Kommt an: Kardiologie in Klinik-Kooperation

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Das neueste Modell: Herzschrittmacher werden immer kleiner.

Dieburg/Groß-Umstadt ‐ „Nach fünf Wochen Betrieb zeigt sich, dass das neue gemeinsame Angebot der Kardiologie in Groß-Umstadt und Dieburg zwingend erforderlich ist“, erklärte LandratKlaus-Peter Schellhaas. Von Elizabeth Hager und Ulrike Bernauer

Besonders freut sich der Landrat, dass die Kooperation der Kreisklinik Groß-Umstadt mit dem St. Rochus Krankenhaus geglückt ist (wir berichteten).

Auf großes Interesse in der Bevölkerung stießen am Wochenende deshalb auch die ersten gemeinsamen Kardiologie-Tage. In Dieburg wurde am Sonntag zu einem kardiologischen Frühschoppen mit Referaten rund ums Thema „Herz“ eingeladen. Und die Kreisklinik in Groß-Umstadt hatte am Samstag ihre Pforten geöffnet. Im Funktionsbereich der Inneren Medizin II, Kardiologie und Angiologie (Teilbereich der inneren Medizin, der sich mit Gefäßerkrankungen befasst) wurde den Interessierten alles rund um das EKG, den Herzultraschall, aber auch über Wiederbelebung mit dem Defibrillator gezeigt.

Führung durch Herzkatheterlabor Publikumsrenner

Dr. Michael Stanisch (rechts) erklärt im Herzkatheterlabor der Kreisklinik Groß-Umstadt das Setzen eines Stents.

Publikumsrenner war jedoch die Führung durch das neue Herzkatheterlabor. In einzelnen Schritten erklärte Oberarzt Dr. Michael Stanisch das Ausdehnen von Herzkranzgefäßen und das Setzen eines Stents, um einen neuerlichen Verschluss der Gefäße zu verhindern. „Sie bekommen nur eine örtliche Betäubung, es sei denn Sie wünschen etwas anderes“, erklärte Stanisch den meist älteren Zuhörern den Beginn des Eingriff. „Denn es ist immer besser, wenn wir mit Ihnen reden können und Sie uns sagen können, wie es Ihnen geht.“ Staunen kommt auf, als Stanisch einen Stent zeigt: „Der ist aber winzig!“ Interessiert betrachten die Besucher die Aufnahmen eines schlagenden Herzens, an dem eine Gefäßweitung vorgenommen wird.

Nicht ganz so viel Andrang herrscht bei der medizinischen-technischen Assistentin Anette Hinnenberg. Sie zeigt Herzschrittmacher. „Die werden auch immer kleiner und haben inzwischen teilweise auch noch andere Funktionen“, erklärt sie und präsentiert einen Herzschrittmacher kombiniert mit einem Defibrillator. Herzschrittmacher werden an der Kreisklinik noch nicht eingesetzt, man hat aber bereits die Genehmigung beantragt.

Beeinflussbare und nicht beeinflussbare Faktoren

Nebenan lässt sich Besucherin Maria Rakowitz ganz konventionell den Blutdruck überprüfen. Sie strahlt, ihr Blutdruck liegt bei 150:80. „Das habe ich sonst nie“, erklärt Rakowitz. „Ich habe bereits zwei Stents und will mir heute hier auch noch Vorträge anhören.“

In allgemein verständlicher Form hat der neue Chefarzt, Dr. Michael Weber, sein Referat gehalten. Über Risikofaktoren für eine Gefäßverkalkung klärt er auf. Dazu gehören neben den nicht beeinflussbaren wie Geschlecht, Alter und familiäre Vorbelastung auch die eigentlich hinreichend bekannten wie Übergewicht, Diabetes, Nikotin, Bluthochdruck und Bewegungsmangel, zusammengefasst der persönliche Lebensstil.

Diabetes hat beispielsweise Horst Voerste. „Ich will heute hier neue Erkenntnisse gewinnen“, erklärt der Rentner. „Mich interessieren neue Behandlungsmethoden oder wie ich mich verhalten muss, damit ich vielleicht meine Medikamente gegen Diabetes absetzen kann.“ Als gut informiert bezeichnet sich Voerste, aber die Neuigkeiten an der Umstädter Kreisklinik interessieren ihn sehr.

Gesunde Lebensführung das A und O

Ein besonderes Gerät benötigt man für eine Ultraschalluntersuchung des Herzens. Demonstriert wird sie hier von Dr. Margot Peters und „Patient“ Christoffer Klein.

„Eine gesunde Lebensführung ist immer sinnvoll“, erklärt unterdessen Chefarzt Weber. „Auch nach Ausbruch einer Krankheit ist sie neben den medizinischen Maßnahmen immer anzuraten.“ Weber leitet seit Mai die kardiologische Abteilung nicht nur in Groß-Umstadt, sondern auch am Dieburger St. Rochus Krankenhaus. Als wichtigen und vernünftigen Schritt bezeichnet der Chefarzt das kardiologische Netzwerk für die Region. Nicht in Konkurrenz, sondern als Ergänzung würden sich die beiden Klinikstandorte wahrnehmen. Weber kann sich nach dem guten Beginn der Kooperation in der Herzkardiologie auch in anderen Bereichen eine Zusammenarbeit vorstellen. „Aber das muss wachsen“, sagt der Chefarzt.

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