Kluftinger-Autoren zu Gast in Dieburg

Wenig Lesung, viel Show

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An ihrer Rolle als Comedians müssen Michael Kobr (links) und Volker Klüpfel noch etwas feilen. Schreiben können sie eindeutig besser.

Dieburg - Gewöhnliche Lesungen waren noch nie ihr Ding: Die Allgäuer Krimi-Autoren Volker Klüpfel und Michael Kobr wollen anders sein und machen aus ihren Büchern eine gut zweistündige Show. Allerdings mit mäßigem Erfolg. Von Lena Marie Jörger

So viel vorneweg: Wer mit den Büchern um den kauzigen Kommissar Kluftinger bisher nichts anfangen konnte, wird sich vermutlich auch nach dem Besuch der „Literatur-Comedy-Show“ - wie die beiden Autoren es nennen - nicht dafür begeistern. Fans der Romane kommen aber auf ihre Kosten – zumindest stellenweise. Und zwar vor allem dann, wenn Volker Klüpfel und Michael Kobr mit verteilten Rollen aus „Herzblut“, dem kürzlich erschienenen, siebten Kluftinger-Krimi, lesen.

Unterlegt wird das Ganze vom Publikum, das den „typischen Allgäu-Sound“ in die Aula der Hochschule zaubern soll: stotternde Traktoren, Kühe und fluchende Bauern. Auch das Bühnenbild aus gemaltem Misthaufen, Pappbergen und blauem Himmel soll keinen Zweifel daran lassen, dass die vermeintlich beschauliche Heimat der beiden Autoren zum Tatort wird.

Diese und andere Allgäu-Klischees sind es auch, mit denen Klüpfel und Kobr so gern – und teils gekonnt – spielen. Zwischendurch kabbeln sich die beiden spaßeshalber, singen und zeigen selbst gedrehte Videos vom Set zur neuen Kluftinger-Verfilmung „Seegrund“ oder von Recherchen auf einer Yogamesse, die mit selbst kreierten Figuren wie dem „Allgäuer Sonnengruß“ ins Lächerliche gezogen wird.

Warum das Duo in der zweiten Hälfte der Show allerdings plötzlich eine Szene aus einem der Krimis, noch dazu nicht einmal aus dem aktuellen Titel „Herzblut“, nach Schweden verlegt, wird nicht so ganz klar. Zu allem Überfluss schmeißen Klüpfel und Kobr dann auch noch mit entsprechenden und über alle Maßen abgedroschenen Witzen über ein Möbelhaus um sich. Gebraucht hätte es das nicht. Ebenso wenig wie das Nachspielen besagter Szene in Derrick-Manier.

Wirklich lustig wird es erst wieder, als die beiden zu „Herzblut“ zurückfinden und auf der Bühne vormachen, wie Kluftinger per Skype mit dem Vater von Yumiko, Japanerin und Kluftingers Schwiegertochter in spe, kommunizieren soll. Dabei schlüpfen die beiden so gekonnt in ihre Rollen, dass einige Zuschauer aus dem Lachen beinahe nicht mehr herauskommen. Streicht man also die plumpen Gags („Ich will auch so einen großen wie du“), bleibt durchaus etwas Unterhaltsames übrig: die Szenen aus den Büchern, denn schreiben können Klüpfel und Kobr richtig gut. An ihrer Rolle als Comedians müssen sie dagegen noch feilen. Etwas mehr Lesung täte der Show in jedem Fall gut.

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