Kreis-Dezernent Christel Fleischmann verkündet Überraschung

Spektakulärer Schultausch geplant

+
Die Goetheschule am Freitag – ein Blick auf den Schulhof zwischen den drei Gebäuden (oben). Im ältesten der drei Gebäude (links) lernten bis Mitte der 70er auch schon einmal Alfred-Delp-Schüler. Die Tage der ADS (rechts) hingegen sind gezählt.

Dieburg - Mit der Ankündigung einer Rochade bei den Schulen hat Christel Fleischmann für eine Überraschung gesorgt. Hintergrund ist sein Ärger über die ADS. Auch das Verkehrs- und Parkplatzproblem rund um die „Schulinsel“ auf der Leer soll dadurch entschärft werden. Von Jens Dörr 

In Dieburgs Schullandschaft bahnen sich massive, zum jetzigen Zeitpunkt überraschende Veränderungen an: Nach einem neuen Vorschlag von Christel Fleischmann (Grüne), Schuldezernent des Landkreises Darmstadt-Dieburg, sollen Alfred-Delp-Schule (ADS) und Goetheschule schon in naher Zukunft den Standort wechseln. Die Delp-Schüler sollen demnach künftig in den Gebäuden der jetzigen Goetheschule unterrichtet werden. Die Goetheschule soll einen Neubau auf dem ehemaligen Sportplatz auf der Schulinsel „Auf der Leer“ bekommen.

Der Ex-Sportplatz, an dessen östlicher Seite zur Straße „Am Wall“ hin bereits die Gutenbergschule ihren Neubau erhalten hat, war bislang für zwei neue Bauwerke vorgesehen gewesen: erstens für ein Mehrzweckgebäude mit einer Mensa, Unterrichtsräumen, Platz für Theater und Veranstaltungen, einem gemeinsamen Medienzentrum sowie einem Forschungslabor, in der Idee gemeinsam genutzt von ADS, Gutenbergschule, Landrat-Gruber-Schule, Anne-Frank-Schule und Gustav-Heinemann-Schule. Zweitens sollte auf dem Sportplatz der Neubau der ADS (für die derzeitige Delp-Schule lohnt sich eine Sanierung angeblich nicht) entstehen.

Nach dem neuesten, in den vergangenen Tagen durchgesickerten Stand soll das Mehrzweckgebäude für alle Schulen auf der Leer weiterhin realisiert werden. Auf dem westlichen Teil des ehemaligen Sportplatzes, hin zur ABC-Halle, wird nun aber ein Neubau für die Goetheschule, die bekanntlich noch nicht Teil der „Schulinsel“ ist und einen Kilometer entfernt liegt, erwogen.

Schuldezernent Fleischmann erläutert im Gespräch mit unserer Zeitung, wie es zu dem unerwarteten, bislang und auch auf der Infoveranstaltung vor wenigen Wochen in der Gutenberghalle öffentlich noch nicht diskutierten Vorhaben sowie dem Über-Bord-Werfen der bisherigen Planung gekommen sei. „Das war eine aggressive Handlung von mir“, sagt Fleischmann und gibt unumwunden zu, dass er sich in jüngerer Vergangenheit ziemlich über die Alfred-Delp-Schule geärgert habe. Stein des Anstoßes insbesondere: Die ADS habe es abgelehnt, sich das im Mehrzweckgebäude geplante Forschungszentrum gemeinsam mit der Landrat-Gruber-Schule zu teilen. Fleischmann ist großer Anhänger des geplanten Labors für die sogenannten „MINT-Fächer“, was für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik steht. Solch ein Forschungszentrum existiere in Hessen bislang erst einmal, stelle für den Schulstandort Dieburg eine herausragende Entwicklungschance im Zuge der Neugestaltung der Schulinsel auf der Leer dar. „Die ADS hat die gemeinsame Nutzung mit der LGS rundweg abgelehnt“, so Fleischmann. „Dann habe ich gesagt, wir holen die Goetheschule rüber, und die ADS kann ihr Wunschprogramm künftig in der Goetheschule realisieren. Das war eine Trotzreaktion von mir.“

