Königlich amüsiert mit den Comedy-Königen

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Ande Werner und Lars Niedereichholz (r.) sind das Comedy-Duo „Mundstuhl“.

Dieburg ‐ Getreu dem Motto „Satire darf alles“ präsentierten Lars Niedereichholz und Ande Werner alias Mundstuhl am Donnerstagabend ihr aktuelles Programm „Sonderschüler“ in der Campus-Aula in Dieburg. Von Verena Scholze

Das Programm - eine Mischung aus Sketchen, Songs und eingeblendeten Spots - beleuchtet den Schulalltag in Deutschland, in dem schwangere Schülerinnen, verprügelte Lehrer, Schlägereien auf dem Schulhof und Raub und Erpressung zu den positiven Dingen des Alltags gehören.

Hierfür bedienten sie sich der bekannten und beliebten Figuren „Alder und Dragan“, mit denen das Comedy-Duo bekannt wurde und die „Kanaksprache“ auf deutschen Bühnen etablierte. Werner mimt „Alder“, der sich zu Beginn als Michael-Jackson-Fan outet und in Bomberjacke und Bauarbeiterhandschuh den Moonwalk präsentiert. Niedereichholz als „Dragan“ zeigt sich als der intelligentere der Beiden und stellt fest, das Alder schon viel zu lange die Schulbank drückt. „Sogar die Lehrer sind schon älter als du.“ Dabei sind Alders Meinung nach die Aufgaben der letzten Mathearbeit vollkommen unrealistisch. Rechenaufgaben, die die Längen von Messerklingen oder die nötige Menge Backpulver zum Strecken von Heroin berechnen sollen, sind ihm zu unrealistisch: „Wir strecken nur Crack“. Trotzdem ist er der Meinung: „Mit einer Fünf im Zeugnis werde ich versetzt!“ auch wenn der Rest seines Zeugnisses nur aus Sechsern besteht.

Grüße aus dem Plattenbau von Peggy und Sandy

Als Verkaufsprofis Bob und Bob präsentieren die Beiden ihre „Amazing Products“ - nach dem Motto: Auch für diese Lösung gibt es ein Problem. Inzwischen kommen die Zuschauer aus dem Lachen nicht mehr heraus. Mit blonden Perücken, Strahlemann-Lächeln und einen amerikanisch-hessischem Sprachmix preisen sie eine Luftpumpe als Haartrockner „Travel Blow Dryer“, an. Dieser sei vollkommen umweltfreundlich, weil handbetrieben, nur noch zu toppen vom Blasebalg als XXL-Version sowie dem immer notwendigen ,,Travel Shamehair Dryer“.

Unter anderem schlüpften sie bei ihrem Auftritt ins schrille Outfit der ostdeutschen Schönheiten Peggy und Sandy.

Noch derbere Themen gaben die beiden als schrilles, ostdeutsches Plattenbau-Duo Peggy und Sandy zum Besten. Sie sind Mitte 20, mehrfach geschieden, die Kinder tragen die klischeehaften Namen Jaqueline, Jamaine und Kevin. In bunten Kleidern und breitem Sächsisch lassen sie sich über ihre Männeraffären aus. Auch der Nachwuchs Justin sorgt für Kummer, wie 22 blaue Briefe unter dem Bett vermuten lassen. Jedoch stimme das neue Outfit des Sprösslings hoffnungsvoll: streichholzkurze Haaren, festes Schuhwerk und „Charlie Chaplin Bart“. Peggy, die einige Sketche zuvor noch in den Fernsehkoch Johann Lafer verliebt ist und ihm sogar einen Song widmet, schwärmt dann von ihrer neuen Liebe. ,,Dingdingdingdingdri“, ein Mann mit dunkler Haut, der ihr per SMS aufgrund mangelnder Deutschkenntnisse einen Heiratsantrag macht. ,,Der macht Neger mit Köpfen“, erklärt sie.

Sanfte Anti-Atomkraft-Gegner sind eine Wohltat

Mit der Figur des aggressionsgeladenen Andi geht es dann richtig unter die Gürtellinie, als dieser lautstark über seine „Alte“ herzieht und sein vom Arzt verordnetes „Andi-Aggressionstraining“ verweigert. Als Anti-Atomkraft-Gegner Torben und Malte schlagen die Beiden dann eine sanftere Tour an, eine Wohltat zum Vorgänger Andi.

Das bewährte Mittel des Comedy-Duos, um die Lachmuskeln des Publikums zu reizen, sind die bekannten Streitgespräche. Von harmlosen Vergleichen über die arme Kindheit geht es über zu lautstarken Diskussionen über die Fähigkeiten von „Batman“ und „Superman“. Dabei zeigt das Duo immenses Improvisationstalent. Auch wenn das aktuelle Programm dem ein oder anderen Zuschauer etwas zu derb war, dem Großteil des Publikums schien es zu gefallen. Besonders symphatisch kam dabei die Fähigkeit der Beiden rüber, auch mal über sich selbst lachen zu können. Ein großer Trumph ist auch die Publikumsnähe, die die Beiden nicht scheuen, sondern direkt suchen. So waren sie sich nicht zu schade, den Stand mit ihren Fan-Artikeln nach der zweistündigen ohne Pause durchgezogenen Show selbst aufzubauen und für Gespräche und Autogramme bereit zu stehen.

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