Kommunale Ehe macht bereits Schule

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Das war kein Aprilscherz: Bürgermeister und Standesamtsmitarbeiterinnen sind gestern im Trausaal des Rathauses eine „Ehe“ eingegangen. Von links Carsten Helfmann (Eppertshausen), Almedina Miftaroska-Memet, Gerlinde Angermeier, Udo Henke (Messel), Alessandra Cicchelli, Doris Laumann, Dr. Werner Thomas (Dieburg) und Walter Blank (Münster).

Dieburg ‐  „Bekanntmachung!“, rief Bürgermeister Dr. Werner Thomas in den Sitzungssaal und läutete laut mit der Glocke, die normalerweise erregte Stadtverordneten-Gemüter zur Räson ruft. Von Lisa Hager

Aber gestern waren alle zu einem „freudigen Ereignis“ nach Dieburg gekommen: Die Standesämter von Münster, Eppertshausen und Messel gehen mit der Dieburger Behörde eine Vernunftehe ein. „Das ist auf Landkreis-Ebene die bisher weitestgehende interkommunale Zusammenarbeit“, sagte Thomas und überreichte seinen Kollegen Walter Blank (Münster), Carsten Helfmann (Eppertshausen) und Udo W. Henke (Messel) die unterschriftsreifen öffentlich-rechtlichen Vereinbarungen. Diese zierten sich dann auch nicht lange und gaben ihr „Ja-Wort“: Kein Wunder, ist die Verschmelzung der Standesämter zu einem einheitlichen Standesamtsbezirk in Dieburg schon Ende des vergangenen Jahres vorbereitet worden (wir berichteten).

Alle Beschlüsse in der Gemeindevertreterversammlung dazu waren einstimmig“, betonte Blank. Aus dem Zusammenschluss soll sich neben finanziellen Vorteilen auch ein effektiverer Bürgerservice ergeben.

Neue Büroräume für Dieburg

In Dieburg musste dafür erst einmal investiert werden: Zwei neue Büroräume wurden eingerichtet, zwei zusätzliche Standesamtsmitarbeiterinnen in Teilzeit eingestellt. Allerdings wird interkommunale Zusammenarbeit auch gefördert: Das Projekt bezuschusst das Land Hessen mit 100 000 Euro.

Pro Jahr rechnet man für den 39 000 Bürger umfassenden Standesamtsbezirk mit rund 400 Geburten, 185 Eheschließungen und 205 Sterbefällen. Ab sofort werden übrigens auch Einbürgerungsfälle aus Münster - rund 80 pro Jahr sind zu erwarten - in Dieburg bearbeitet.

Leidensdruck lässt Kommunen zusammenrücken

Das gemeinsame Standesamt ist aber noch nicht das Ende der interkommunalen Zusammenarbeit, die auch der Landrat gerne vorantreiben möchte, wie Kreisbeigeordneter Dietmar Schöbel betonte. Fürs Zusammenrücken der Städte und Gemeinden gebe es klare Gründe: „Der Leidensdruck wächst, die Aufgaben werden immer mehr, der Finanzspielraum der Kommunen enger.“

Das Beispiel der „Vernunftehe“ macht übrigens bereits Schule: Im Hauptamt der Stadt sind schon etliche Anfragen aus anderen südhessischen Landkreisen eingegangen, wie man eine derartige Zusammenlegung denn real handhabt.

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