„Kompromisslösung“ mit mehr Sicherheit für alle

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Das Miteinander von Rad- und Autofahrern soll auf der Frankfurter Straße durch Schutzstreifen verbessert werden - so die bisherigen Planungen.

Dieburg ‐ Auch wenn die Anfang Juni bei Grundwassertests gefunden Ölreste den Beginn der Neugestaltung der Frankfurter Straße bis auf unbestimmte Zeit auf Eis gelegt haben, planerische Unklarheiten sind dadurch nicht verschwunden. Von Dirk Beutel

Nach wie vor sind sie kontrovers diskutiert - in der Stadtverordnetenversammlung und in der Bevölkerung: Die geplanten Schutzstreifen für Radfahrer, die im Zuge der Neugestaltung der Frankfurter Straße künftig dem Verkehr auf zwei Rädern die Spur vorgeben sollen. Diese seien „zu gefährlich“ für die stark befahrene und von vielen Pendlern benutzte Frankfurter Straße, so hörte man es noch im Frühjahr vereinzelt aus den Reihen des Parlaments.

Ein bereits bekannter Befürworter dieses Entwurfes ist der für die Frankfurter Straße zuständige Architekt Michael Reitzel, der das System der Schutzstreifen verteidigt („Es hat sich gezeigt, dass Pkw- und Lkw-Fahrer in der Regel den Angebotsstreifen nicht befahren und ihrer Sorgfaltspflicht nachkommen“). Nach den Planungen des Architekten sind für die Angebotsstreifen 1,50 Meter auf der westlichen und 1,25 Meter auf der östlichen Seite vorgesehen, was auch seitens der Polizei, der Unteren Verkehrsbehörde und dem Straßenbauamt abgesegnet wurde (wir haben berichtet).

„Wenige Konfliktpunkte“

Das bestätigt auch Helmut Biegi, Leiter der Polizeidirektion Darmstadt-Dieburg, auf Anfrage unserer Zeitung: „Die Schutzstreifen bieten mehr Sicherheit für alle am Straßenverkehr Beteiligten, auch für den ruhenden Verkehr. Es gibt relativ wenige Konfliktpunkte.“ Trotzdem stand auch die Polizei den ersten Schutzstreifen, beispielsweise in Darmstadt, anfangs skeptisch gegenüber. Ein subjektiver Eindruck, der sich mit der Zeit zerstreute. Obwohl die Polizei keine expliziten Statistiken mit Unfällen von Radfahrern an Schutzstreifen führt, sprechen die Beamten von durchweg positiven Erfahrungen und weniger Unfällen: „So interpretieren wir die Zahlen.“ Allerdings, so Biegi, seien die Schutzstreifen für die Frankfurter Straße eine „Kompromisslösung“. Denn: Falls man sich für „echte“ Radwege entschieden hätte, gäbe es, aufgrund der vorhandenen Fahrbahnbreite, keinen Platz mehr für Parkbuchten - dank der Schutzstreifen bleiben die meisten erhalten.

Auch Dieburgs Bürger-Patin Dr. Christina Köpken-Watts kennt die Variante der Schutzstreifen schon sehr lange und sehr gut aus anderen Gemeinden. Köpken-Watts hat sich dem Stadtleitbildprojekt „Dieburg zur fahrradfreundlichsten Stadt in Hessen machen“ verschrieben und weiß: „In der Tat tragen Schutzstreifen zu einer deutlichen Verbesserung der Verkehrssicherheit bei. Radwege vermitteln nur eine subjektive Sicherheit“, sagte sie

Auch der ADFC schätzt die Schutzstreifen

Auch in der Bundesgeschäftsstelle des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs (ADFC) steht man dieser Form des Radweges positiv gegenüber, und das obwohl die Markierung der Schutzstreifen im Bedarfsfall vom motorisierten Verkehr überfahren werden darf: „Die Erfahrungen in einigen Städten, die den Schutzstreifen schon ausprobiert haben, stimmen optimistisch: Autos fahren langsamer und halten ausreichend Abstand, die Unfallzahlen sinken und die Radler sind komfortabler unterwegs und bleiben auch nicht mehr im Autostau stecken“, heißt es in einer Pressemitteilung. Obgleich auch hier keine explizite Statistik vorliege, die einen Zusammenhang zwischen rückläufigen Unfallzahlen und Schutzstreifen belegt, schätzt man beim ADFC die Vorteile der Angebotsstreifen sehr hoch ein: „Durch den Schutzstreifen fährt der Radfahrer die ganze Zeit auf der Straße. Dadurch ist er im Sichtfeld des Autofahrers, der ihn beim Abbiegen an Kreuzungen oder Einmündungen wahrnimmt“, sagt Pressesprecherin Bettina Cibulski von der Bundesgeschäftsstelle des ADFC.

Das sieht auch Christina Köpken-Watts so: „Es ist wichtig, vom Autofahrer gesehen zu werden, dann reduziert sich auch das Unfallrisiko an besagten Verkehrstreffpunkten.“ Und das nicht nur zwischen Auto- und Radfahrer. Da sich die Schutzstreifen auf der Fahrbahn befinden (mit oder ohne rote Markierung möglich) können potenzielle Konflikte mit Fußgängern und Autos, die aus ihrer Hofausfahrt starten wollen, von vornherein nicht entstehen.

„Dieburg ist eine ideale Radfahrerstadt“

Zwar seien die Angebotsstreifen kein Allheilmittel, dennoch reiht sich nicht nur der Sicherheitsaspekt in die Argumentationskette. Schutzstreifen seien eine ausbaufähige Variante, um mit dem Fahrrad nicht nur sicherer, sondern auch schneller das gewünschte Ziel zu erreichen. Köpken-Watts: „Innerhalb eines Radius von vier bis fünf Kilometern bin ich schon jetzt in Dieburg schneller mit dem Fahrrad unterwegs, als mit dem Auto.“

Das liege nicht nur daran, dass in Dieburg das Radfahrnetz bereits gut ausgebaut sei, sondern auch an seiner flachen geografischen Lage und dem mäßigen Autoverkehr. Zählt man diese Punkte zusammen „ist Dieburg eine ideale Radfahrerstadt“, so die Patin, die neben der Begleitung von Straßenbauprojekten hinsichtlich des Radverkehrs und dem Ausbau und der Verbesserung von Radwegen noch weitere Eisen für ihr Stadtleidbildprojekt im Feuer hat: „Mein Ziel ist es, mehr Menschen aufs Rad zu bringen.“

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