Krimi-Autoren Klüpfel und Kobr im Interview

„Jeder kennt einen Klufti“

Dieburg - Sie sind derzeit das meist gefeierte Autoren-Duo Deutschlands: Volker Klüpfel und Michael Kobr eroberten vom Allgäu aus die Bestsellerlisten. . Über 4,5 Millionen Bücher haben die beiden schon verkauft, mittlerweile ist der siebte Kluftinger-Krimi erschienen.

Im Interview mit DA-Mitarbeiterin Lena Marie Jörger plauderten die Allgäuer über ihr Erfolgsgeheimnis, die hessische Küche und einen besonderen Abend in der Sauna.

DA: Beschreiben Sie doch mal die Figur Kluftinger für alle, die ihn noch nicht kennen.

Kobr: Der Kluftinger ist ein Allgäuer wie man ihn sich vielleicht landläufig so vorstellt: Der redet nicht viel, isch e bissle mürrisch und verschlossen und versucht, möglichst ohne großes Anecken und große Anstrengung durch seinen Alltag zu kommen. Das vermiesen wir ihm aber regelmäßig.

Sind Sie beide denn auch so typische Allgäuer?

Klüpfel: Ja!

Kobr: Also der Volker ja. Ich bin mehr so der weltoffene (lachen beide).

Ist die Figur Kluftinger auch das Erfolgsgeheimnis der Krimis?

Klüpfel: Sie sind einfach sehr gut geschrieben (grinst)!

Kobr: Es geht schon über die Figur. Ich glaube, jeder kennt einen Kluftinger. Wenn sich die Leute selber nicht darin sehen, dann ist es eben der Nachbar. Ich glaube, das ist eine große Identifikationsfläche.

Es wird ja oft kritisiert, dass die Bücher ein Klischee nach dem anderen bedienen ...

Klüpfel: Wir nehmen Klischees und wenden sie entweder eins zu eins an – das in der Regel aber selten – oder wir spielen damit. Klar, wir überhöhen satirisch. Die Polizeibeamten, bei denen wir für unsere Bücher recherchieren, sagen auch oft: „Schreibts des bloß nicht so wie’s ist“, weil Polizeialltag natürlich nicht immer spannend ist. Also verdichten wir ihn mit komödiantischen Elementen.

Haben sich auch schon mal Allgäuer darüber beschwert, wie Sie sie in den Büchern darstellen?

Kobr: Eigentlich beschweren sich Allgäuer nicht oft.

Klüpfel: Einmal hat uns ein Bauer geschrieben. Im Buch „Milchgeld“ sagt der Bösewicht etwas Schlechtes über Bauern und das wollte der Mann richtig gestellt haben.

Kobr: Aber aus den Büchern ist ja auch ein gewisser Allgäu-Tourismus entstanden. Von daher sind die Leute gar nicht so abgeneigt.

Kluftinger selbst ist ja nicht gerade der reiselustigste Mensch. Was glauben Sie, würde er denn von Hessen halten?

Kobr: Viele Hessen stehen ja zu ihrem Dialekt. Dieses Verwachsen-Sein mit der Region, das würde ihm bestimmt gefallen.

Klüpfel: Ja, wenn er’s daheim im Fernsehen sieht.

Kobr: Naja, ich weiß nicht. Ich könnte mir auch vorstellen, dass ihm die hessische Küche ganz gut gefallen würde.

Klüpfel: Wenn im Allgäu eine hessische Kneipe aufmachen würde (grinst).

Haben Sie schon überlegt, mal was anderes zu schreiben?

Beide: Ja!

Kobr: Wir haben schon ein paar Ideen, die quasi auf eine Ausführung warten.

In welche Richtung soll das dann gehen?

Klüpfel: Alle (grinst).

Auch in Richtung Krimi?

Klüpfel: Ja, Krimi ist auch dabei oder Thriller, sag’ ich jetzt mal.

Warum machen Sie keine „normale“ Lesung?

Kobr: Weil’s mehr Spaß macht - den Leuten und uns.

Und wie entstand die Idee dazu?

Kobr: Wir sind seit zehn Jahren unterwegs und haben schon lange festgestellt, dass das, was wir machen, mit einer klassischen Lesung nicht mehr viel gemein hat. Wir sind zu zweit, da ist die Voraussetzung schon eine ganz andere.

Klüpfel: Die Menschen brauchen uns auch nicht, nur damit wir ihnen das Buch vorlesen, denn das können sie selber.

Was war das schrägste Erlebnis, das Sie auf Tour hatten?

Kobr: Naja, in den ersten Jahren haben wir wirklich nicht abgelehnt. Und da haben wir schon einiges durch, was es so gibt. Einmal haben wir sogar in einer Sauna gelesen.

In einer Sauna?

Kobr: Ja, in einem Ruheraum. An einem Freitagabend. Die Leute wollte eigentlich ihre Ruhe haben, noch dazu hatte uns niemand angekündigt. Wir sind da dann reingegangen und haben gesagt: „So, wir lesen jetzt aus unserem Buch.“

Wie haben die Leute reagiert?

Klüpfel: Ruhig, wie das in einem Ruheraum so ist (lacht).

Kobr: Ein paar fanden es ganz gut, aber einige sind gegangen.

Mittlerweile gibt es neben den Büchern ja Spiele, Klufti-Führungen im Allgäu, Kochbücher, Shirts ... Was ist Ihre nächste Idee?

Klüpfel: Gute Frage … Ein Klufti-Auto! Und die große „Klüpfel-Kobr-Fernsehshow“. Also ich hätte da schon noch ein paar Ideen.

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