Knackpunkt Geburtshilfe

Fusion der Kliniken: Landrat Schellhaas nimmt Stellung zum Abbruch der Verhandlungen. Bei einer Fusion des St. Rochus mit den Kreiskliniken und den städtischen Kliniken Darmstadt wäre der Storchenparkplatz verwaist. - Fotos (2): Hager

Dieburg - Zwei medizinische Konzepte haben die beiden größeren Partner Kreiskliniken Darmstadt-Dieburg und städtische Kliniken Darmstadt dem Bistum Mainz für das St. Rochus Krankenhaus in Dieburg vorgelegt.

Wie jetzt im Rahmen eines Pressegesprächs von Landrat Klaus Peter Schellhaas zum Abbruch der Verhandlungen durch das Bistum Mainz bekannt wurde, beinhalteten diese beiden Konzepte unterschiedliche Schwerpunktbildungen. In jedem Fall geht es um Personalabbau, allerdings in unterschiedlichen Größenordnungen, und um das unausweichliche Ende der Geburtshilfe in dem kleinen katholischen Stiftungskrankenhaus, dessen Ansehen sich in hohem Maß auf dieses Angebot gründet.

„Wir haben vom Abbruch der Verhandlungen seitens des Bistums aus der Presse erfahren“, schilderte der Landrat die Vorgänge der vergangenen Woche aus seiner Sicht. Bisher habe es auch keine weiteren Gespräche gegeben, so dass man über die Grunde des Abbruchs nur mutmaßen könne. Allerdings wolle das Rochus nun auch noch ein noch bestehendes Feld der Zusammenarbeit verlassen: Von Seiten der Stiftung sei der Vertrag über den gemeinsamen Betrieb der Krankenpflegeschule in Groß-Umstadt gekündigt worden.

Schellhaas wies die Erklärung des bischöflichen Verhandlungsführers Pfarrer Angelo Stipinovich zurück, Hauptgrund für das (vorläufige?) Scheitern der Gespräche seien unterschiedliche Vorstellungen über das Maß des im Zuge einer notwendigen Sanierung des Rochus gebotenen Stellenabbaus gewesen. Im Krankenhausbetrieb gibt es derzeit 150 Vollzeit- und rund 50 Teilzeit-Stellen. Selbst Stipinovich räumt ein: „Viel zu viel für eine so kleine Klinik“, und nennt für die nun angestrebte „Eigensanierung“ einen Abbau von 35 bis 45 Stellen. Allerdings hätte aus dem von den größeren Partnern vorgelegten medizinischen Konzept für das Rochus ein Abbau von mehr als 100 Stellen resultiert.

Schellhaas bestätigte jetzt zwar diese Größenordnung für ein erstes Konzept, das aus dem Rochus eine Klinik für Psychosomatik in enger Zusammenarbeit mit dem an der Umstädter Kreisklinik beheimateten „Zentrum für seelische Gesundheit“ gemacht hätte, doch habe man ein zweites Konzept präsentiert, das Rochus zu einer Klinik für Geriatrie zu machen, „mit hohem Nutzen für die Dieburger Bevölkerung und einem Abbau von 30 bis 40 Stellen, also in der Größenordnung, die Stipinovich selbst nennt“.

So rücken aus Sicht des Landkreises unterschiedliche Positionen über den Kaufpreis in den Mittelpunkt. Dabei war anfangs der vom Bistum Mainz angestoßenen Gespräche gar nicht von Ver- und Ankauf die Rede, sondern von der Überführung des Rochus aus der Stiftung in eine Trägergesellschaft, an der die größeren Partner jeweils 45 Prozent, das Bistum zehn Prozent übernehmen sollten. Dass die Übernahme von 90 Prozent des Gesellschafter-Kapitals nun doch einem Kauf sehr nahe komme, daran ließ Schellhaas jetzt keinen Zweifel mehr. Allerdings scheint es große Differenzen gegeben zu haben, wie die Anteile in Heller und Cent zu bewerten sind. Wie Kreisklinikchef Christian Keller, der am Pressegespräch ebenfalls teilnahm, jetzt bestätigte, sei man davon ausgegangen, dass die Höhe der Verbindlichkeiten das Maß vorgibt, die man anfangs auf vier Millionen Euro geschätzt habe. Dazu komme der Immobilienwert des Rochus, der mit drei bis vier Millionen Euro geschätzt worden sei. Doch inzwischen wisse man, dass in Dieburg Verbindlichkeiten aufgelaufen sind, „die einem hohen zweistelligen Millionenbetrag entsprechen“.

Wie geht es weiter? „Kreis- und Stadtkliniken werden ihre Fusionsverhandlungen fortsetzen“, so Schellhaas, der versicherte, dass die Türen für weitere Partner offen blieben. Der Blick richtet sich dabei in Richtung der Nachbarkreise Groß-Gerau und Odenwald. Und mit Stipinovich, der derzeit in Namibia weile, sei ein Gesprächstermin für Ende Januar vereinbart.

Für das Rochus aber hat das Bistum „Eigensanierung“ als Weg vorgegeben. Beim Landkreis gibt es indes Befürchtungen, dass man sich in Dieburg dafür nun andere Partner suchen könnte, die sich mit dem Rochus eine medizinische Eingangspforte in den Osten des Landkreises eröffnen würden. J sr

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