Bilder: Abiball der Dieburger Alfred-Delp-Schule

Aus dieser „Trotzreaktion“ heraus entstand beim Schuldezernenten, dem vom Kreis installierten Planungsteam sowie dem beteiligten Planungs-, Forschungs- und Kommunikationsdienstleister bueroschneidermeyer (Stuttgart) die immer konkretere Vorstellung einer Schulrochade. Die sei inzwischen sein fester Plan, so Fleischmann am Donnerstag. Die ADS habe vom Kreis tags zuvor bereits ein Konzept samt Raumprogramm für ihren möglichen neuen Standort an der Goethestraße erhalten. Fleischmann geht davon aus, sowohl in der nächsten Sitzung der Betriebskommission (21. Juni) als auch im Kreisausschuss (27. Juni) Zustimmung für die neue Planung zu erhalten. Empfiehlt sie der Kreisausschuss, folgt im weiteren Verlauf des Sommers nahezu sicher auch der Kreistag. Die kritischsten Fragen warten auf den Schuldezernenten voraussichtlich in der Betriebskommission, da dort die Personen sitzen, die am nahesten an den Schulbauprojekten des Kreises (allein 400 Millionen Euro Investitionen zwischen 2008 und 2018) dran sind.

Themen werden dann auch Kosten und zeitliche Abfolgen sein. Durch die neue Idee des Umzugs der 750 Delp-Schüler in die Goetheschule und der 900 Goetheschüler in einen Neubau auf der Leer entstünden keine Mehrkosten, ist sich Fleischmann sicher. In der Goetheschule selbst seien lediglich einige – ohnehin geplante – Sanierungsmaßnahmen nötig. Ansonsten ändere sich im Grundsatz nicht allzu viel. Auf einen Gesamtbetrag für alle anstehenden Investitionen in den Schulstandort Dieburg und besonders die Schulinsel auf der Leer will sich Fleischmann derzeit noch nicht festlegen, deutet aber an, dass man mit der Annahme einer Summe etwas oberhalb von 30 Millionen Euro (finanziert vom Kreis) ganz gut liegt.

In diesem Betrag wären dann nicht nur der Neubau der Goetheschule und des Mehrzweckgebäudes auf der Leer und die Sanierung der jetzigen Goetheschule für die Delp-Schüler enthalten, sondern auch die weitere Sanierung der Landrat-Gruber-Schule, der Abriss der alten ADS sowie die Herstellung von Sport- und Außenanlagen.

Vorerst wichtigster Termin: Fleischmann hält den Baubeginn der neuen Goetheschule auf der Leer bereits für das Jahr 2018 für realistisch. Ist die neue Goetheschule fertig, sollen dort zunächst die Schüler des Beruflichen Gymnasiums der Gruber-Schule einziehen, bis ihr Gebäude erneuert ist. Danach könnten die Goetheschüler in ihr neues Domizil und die Delp-Schüler in die Goethestraße umziehen und die dortigen Räumlichkeiten angepasst werden. Die heutige ADS auf der Leer könnte dann abgerissen werden. Mit einer Annahme des zeitlichen Horizonts aller Maßnahmen bis 2023 liege man Fleischmann zufolge nicht schlecht, „auch wenn ich hoffe, dass es schneller geht“, wie er nachschiebt.

Die Ortswechsel von Goetheschule und ADS (die Delp-Schule war bis Mitte der 70er schon einmal an der Goethestraße untergebracht, ehe Neubau und Umzug auf die Leer folgten) hätten in den Augen von Christel Fleischmann unterdessen nicht nur den Charme, dass sich beide Schulen an ihren neuen Standorten räumlich optimal einrichten und entfalten könnten.

Auch das Verkehrs- und Parkplatzproblem rund um die „Schulinsel“ auf der Leer würde deutlich entschärft. Dort würden dann „nur“ noch die Lehrer sowie viele der Gruber-Schüler mit dem Auto an- und abreisen. Allerdings müsste dann eine Lösung für die Verkehrs- und Parkplatzsituation rund um die Goetheschule her. Dies ist nun auch ein Thema bei anderen am „Schultausch“ direkt oder indirekt beteiligten Personen (siehe untenstehenden Text).

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare