In der Gersprenzstadt wachsen mehrere neue Formate heran

Kultur pur: Es tut sich einiges

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Die „Dieburger Musiknacht“ dürfte auch am heutigen Samstag bei der dritten Auflage wieder über 1000 Fans in die Innenstadt locken. Unser Foto zeigt das Marktplatz-Open-Air 2017.

Dieburg -  Ob Musik, Comedy, Lesungen, Poetry Slam – die Angebote im kulturellen Bereich nehmen zu. Von Jens Dörr 

Arm war das kulturelle Leben in Dieburg nie: Feste, Märkte, Vereinsveranstaltungen, das Museum, die FH-Aula als Magnet für nationale Stars der Comedy-Szene, musikalische Hochkultur im Schloss und natürlich die Fastnacht – um sich in der Gersprenzstadt zu langweilen, musste man schon vieles ausblenden. Und doch entwickelt sich das Mittelzentrum, meist getragen von Unternehmern und Gastronomen, seit gut zwei Jahren kulturell nochmals spürbar weiter. Davon zeugen eine ganze Reihe von Formaten, die in dieser Zeit entstanden sind.

Jenes mit den meisten Besuchern ist die „Dieburger Musiknacht“, die 2016 nach vielen Jahren Pause wieder auflebte und am heutigen Samstag zum dritten Mal mehr als 1 000 Gäste in die Innenstadt locken dürfte. Dort finden ein Open-Air auf dem Marktplatz sowie neun weitere kleine Konzerte in ebenso vielen Lokalen statt. Initiator der Musiknacht, die es in ähnlicher Form beispielsweise auch in Groß-Umstadt gibt, ist der Mainzer Agenturbetreiber Alexander Schäfer. Ohne die anfängliche Unterstützung des Dieburger Gewerbevereins, das verhehlt er jedoch nicht, wäre der musikalische Reigen wohl nicht so rasch zum Erfolg geworden.

Während für Schäfer schon jetzt feststeht, dass sich die Musiknacht in Dieburg etablieren wird, möchte er das für das zweite von ihm installierte Format, den Comedy-Abend „Lass uns lachen, Dieburg!“, erst einmal abwarten. Die Premiere in fünf Innenstadt-Lokalen im Frühjahr 2018 lief aber so ordentlich, dass schon für 22. November die nächste Auflage geplant ist. Schäfer sieht auch an einem Donnerstagabend genügend Potenzial in Dieburg und der Region, um bis zu 300 Karten an den Mann zu bringen – weiteres Wachstum nicht ausgeschlossen.

Noch kuscheliger als bei Musiknacht und Comedy-Abend geht es bei „Fein, aber klein“ zu: Drei Termine des Abends mit Songwritern im von Jasmin Sauerwein betriebenen „Hopfensack“ wurden für Herbst angesetzt, der nächste am 27. Oktober. 40, 50 Leute passen in die Bar, intime Atmosphäre nah an den Künstlern garantiert. Der Eintritt ist dabei ebenso gratis wie die Teilnahme an der neuen „Dieburger Folk Session“, die Gastronom Jörg Zoller seit kurzem im „Lehrer Lämpel“ installiert hat. Zweimal trafen sich dort bereits die Musiker. Willkommen sind aber auch jene, die bei einem Drink in dem seit fast zwei Jahren kulturell in die Offensive gehenden Lokal einfach nur lauschen wollen.

Zuhören ist auch bei den Lesungen in der „Bücherinsel“ und bei den bisher stets ausverkauften „Poetry Slams“ im Kammersaal des Schlosses Fechenbach angesagt. Mit Blick auf erstere, die freilich nicht erst jüngst Fahrt aufnahmen, stehen allein bis Anfang November drei Abende im Kalender der Insulaner, die dafür passenderweise schon Mini-Abos anbieten. Die hingegen noch taufrischen Dichterschlachten veranstaltet die „Bücherinsel“ gemeinsam mit der Stadt. In der Regel tragen jedoch professionelle Kulturveranstalter, rührige Unternehmer, die Gastronomen sowie die Vereine Dieburgs Events.

So wirkt Musik auf unseren Körper

Die müssen nicht immer Massen locken wie die Ereignisse in der FH-Aula (am 13. Oktober albert dort etwa Comedian Michl Müller) oder in der Römerhalle (wie Mitte Dezember Comedy-Szenegröße Bülent Ceylan). Heimelig geht es etwa bei den Veranstaltungen im „Apfelweinhof“ von Lars Wiessner zu, wo seit einiger Zeit beispielsweise kleine Konzerte vor vier, fünf Dutzend Zuhörern stattfinden und wo sich zunehmend mehr als nur ein uriger Geheimtipp mausert.

Die Liste ließe sich noch fortsetzen, etwa um Mundart-Abende in der „Stoawäjer Stubb“, die neuen Akzente durch Römerhallen-Gastronom Tobias Niestatek (allein diesen August drei Bands an drei Tagen im Schlossgarten) oder die Wiederbelebung des Reinfeierns in den 1. Mai, unter anderem im „Petermann“ und im Hof der engagierten Getränkehändler Eric und Dennis Braunwarth.

Das Meiste, so versichern die Veranstalter, funktioniere auf Anhieb erfreulich. Fast scheint es, als sei Dieburg in manchen kulturellen Bereichen lange Zeit doch ein wenig „unterversorgt“ gewesen. Zumindest für die Theaterszene gilt das seit der Auflösung des „Theaterrings“ noch immer. Damals war allerdings eine zu geringe Nachfrage der Hauptgrund – und das Darmstädter Staatstheater mit einem großen Angebot ist nur eine Viertelstunde entfernt. In Dieburg selbst jedenfalls deutet sich in vielen Fällen an, dass sich neue Kulturformate etablieren und den Freizeitwert der Stadt dauerhaft erhöhen könnten.

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