Klingonisch (noch) nicht im Angebot

Afrikanischer Trommelwirbel zum Start der langen Vhs-Nacht im Kreishaus. Fotos: zah

Mit einer „Langen Nacht“ feiert die Volkshochschule im Dieburger Kreishaus sich, fast 1 000 Kurse und die Teilnehmer.

Dieburg – 100 Jahre und kein bisschen eingestaubt: Das ist die Volkshochschule (Vhs), die ihr bundesweites Jubiläum feiert. Wenngleich nur sechs Jahrzehnte alt, dockt sich die Vhs Darmstadt-Dieburg an die deutschlandweite Aktion „Lange Nacht der Volkshochschulen“ an.

Trommelwirbel im Kreishaus Dieburg: Mit viel Rhythmus werden Besucher im Foyer begrüßt. Im History-Raum 1206, dem Refugium von Karl-August Bertsch, bis 2017 Leiter der Kreis-Vhs, geht es deutlich ruhiger zu. Besucher studieren historische Quellen aus der Jugend der Kreis-Vhs. Die ältesten Spuren deuten auf ein partielles Wachstum des lokalen Volksbildungswerks hin. „Im Dritten Reich gab es natürlich nichts, und danach stand die staatsbürgerliche Bildung im Zentrum“, erklärt Bertsch. Doch das Angebot nimmt sprunghaft zu, wird moderner, als in den 70er-Jahren die EDV Einzug hält. 1988 werden bereits 400 Kurse pro Jahr angeboten.

„Aktuell sind es rund 1 000“, meint Vhs-Leiterin Anja Simon. Zum Beispiel „Yoga“, das Kursleiterin Petra Schmetz zwei Räume weiter vorstellt. Auf dem Weg dorthin schauen langsame Wanderer konzentriert auf ihr Handy. Das ist gewollt, denn etliche nehmen an der QR-Rally teil, einem Wettstreit, bei dem das Smartphone unerlässlich ist. Moderne Technik hat längst Einzug gehalten. So bieten VR-Brillen einen virtuellen Rundegang durch den Kölner Dom. „Das ist total echt. Und ich war ganz alleine im Dom“, sagt eine ältere Dame begeistert.

Das Angebot verändert sich stetig. Vielfalt, Offenheit und Begegnungen gestalten, das sind die Kernaufgaben der modernen Erwachsenenbildung, die inzwischen auch Kinder anspricht. „Wir müssen neue Zielgruppen erobern“, sagt Anja Simon, die selbst als 15-Jährige mit einem Schreibmaschinenkurs ihre Karriere begann. „Heute liegt der Altersdurchschnitt bei 50, eher 55 Jahren.“ Mehr junge Leute müssen erreicht werden – und Männer. Simon: „75 Prozent unserer Teilnehmer sind Frauen.“ Sehr hoch im Kurs stehen Sprachen und Gesundheit.

Doch auch für die Aus- und Fortbildung sowie Bildungsberatung für Beruf und Karriere ist die Vhs kompetenter Partner. „Es ist rührend, wenn Menschen, die auf die falsche Spur geraten sind, ihr Hauptschulzeugnis oder das erweiterte Hauptschulzeugnis empfangen“, so der Erste Kreisbeigeordnete Christel Fleischmann.

Etwa 200 Kursleiter unterrichten knapp 1 000 Angebote pro Jahr und erreichen damit 10 000 Menschen. Auch das Vhs-Team ist lernfähig und nimmt Anregungen gerne auf. Eine Schreibtafel steht für Anregungen offen. Besucher greifen gerne zum Stift: Steuertipps, Fahrrad-Reparaturkurs, das klingt realistisch. Nur für das Sprachmodul wird es schwierig, Erdenbürger zu finden, denn die Publikumsanregung lautet: Klingonisch.  zah

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