Kreuzungsgestaltung umstritten

Kommen die Kübel weg?

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Hier passt’s noch: Ein Transporter und ein Motorroller passieren aneinander vorbei die Einmündung in den Erlenweg. Käme jetzt von rechts ein Pkw und wollte nach links in den Erlenweg einbiegen, hätte er Vorfahrt – und würde wegen der engen Stelle wohl doch auf seine Vorfahrt verzichten und erst den Transporter gen Berliner Straße durchwinken.

Dieburg - Sind die Pflanzkübel ein Unfallrisiko oder verhindern sie das „Durchheizen“ der Autofahrer? Zumindest auf der Ideenplattform der Stadt war der Vorschlag nach Abschaffung erfolgreich. Von Jens Dörr 

Seit August dieses Jahres können die Dieburger auf einer städtischen „Ideenplattform“ (www.ideen.dieburg.de, separater Artikel folgt) eigene Anregungen für Verbesserungen oder Neuerungen im Mittelzentrum machen oder Anregungen anderer Bürger mit ihrer Stimme unterstützen. Die meisten Ideen verfehlten bisher die nötige Mindestzahl an Unterstützern – manche sind aber erfolgreich und können in der Folge von den politischen Gremien aufgegriffen werden. Die könnten sich demnächst etwa damit beschäftigen, ob die Kreuzung zwischen Alter Mainzer Landstraße, Berliner Straße und Erlenweg so bleiben soll, wie sie ist.

An der Kreuzung gilt die Regel „rechts vor links“. Damit ist die Vorfahrt in der Theorie zwar klar geregelt – die Gestaltung der Kreuzung verhindert aber in vielen Fällen, dass die Regel auch tatsächlich angewendet werden kann. Grund sind vier Pflanzkübel, die an allen vier Ecken der Kreuzung auf der Straße stehen und die Einmündungen in Alte Mainzer Landstraße (westliche und östliche Seite der Kreuzung), Berliner Straße (nördlich) und Erlenweg (südlich) verengen. Oftmals geht es so eng zu, dass zwei Fahrzeuge selbst zögern, wenn sie in entgegengesetzter Richtung geradeaus aneinander vorbei fahren sollen. Vielen ist der Abstand zwischen den Kübeln zu eng und sie fürchten, sich Schrammen auf der Beifahrerseite zuzuziehen oder auf der Fahrerseite eine Kollision der Außenspiegel zu fabrizieren.

Besonders problematisch ist aber das Abbiegen. Wer etwa aus dem Erlenweg kommt und nach links in die Alte Mainzer Landstraße gen Hassia-Gelände einbiegen will, der hat Vorfahrt (sofern von rechts niemand kommt). Steht links aber ein Auto, das von der Hassia kommt und die Kreuzung in einer der drei Richtungen queren möchte, zwischen den Kübeln, kann Rechts-vor-links-Regel kaum angewendet werden. Der Fahrer, der von der Hassia kommt, müsste eigentlich warten, weil auf seiner rechten Seite ja der Fahrer aus dem Erlenweg kommt, der Vorfahrt hat. Dieser wird wegen der beengten Situation häufig aber den anderen Fahrer durchwinken, um kein Unfallrisiko einzugehen.

Noch komplizierter wird es im beschriebenen Beispiel aber, wenn der von der Hassia kommende Fahrer nach rechts in den Erlenweg einbiegen statt geradeaus oder nach links fahren will. Dann muss der aus dem Erlenweg kommende Fahrer am besten erst ein Stückchen geradeaus auf die Kreuzung fahren, um dem von der Hassia kommenden Fahrer genug Raum zum Rechtsabbiegen zu verschaffen. Ist dieser Fahrer „durchgeschlüpft“, kann anschließend der aus dem Erlenweg kommende Fahrer mit kleinem Bogen nach links gen Hassia einbiegen.

Noch kritischer wird die Sache, wenn drei oder vier Fahrzeuge gleichzeitig zur Kreuzung kommen. Außerdem befindet sich in Nord-Süd-Richtung (Berliner-Straße – Erlenweg und in Gegenrichtung) inzwischen eine Busstrecke, was zu zusätzlichen Konflikten an der Kreuzung führt. Der Bus hat dort faktisch viel häufiger Vorfahrt, als ihm die Verkehrsregeln zubilligen würden.

Befürworter der Pflanzkübel, die schon lange für Kontroversen sorgen, argumentierten bisher damit, dass sie den Verkehrsfluss an dieser Stelle beruhigen und ein „Durchheizen“ an einem Knoten, an dem nachmittags und abends (gerade durch den SC Hassia und die Tanzschule Wehrle) besonders viele Kinder unterwegs sind, verhindern. Der Urheber des Vorschlags auf der Ideenplattform sieht in seiner Begründung hingegen ein Unfallrisiko und „keinen Sinn“ und fordert die Entfernung der Kübel. Da die Anregung mit 56 Unterstützern (50 waren nötig, die Gültigkeit der Stimmen wird noch geprüft) erfolgreich war, wird sich demnächst der Magistrat und vielleicht auch die Stadtverordnetenversammlung mit dem Thema beschäftigen.

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