St.Rochus Krankenhaus in Dieburg

Klinik-Rivalen schließen Vernunftehe

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Das St. Rochus Krankenhaus ist für die Dieburger ein Stück Heimat: Durch einen Verbund mit den Kreiskliniken und dem Klinikum Darmstadt soll es für die Zukunft fit gemacht werden.

Dieburg - Etliche Sanierer hat das St. Rochus Krankenhaus in den vergangenen 20 Jahren kommen und gehen sehen. Angestrebte Fusionen waren gescheitert, zur Kreisklinik hatte sich eine ungesunde Konkurrenz entwickelt, die sogar in einen Rechtsstreit gipfelte. Von Lisa Hager

Gestern der Paukenschlag: Rochus, die Kreiskliniken und das Klinikum Darmstadt werden Partner.

Wie diese strategische Partnerschaft aussehen soll, haben gestern Vertreter der beteiligten Einrichtungen bei einer Pressekonferenz im Pater-Delp-Haus skizziert. Die Gespräche über Detailfragen sollen erst in vier bis fünf Wochen abgeschlossen sein. Zudem müssen die politischen Gremien – Kreistag und Stadtparlament Darmstadt – sowie das Bundeskartellamt – erst noch zustimmen. Die wichtigsten Eckpunkte der Kooperation: Das Klinikum Darmstadt und die Kreiskliniken Darmstadt-Dieburg erwerben je 45 Prozent der Anteile am St. Rochus Krankenhaus. Die St. Rochus-Stiftung wird in der zu gründenden gemeinnützigen GmbH nur zu zehn Prozent beteiligt bleiben – trotzdem müssten manche Beschlüsse einstimmig gefasst werden. Über einen weiteren Verkauf beispielsweise. Das ist bereits vertraglich ausgehandelt.

Das Wort „Verkauf“ nahm gestern keiner der an dem überraschenden Zusammenschluss Beteiligten in den Mund. „Das ist kein Verkauf“, wollte der Mainzer Generalvikar, Prälat Dietmar Giebelmann, klar gestellt wissen. Es gehe einzig und allein um den Erhalt des Hauses mit seinem Namen in Dieburg, und daran „verdient niemand etwas, nicht einmal der Kardinal“. Dass der Erhalt des kleinen Krankenhauses in den vergangenen Jahren aus wirtschaftlichen Gründen immer schwerer geworden sei („Wir schreiben rote Zahlen“), wurde überdeutlich. „Wir gleichen die Defizite jährlich mit Kirchensteuern aus“, sagte Giebelmann. Und als Kirche müsse man sich fragen, ob man das dürfe.

Der gemeinsame Briefkopf der drei Kliniken zu dieser Einladung sei ein Symbol für die künftige Partnerschaft, so Giebelmann. Außer ihm stellten sich Landrat Klaus Peter Schellhaas als Kreisklinikdezernent, Jochen Metzner (im hessischen Sozialministerium zuständig für die Krankenhausversorgung), Darmstadts Kämmerer und Klinikdezernent André Schellenberg, Pfarrer Alexander Vogl und Dr. Werner Thomas (derzeitiger Kuratoriumsvorsitzender) den Fragen. Gekommen war auch Pfarrer Angelo Stipinovic (Viernheim), der die Gespräche im Auftrag des Bistums Mainz geführt und das Konzept für einen Zusammenschluss entwickelt hatte. Giebelmann machte kein Hehl daraus, dass es zu den Kooperationsplänen intern auch andere Meinungen gegeben habe. „Manche haben daraus ihre persönlichen Konsequenzen gezogen“, spielte er auf die Rücktritte von Stiftungsvorstand Armin Probst, Kuratoriumsvorsitzendem Dr. Raimund Lieb und – erst kürzlich – der Rochus-Geschäftsführerin Ute Sperling (wir berichteten mehrfach) an. Sperling und Lieb, so wurde auf Nachfrage erklärt, hätten an einem der ersten gemeinsamen Gespräche zum Thema in Viernheim bereits teilgenommen.

Warum aber hat man so lange gegeneinander gekämpft und miteinander konkurriert (Giebelmann: „Wir waren jahrzehntelang Rivalen“) – beispielsweise durch die zeitgleiche Einrichtung zweier Herzkatheterlabore und der gegenseitigen Abwerbung von Personal? Darauf gab es keine konkrete Antwort. Giebelmann räumte ein, dass man von Seiten des Bistums auch Fehler gemacht habe, aber „wir sind noch lernfähig“. Er warb dafür, die Vergangenheit jetzt hinter sich zu lassen. „Die Zeit ist halt einfach noch nicht reif dafür gewesen“, meinte Landrat Schellhaas salomonisch, der dem Bistum die Vorreiterrolle in den Kooperationsgesprächen bescheinigte.

Das St. Rochus soll auf jeden Fall seine katholische Prägung behalten, so Schellhaas. Niemand wolle hier die Kreuze von den Wänden hängen. „Die Kreiskliniken sind ja auch keine heidnischen Krankenhäuser“, gab Pfarrer Vogl Schützenhilfe. Er werde als Seelsorger auch sehr oft nach Umstadt gerufen.

„Wir wollen aber auf jeden Fall Kündigungen vermeiden“, antwortete Schellhaas auf entsprechende Fragen zweier Mitarbeitervertreterinnen. Allerdings räumte er ein, dass der Personalschlüssel des Rochus im Vergleich zu den Kreiskliniken „nicht passt“. Es werde Veränderungen geben, auch eine Reduzierung der Stellen sei nicht ausgeschlossen. Aber es könnten sicher alle „irgendwie untergebracht“ werden. Schellhaas: „Wir wollen, dass niemand seinen Job verliert.“

Die beiden Geschäftsführer der Kreiskliniken und der Kliniken Darmstadt, Christian Keller und Clemens Maurer, arbeiten bereits am neuen medizinischen Konzept des St. Rochus Krankenhauses. Über Details wurde gestern noch nichts bekannt.

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