Im Dieburger Klostergarten steht alles im Zeichen des Erntedankfests

Wie der Kohl zum Kraut wird

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Viele Besucher schauten Ulrike Posselt (l.), Anke Steinfeldt und Martin Posselt (beide am Hobel) bei der Sauerkrautherstellung interessiert über die Schulter.  

Dieburg - „Das hat meine Mutter auch immer gemacht“. „Wir sind als Kinder immer an die Kraut-Töpfe im Keller und haben heimlich genascht. “ Viele Erinnerungen wurden am Sonntagmittag im Klostergarten wach. Von Laura Hombach 

Ulrike Posselt - vielen als Leiterin des städtischen Kulturamts bekannt - hatte sich - ganz privat - dazu bereit erklärt, beim Tag des offenen Klostergartens, die Herstellung von Sauerkraut vorzuführen. Bei einem Besuch im Klostergarten war sie so begeistert von der schönen Anlage und dem, was der den Garten pflegende OWK hier geleistet hat, dass sie der Bitte von Franz Zoth (OWK), hier eine Kraut-Vorführung zu geben, nicht widerstehen konnte.

Mutig, denn Posselts Sauerkrauteinsatz im Klostergarten war auch für sie selbst eine Premiere. Glücklicherweise gab es jede Menge Unterstützung: im Heftchen „Lillis Sauertopf“ ließ sich nachlesen, wie aus den trockenen Kohlblättern saftig eingelegtes Kraut wird. Im heimischen Keller fand Posselt gar einen alten Krauthobel aus Familienbesitz und eine Kollegin aus dem Rathaus stellte ihr ihren großen Gärtopf zur Verfügung. Mit Unterstützung von Mann Martin Posselt und Freundin Anke Steinfeldt konnte so bei der Premiere im Klostergarten nichts mehr schiefgehen.

Zehn Kilo Weißkohl galt es zu verarbeiten. Ein Kinderspiel, wie sich schon nach kurzem Wirken des historischen Hobels herausstellte. Keine halbe Stunde später war von den Köpfen nur noch ein großer Behälter voll Kohlblattstreifen übrig und der nächste Arbeitsschritt konnte angegangen werden.

Salz entzieht Kohl den Saft

„Pro Kilo Kohl soll man zehn Gramm Salz zugeben“, erläuterte Ulrike Posselt den umstehenden Besuchern. Das Salz entzieht dem Kohl den Saft, mit ihm tritt auch der enthaltene Zucker aus. Milchsäurebakterien spalten den Zucker und es entsteht eine Milchsäuregärung. Das Ergebnis ist nicht nur der säuerliche Geschmack des Sauerkrauts, sondern auch die Konservierung des Gemüses.

Gründlich mit dem Salz vermischt wanderten die Krautstreifen schließlich in den großen Steinguttopf. Lage um Lage wurde eingefüllt und kräftig festgedrückt. Nun muss das Kraut - von Steinen beschwert und von einem dank Wasserrille luftdicht schließenden Deckel geschützt - bis Anfang November ruhen, bis Sauerkraut daraus geworden ist - zunächst ein paar Tage in der warmen Wohnung, dann im kühleren Keller.

Die Besucher des Klostergartens verfolgten den Entstehungsprozess interessiert mit, steuerten eigene Sauerkraut-Tipps, Erfahrungen und Familiengeschichten bei. Initiator Franz Zoth freute sich über den großen Zuspruch und die angeregten Gespräche rund um den Krauttopf.

Erntedank aus dem Garten

Doch die Sauerkraut-Herstellung war nicht der einzige Grund, weshalb die Besucher wieder zahlreich in den Klostergarten kamen. Neben dem Genuss, durch die liebevoll gepflegte Anlage zu flanieren, lockte der OWK der Jahreszeit entsprechend unter dem Motto Erntedank mit zahlreichen Köstlichkeiten aus dem Garten. Mit Fruchtsirup verfeinerte Getränke, Waffeln in den Sorten Möhre, Apfelsaft und Kartoffel wollten gleich verzehrt werden. Frische Äpfel, Kürbisse, Gemüse der Saison, selbstgemachte Spirituosen, Marmeladen und Chutneys konnten für den Gaumenschmaus zuhause erstanden werden.

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