Kreisklinik-Chefarzt wegen fahrlässiger Tötung verurteilt

Darmstadt-Dieburg (db/nor) ‐ Der Chefarzt für Gynäkologie und Geburtshilfe am Kreisklinikum in Groß-Umstadt wurde gestern Nachmittag von Landrat Klaus Peter Schellhaas mit sofortiger Wirkung suspendiert. Hintergrund ist ein gestern gefallener Richterspruch am Amtsgericht Osnabrück. Dort wurde der Chefarzt wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe von 13 500 Euro verurteilt.

Brisant: Der für die Umstädter Klinik verantwortliche Landkreis wusste nichts von diesem Verfahren, das auf einen Fall aus dem Jahr 2002 zurückgeht. Nur durch die Recherchen des Dieburger Anzeigers wurde der Kreis letztlich informiert: „Der Landkreis hat vom Verfahren gegen den Mediziner in Osnabrück und dem Urteil erst durch Presseanfragen erfahren“, sagte Landrat Schellhaas in einer Erklärung. Außerdem: „Ich habe als verantwortlicher Klinikdezernent umgehend gehandelt und bitte darum, durch das Verhalten eines Einzelnen das Kreiskrankenhaus in Groß-Umstadt nicht pauschal vorzuverurteilen.“

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Mediziner im November 2002 während seiner Tätigkeit als Oberarzt am Klinikum Osnabrück den Tod eines Neugeborenen durch sein Fehlverhalten beim Geburtsvorganges verschuldet hat. Der Mediziner hatte sich trotz besorgniserregender Herzfrequenzen des Ungeborenen und weiteren Auffälligkeiten wohl geweigert, einen Kaiserschnitt vorzunehmen. Erst vier Stunden nach der Ankunft der Patientin hatte er eine Operation vorgenommen, nachdem er das schriftliche Einverständnis der Frau eingeholt hatte. Ein Gutachter stellte gestern vor Gericht klar, dass das Kind deshalb an einer Sauerstoffunterversorgung gestorben sei. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

In der gleichen Sache war der Arzt bereits in einem Zivilverfahren zu einer Schmerzensgeld-Zahlung von 15 000 Euro an die Eltern verurteilt worden.

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