Im Kloster ist Leben

Maria mit dem Jesuskind: Diese Statue steht nach dem Weggang der Kapuziner weiterhin an einer der Klostertreppen.

Auch nach dem Weggang der Kapuziner gibt es Angebote im. Von Jens Dörr

Minnefeld

Dieburg - Ein Kloster ist von Natur aus ein Ort der Stille – auch wenn das Dieburger Exemplar im Minnefeld verkehrsbedingt nicht eben an der ruhigsten Stelle der Stadt steht. Stille heißt aber nicht, dass im Kloster kein Leben herrscht – was auch nach dem Weggang der letzten Geistlichen des Kapuzinerordens gilt. Zehn Angebote finden in den Klostermauern weiterhin statt.

„Wir wollen zeigen, dass das Kloster eben noch nicht verlassen ist“, sagt Ute Maurer. Die Heilpraktikerin ist mit ihren Qigong-Kursen einer der derzeitigen Nutzer. Qigong (sprich: „Tschigung“) ist ein mehr als 3 000 Jahre altes chinesisches Gesundheitssystem zur Pflege der Vitalenergien des Menschen. „Das kann man nicht in einer Sporthalle lehren, da kommt keine Stimmung auf“, so Maurer.

Die Qigong-Lehrerin nutzt das Kloster bereits seit 2010. Damals suchte sie nach geeigneten und zugleich bezahlbaren Räumlichkeiten. „Ich komme aus Dieburg und wollte deshalb auch hier meine Kurse anbieten.“ Fündig wurde sie erst bei den Kapuzinern. Das Bistum Mainz stellte ihr den „Oase“ genannten Raum im ersten Obergeschoss des Gebäudeteils entlang des Minnefelds zu finanziell passablen Konditionen zur Verfügung. Mehr noch: Auch nun, da Bruder Berthold und Co. andere Wirkungsstätten gefunden haben, müsse man nicht weichen. „Ich habe vom Bistum Mainz die sichere Zusage bis Ende des Jahres 2013“, freut sich Maurer. Im Sommer dürfe man für das körperliche und geistige Training auch den Klostergarten nutzen, um dessen Gestaltung sich der Odenwaldklub verdient gemacht hat.

Insgesamt sind es überwiegend christliche und meditative Runden, die nach wie vor im Dieburger Kloster zusammenfinden. Neben Maurers Qigong-Kursen zählen zu zweitgenannter Art etwa die Yoga-Stunden mit Eva Frieser oder die Zen-Meditation mit Alfons Maurer. Auch MBSR-Treffen (englische Abkürzung für „Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion“) finden im Kloster weiter statt.

Hoffen auf eine Zukunft

Im Bereich Religion leitet Diakon Elmar Koob ein offenes Bibelgespräch. Alle zwei Wochen kommt die Bibelgruppe der Emmaus-Gemeinde, die besonders in Babenhausen sehr aktiv ist. Unter der Leitung von Barbara Reinheimer-Rosenkranz findet immer am ersten Dienstag im Monat ein „Franziskanisches Gemeinschaftstreffen“ statt. Rolf D. Altmann leitet im Kloster die Proben des Dieburger Gospelchors. Auch der hatte vor rund drei Jahren intensiv nach einem Raum für seine Gesangsproben gesucht, ehe die Kapuziner eine Lösung im Kloster anboten.

Eine Heimat für ihre Treffen finden in dem Gebäude am Marienkreisel nach wie vor auch die Anonymen Alkoholiker. Der Kreuzbund, bekannt für seine Selbsthilfegruppen für Suchtkranke, trifft sich hier ebenfalls weiterhin. Da ein Abriss des Klosters bislang nicht diskutiert wurde – auch wegen der Kirche im Inneren erscheint er kaum denkbar – stehen die Chancen gut, dass alle genannten Angebote im Kloster mindestens eine kurzfristige Zukunft haben.

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