LEA macht Lust auf Lesen

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In der Dieburger „Bücherinsel“ schmökert Hessens erster LEA-Klub. Das Konzept hat der Verein Kubus entwickelt.

Dieburg - Der Dieburger LEA-Klub ist ein Pionier in Hessen. Alle zwei Wochen schmökern Menschen mit Behinderung in der „Bücherinsel“ – aktuell in „Rennschwein Rudi Rüssel“. Von Jens Dörr

Die „Bücherinsel“ ist schon längst kein Ort „nur“ zum Kauf von Büchern mehr. Claudia und Erich Kleene bieten neben dem Kerngeschäft und Lesungen und Vorträgen auch dank der größeren, jungen Räumlichkeiten am Dieburger Marktplatz die Möglichkeit, sich bei einem Kaffee erst einmal in ein neues Buch zu vertiefen, ehe es – vielleicht – zum Kauf kommt.

In einer der gemütlichen und dennoch gut erhellten Ecken trifft sich inzwischen auch eine Gruppe zum Schmökern, die man zwischen Bildbänden, Romanen und Lexika kaum erwartet: der Dieburger LEA-Leseklub. LEA steht für den Titel „Lesen Einmal Anders“. Das Konzept hat der Verein Kubus entworfen. Jener Leseklub in Dieburg ist der erste seiner Art für Menschen mit Behinderung in Hessen.

„Es geht nicht darum, die Menschen mit Lernschwierigkeiten – so sagen wir zu ihnen – in irgendeiner Form zu feilen. Sie sollen einfach Spaß an Literatur haben.“ Jens Bucher, Heilpädagoge, ist schon nach den ersten Treffen von LEA überzeugt. Er koordiniert das Angebot für die „Kunden“ der Lebenshilfe Dieburg, wie er die Menschen ebenfalls nennt.

Bewusst öffentlich

Mutlu Celebi, Jan Philipp Lautenschläger und Christian Mürle sind die ersten Mitglieder des Klubs – für ein, zwei weitere sei noch Platz, so Bucher. Zunächst alle zwei Wochen treffen sie sich, einer von ihnen liest laut vor, die anderen schauen ebenfalls ins Buch oder lauschen.

Zwei ehrenamtliche Mitleser hat die Lebenshilfe für das Angebot gewonnen: Eva Rosenau und Susanne Lautenschläger unterstützen die Behinderten, wenn sie an einer Stelle einmal haken.

Durchaus relativ flüssig vermag das Trio bereits einfachere Passagen vorzulesen. Für den Beginn wurde „Rennschwein Rudi Rüssel“, ein Kinderbuch, ausgesucht. „Wir wollen aber auch Erwachsenenliteratur finden und lesen, die in einfacher Sprache geschrieben ist“, kündigt Koordinator Bucher an. Die Lebenshilfe, die ihren Kunden auch Angebote zur Haushaltshilfe oder politischen Bildung (Wie wählt man?) macht, hat für LEA, das es bisher neben Dieburg nur jenseits der hessischen Landesgrenzen gibt, mit Absicht die belebte „Bücherinsel“ ausgewählt. Bucher: „Das Ehepaar Kleene hat sich sofort bereiterklärt, dass der Klub hier lesen darf, und wir selbst wollen mit unserem Angebot nicht hinter verschlossenen Türen, sondern in der Öffentlichkeit sein“.

Der LEA-Klub Dieburg trifft sich vorerst alle zwei Wochen mittwochs von 17.30 bis 18.30 Uhr. Ansprechpartner ist Jens Bucher, telefonisch erreichbar unter s  06071 21919 oder per E-Mail an die Adresse jens.bucher@lebenshilfe-dieburg.de.

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