Kommunikation - ohne Worte

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Die „Kindernest“-Bewohner zeigten mit viel Freude, dass man Lieder auch mit Körpereinsatz unterstützen kann.

Dieburg -  „Ich möchte einen Apfel essen.“ Für ein normal entwickeltes Kind ist diese Mitteilung an Mama kein Problem. Wie aber können sich Kinder äußern, die sprachliche Probleme oder gar Behinderungen haben? Von Lisa Hager

Dieser Aufgabe widmen sich mit Hingabe die Pädagoginnen der Kita „Kindernest“, die der Verein für Behindertenhilfe auf der Leer betreibt. Die integrative Kindertagesstätte besteht aus zwei Gruppen mit je 15 Kindern (insgesamt zehn sind behindert). Dazu kommt eine heilpädagogische Hortgruppe mit elf Kindern und Jugendlichen. Die Kita hat einen sehr engagierten Elternkreis, aus dem eine kreative Malgruppe hervorgegangen ist. Die hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Thema „Kommunikation“ einmal bildnerisch darzustellen. Die entstandenen Werke sind derzeit im Foyer des Rathauses ausgestellt. Das Team der Behindertenhilfe, die zusammen mit der Stadt übrigens auch das Museumscafé betreibt, hatte zur Eröffnung für die Häppchen gesorgt.

In der Ausstellung findet sich beispielsweise ein Bild, das das Wort „Sprache“ in ertastbarer Blindenschrift zeigt. Ein Werk ist nur weiße Fläche: „Sprachlos“ heißt es. Aber auch viel Mutmachendes ist zu sehen - die farbenfrohen Seiten der Kommunikation ohne Worte werden da betont. „Jedes Kind hat viele Sprachen“, sagte die pädagogische Leiterin, Andrea Bartels, bei der Eröffnung der Ausstellung, die die Kinder mit „bewegten“ Liedern musikalisch untermalten. Wenn es mit Sprache nicht immer gelänge, könne man auch Gebärden, Gesten, Augenkontakt oder Bild-Symbole einsetzen. Die „unterstützte Kommunikation“, die in der Kita praktiziert und weiterentwickelt werde, eröffne den Kindern und Erwachsenen die Möglichkeit, sich zu verständigen - und das auch ohne Sprache.

Dazu nutzt die Kita durchaus auch technische Hilfsmittel, die in der Ausstellung ebenfalls zu sehen sind. Anhand von Piktogrammen oder Symbolen, auf die die Kinder deuten, können eindeutige Wünsche geäußert werden. Auch über elektronische Drücker, die ein Signal aussenden, ist Kommunikation möglich.

Den eigenen Willen mitteilen zu können und zu erfahren, dass die Umwelt auch reagiert, ist eine große Erfahrung für das Kind“, sagte Kerstin Förster, eine der Heilpädagoginnen, die sich alle in „Unterstützter Kommunikation“ fortgebildet haben. „Natürlich geht das nur in Zusammenarbeit mit den Eltern, die diese anderen Möglichkeiten der Verständigung zuhause weiter mit den Kindern üben.“ Es müsse ein kontinuierlicher Prozess entstehen.

Sie zeigte den Besuchern beispielsweise auch eine Art Sprachcomputer, den „Go Talk“, dessen Tasten man mit verschiedenen Bedeutungen belegen kann. „Wichtig ist uns zu zeigen, dass man wegen einer Sprachbehinderung nicht den Kopf in den Sand stecken muss“, sagt Förster, die natürlich auch die Gebärdensprache beherrscht - eine der vielen Formen der nonverbalen Kommunikation.

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