anstalt seit 2014 geleitet hat und seit diesem Jahr der JVA Frankfurt am Main I vorsteht. Innovative Modelle der Arbeitszeiteinteilung, der landesweit geringste Krankenstand bei JVA-Mitarbeitern, Neuerungen im Sicherheitsbereich und damit Verringerung der Übergriffe, Einführung des Achtsamkeitstrainings für ein Klientel, das verstärkt durch Aggressionen auffällt: All´ dies ist verknüpft mit dem Namen Franz Josef Pfeifer – und für ihn gab es gestern Lob, sei es von seinen früheren Mitarbeitern oder der hessischen Justizministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU). Sie verabschiedete Pfeifer, der von der Gersprenz an den Main wechselt, und begrüßte Klaus-Dieter Vogt als neuen Leiter der JVA Dieburg, die für die Politikerin eine „Vorzeigeanstalt“ ist.

Die Christdemokratin warb für Prävention außerhalb des Vollzuges, aber auch innerhalb der Haft; Mit dem Netzwerk Deradikalisierung im Strafvollzug (NeDiS) und mit vielen anderen Programmen leiste die Justiz in diesem Bereich einen wichtigen Beitrag zum Schutz der Gesellschaft.

„Die Justizvollzugsanstalt Dieburg macht da keine Ausnahme. Auch bei der Gruppe der Strafgefangenen mit relativ kurzer Haftdauer, für die die Anstalt ausgelegt ist, wird von Beginn an Wert darauf gelegt, intensiv auf die Strafgefangenen einzuwirken“, so Kühne-Hörmann. In Dieburg sei das oft nicht einfach, denn die Besonderheit der Anstalt bestehe darin, dass hier der größte Teil der in Hessen angeordneten Ersatzfreiheitsstrafen vollstreckt werde. Darunter ist Freiheitsentzug zu verstehen, der dann vollzogen wird, wenn eine vom Gericht angeordnete Geldstrafe nicht gezahlt wird. Aktuell werden mehr als ein Drittel aller aktuellen Ersatzfreiheitsstrafen in Hessen in Dieburg vollstreckt. Dabei werden neben den sogenannten Bagatelldelikten wie Schwarzfahren auch Straftatbestände wie Widerstand gegen Vollstreckungsbedienstete, Körperverletzungen, Diebstahl, Betrug oder Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz in Form von Ersatzfreiheitsstrafen vollstreckt.

Der neue Mann Klaus-Dieter Vogt blickt auf über 35 Jahre im Strafvollzug zurück. Dabei hat er nicht nur viele Anstalten und Vollzugsformen kennengelernt, sondern auch die verschiedenen Entwicklungsphasen des Strafvollzuges miterlebt und mitgestaltet. Strafvollzug, das unterstrich gestern auch die Sprecherin der Anstaltsleiter des hessischen Justizvollzugs, Hadmut Birgit Jung-Silberreis, sei nicht mehr dasselbe wie noch vor 30 Jahren. Vieles habe sich geändert, die Zusammensetzung der Inhaftierten ebenso wie der Umgang mit ihnen. Auf Aus- und Fortbildung werde viel Wert gelegt. Arbeit und ein gesichertes Einkommen nach der Haft seien wichtige Voraussetzungen für ein Leben ohne Straftaten nach der Haft.

Archivbilder

Bilder: Polizeiübung rund um das Dieburger Gefängnis

Problematisch, so Jung-Silberreis, seien die in vielen JVAs zunehmende Suchtproblematik und psychischen Auffälligkeiten bei den Gefangenen – was eine besondere Herausforderung für die Bediensteten bedeute.

Sichtlich bewegt verabschiedete sich der Vorsitzendes Personalrats, Stefan Böttcher, vom ehemaligen Chef. Pfeifer habe die JVA Dieburg „langsam mit Bedacht“ und den Altersdurchschnitt der Mitarbeiter senken können.

Der neue Mann an der Spitze will daran anschließen, was sein Vorgänger in die Wege geleitet habe. Da ist zunächstmal die Renovierung des Jahrhunderte alten Gebäudes. „Hier gibt es noch viel zu tun“, so Vogt, „sei es beim Sportplatz oder bei der Zentrale“. Bei der Arbeit mit den Inhaftierten werde weiterhin der geordnete Tagesablauf ein Schwerpunkt sein. „Wo sollen sie dies denn sonst lernen?“ Gerade in der JVA Dieburg müsse die kurze Zeit genutzt werden, um den Gefangenen Impulse für ihre Zukunft mit auf den Weg zu geben.

Quelle: op-online.de

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