Kreis verschont Tennisplätze

Offenbar Wende im Streit um Schulrochade

Dieburg - Überraschende Wende im Dieburger „TennisplatzStreit“: Das Areal des Clubs Blau-Gelb Dieburg soll bei der geplanten Schulrochade offenbar unangetastet bleiben. Von Ralf Enders

Bürgermeister Frank Haus (parteilos) hat in der Sitzung des Dieburger Stadtparlamentes am Donnerstagabend berichtet, der Landkreis Darmstadt-Dieburg wolle beim geplanten Schultausch von Alfred-Delp- und Goetheschule und den damit einergehenden drastischen Veränderungen im Goetheschul-Quartier das Gelände des Tennisclubs Blau-Gelb „nicht anfassen“, um Schüler-Parkplätze zu schaffen. Stattdessen solle „drumherum geplant“ werden. Kreis-Sprecher Stefan Weber mochte die Information auf Anfrage unserer Zeitung gestern noch nicht bestätigen und verwies auf eine Pressekonferenz mit dem Ersten Kreisbeigeordneten und Schuldezernenten Christel Fleischmann (Grüne) am nächsten Mittwoch (9.) in Darmstadt. Dabei wolle Fleischmann zu den „ambivalent diskutierten“ Plänen Stellung nehmen, über den Sachstand aufklären und „die Hintergründe beleuchten, um eine Einordnung der aktuellen Entwicklungen zu ermöglichen“.

Das umstrittene Thema Schulrochade war der am meisten diskutierte Punkt einer ohnehin umfangreichen Tagesordnung des Parlaments. CDU und Grüne hatten in einem gemeinsamen Antrag gefordert, das Parlament als höchstes Gremium der Stadt über die Planungen endlich zu informieren; „Hörensagen“ sei schließlich keine Informationsquelle.

In der Tat bemängelten einige Redner in der Debatte, vom jeweiligen Sachstand einzig aus der Zeitung zu erfahren. Marc Hiltrop (CDU) zeigte sich „verwirrt“ über das Vorgehen des Kreises. „Wir sind betroffen, aber nicht einbezogen“, sagte er. Patrick Stemmler (SPD) verwies auf Kommentare und Leserbriefe im Dieburger Anzeiger: „Wir haben die Infos nur aus der Presse.“ Wilhelm Reuscher (FDP) nannte das Vorgehen „nicht sehr schön“. Auch Parlamentschef Dr. Harald Schöning (CDU) monierte: „Die Stadtverordnetenversammlung sollte nicht alles aus der Zeitung erfahren.“ Schöning konnte jedoch ankündigen, dass Landrat Klaus Peter Schellhaas (SPD) und Fleischmann angeboten hätten, ins Dieburger Parlament zu kommen und zu informieren.

CDU-Fraktionschef Renée Exner meinte daraufhin, Schellhaas und Fleischmann seien erst nach Druck aus Dieburg bereit, sich zu erklären. Er erinnerte etwa an ein Treffen mit den Fraktionsvorsitzenden und Vereinsvorständen im März im DJK-Heim, bei dem Fleischmann – befragt nach den Straßenerschließungskosten im Zuge der Schulrochade – lediglich gesagt habe, die solle halt die Stadt Dieburg tragen.

Bürgermeister Haus zeigte dagegen Verständnis für Fleischmann: „Der hatte bei dem Treffen im März einen dicken Hals, da kommt so eine Aussage dann mal raus.“ Haus sympathisiert mit der Schulrochade, unter anderem, weil der Verkehr am Schulzentrum auf der Leer schon jetzt ein Problem sei und durch den Wegzug der Delp-Schüler besser in Dieburg verteilt werde. Es sei positiv, dass der Kreis investiere und den Schulstandort Dieburg stärke. Woraufhin Exner einwarf, es habe auch einen Plan ohne Schulrochade gegeben, und die an ihre Grenzen geratene Goetheschule könne auch am jetzigen Standort noch wachsen. „Angstszenarien“ aufzubauen, sei nur Taktik.

Bürgermeister Haus kritisierte im Parlament auch die Rolle des Tennisclubs. Blau-Gelb sei von Anfang an in die Planungen eingebunden und der 1. Vorsitzende (Dieter Hergott, d. Red.) „begeistert“ gewesen. Nun heiße es, Blau-Gelb werde kaputt gemacht. „Das ist falsch“, sagte Haus. Er bedauere „die Rolle einzelner Personen des Vereins“.

Letztlich einstimmig beschlossen hat das Stadtparlament am Donnerstagabend mehrere Punkte, die Marc Hiltrop für CDU und Grüne beantragt hatte und die sinngemäß so lauten:

  • Es soll geprüft werden, ob die neue Schlossgartenhalle auf der geplanten „Sportentwicklungsfläche“ am Schwimmbadkreisel errichtet werden kann.
  • Die alte Halle wird erst abgerissen, wenn die neue in Betrieb ist.
  • Es darf dabei keine Ausfälle von Hallenzeiten der Vereine geben.
  • Die Dieburger Vereine können die neue Halle mitnutzen.

Es hat sich also auch herauskristallisiert, dass der Neubau der Schlossgartenhalle auf dem lange geplanten Sportgelände am Schwimmbadkreisel stehen könnte. Freidemokrat Reuscher beantragte zudem erfolgreich, das Thema Sportgelände wieder im Ausschuss zu behandeln, um es „voranzubringen“.

Rubriklistenbild: © dpa

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