Rudolf Stegemann hat sich einem fast vergessenen Kunsthandwerk verschrieben

Korbflechter aus Passion

Der Kreuzboden bestimmt die Größe des späteren Korbes.

Dieburg J „Meine Frau kann schon keine Körbe mehr sehen“, sagt Rudolf Stegemann und lächelt verschmitzt. Dafür sind aber viele andere ganz wild auf seine handgefertigten Produkte aus naturbelassenen Weiden. Von Lisa Hager

Der pensionierte Fleischermeister hat sich vor sechs Jahren diesem Hobby verschrieben, das früher auf dem Land eine Sache der älteren Leute war: Da saß der Großvater im Hof und flocht stabile, grobe Körbe für Kartoffeln, Rüben, Äpfel, Heu und Holz, die in der „plastikfreien Ära“ Alltagsgegenstände auf dem Bauernhof waren. Auch den Beruf des Korbmachers gab es damals noch.

„Diese Körbe halten etwas aus“, sagt der pfiffige 72-Jährige in seiner Freiluft-Werkstatt hinterm Haus im Birkenweg und hebt ein Exemplar hoch, das für Kaminholz gedacht ist. Seine Produkte sind mit Billigerzeugnissen aus Fernost nicht zu vergleichen. So ein Korb, wenn er zweimal im Jahr über Nacht im Regen stehen darf („Die Weiden dürfen nicht brechen, dann ist der Korb kaputt“) hält mehrere Jahrzehnte. „Eigentlich schlecht fürs Geschäft“, meint er schmunzelnd. Die Zufriedenheit seiner Kunden aber steht bei ihm im Vordergrund. Er will Qualität abliefern – und die braucht ihre Zeit. „Manchmal soll alles übermorgen fertig sein, aber das geht nicht“, sagt er.

Besonders wichtig für die Haltbarkeit des späteren Korbes ist die Basis, der Kreuzboden, aus dem die Streben herausragen, die dann senkrecht hochgezogen werden. Die dünneren Weidenruten bilden das Flechtwerk, die Wände des Korbes. Mit dem Klopfeisen staucht er sie nach unten – damit erzielt er Stabilität. Dazu noch Messer, Schere und eine Ale – mehr Werkzeuge braucht er nicht, um seine Natur-Kunstwerke erstehen zu lassen. Runde um Runde wächst der Korb nach oben. Der Rand gibtStabilität von der anderen Seite. „Der muss genauso sorgfältig gemacht werden wie der Boden“, sagt der Fachmann.

Sein Flechtmaterial, die Weidenruten, muss er vorm Verarbeiten zwei Wochen lang wässern, damit sie elastisch werden. Auch während der Flechtarbeiten dürfen sie nicht durchtrocknen. Da heißt es, dabei bleiben bei der Arbeit – die kann man dann schlecht mal beiseite legen. Stegemann stellt Einkaufskörbe, Tabletts mit Holzboden, Körbe für Kaminholz, Äpfel oder Zeitungen genauso her wie ovale Körbe mit „Käseboden“ – die hat man früher in der Normandie zum Reifen des Käses verwendet. Kunstvoll gedrehte Blumenampeln, kleine Henkelkörbe für Ostereier oder Flechtwände, die als Raumteiler benutzt werden, hat er ebenfalls im Angebot. Immer wieder probiert er auch Neues aus: Ein geflochtenes Herz für eine Silberhochzeit beispielsweise oder sogar Urnenkörbe mit stabilen Lederriemen zum Tragen.

Der Korbflechter ist regelmäßig auf Handwerkermärkten – beispielsweise beim Otzberger Ostermarkt – vertreten. Als nächstes steht die Blumen- und Pflanzenbörse in Dieburg am 21. April auf dem Programm.

‹ Ab dem 11. April ist Rudolf Stegemann wieder im Birkenweg 11 unter s  06071 823206 zu erreichen.

Quelle: op-online.de

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