Großes Interesse am Vortrag über die Mithras-Mysterien

Kultbild: „Einer der bedeutendsten Funde“

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Dr. Andreas Hensen beim Vortrag im Museum Schloss Fechenbach über römische Mysterienkulte.

Dieburg (jd) ‐  Waren die Anhänger des Mithras-Kults lichtscheues Gesindel? Wenn man den frühchristliche Autoren glaubt, dann ja.

Dieser Spot gegen die ausschließlich männlichen Konkurrenten, die sich selbst aber nicht als solche begriffen, lag durchaus nahe: Führte doch in den Mithras-Tempel, „Mithräum“ genannt, doch stets eine Schräge oder Stufen hinunter ins Dunkle, ins Vertiefte. Der Vorraum eines solchen Tempels, den es auch in Dieburg nördlich der alten Stadtmauer gab, war noch erhöht, der Kultraum dann aber unter dem Niveau des Erdbodens. Rechts und links im Kultraum gab es Sitzbänke für die Anhänger des Kults, am Ende des Raums befand sich das Kultbild: Teils aus Holz und aufgehängt, teils aufgemalt. Oder wie in Dieburg auf einen Sockel gestellt - und heute bekanntlich im Museum Schloss Fechenbach zu bestaunen. Das und mehr zum Mithras-Kult berichtete Dr. Andreas Hensen (Kurpfälzisches Museum Heidelberg) am frühen Mittwochabend im Museum, in dem alle 50 Stühle des Vortragsraums belegt waren und kaum noch weitere Geschichtsinteressierte hineingepasst hätten.

Mithras auf der Jagd zu sehen

Das Dieburger Kultbild ist einer der bedeutendsten archäologischen Funde der Region“, betonte Hensen im Laufe seines 90-minütigen Referats. Auf dem Dieburger Kultbild ist Mithras teilweise so zu sehen, wie er fast immer dargestellt wird: Mit wehendem Mantel - diesmal aber auf der Jagd. Sehr oft ist Gott Mithras - zumindest im römischen Mithras-Kult - in einer Szene zu sehen, in der er in einer Grotte einen Stier tötet. „Ganz wichtig ist auch die Kappe, die Mithras auf den Kultbildern trägt“, so Hensen. „Das ist ein klares Zeugnis einer östlichen antiken Gottheit.“ Um Mithras herum sind elf kleine Bilder zu sehen, darunter zum Beispiel die Felsengeburt Mithras', bei der er sich aus einem Felsen heraus entwickelt und dabei sogleich ein Schwert schwingt. Die andere Seite des Dieburger Mithras-Kultbilds nimmt Bezug auf den Sonnengott Helios und Symbole der vier Elemente.

Vermutlich in Rom Ursprung des Kults

Seinen Ursprung - das sollen jedenfalls neueste wissenschaftliche Erkenntnisse belegen - hat der Kult vermutlich in Rom, wo in der Nähe des Kolosseums auch noch der am besten erhaltene Mithras-Tempel zu sehen ist. „Die Mysterien stützen sich auf Quellen wie Reliefbilder, Baulichkeiten und wenige literarische Zeugnisse frühchristlicher Autoren“, so Hensen. Ob der Kult persische oder astronomische Wurzeln hat, darüber streiten die Wissenschaftler noch. Klar zu sein scheint: Als das Christentum im Römisch-Germanischen Reich im 4. Jahrhundert nach Christus Staatsreligion wurde, wurde den Männern, die Mithras verehrten, der Besuch der Tempel verboten. Entsprechend stammen auch Funde in den Tempeln, die sich wie etwa antike Münzen datieren lassen, sämtlich aus der Zeit von vor 391 nach Christus.

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