Kunst ohne Hemmschwelle

+
Wie bekommt man Flasche und Dose jetzt aufs Papier? Sylvain und Sue Hénon (rechts) geben in einem Workshop erste Einblicke in die Kunst des Zeichnens.

Dieburg ‐  „Obwohl erfahrungsgemäß die meisten Besucher immer erst am Sonntag kommen, hatten wir schon am Samstag sehr regen Zulauf“, berichtet Martin Konietschke erfreut. Da das Wetter ein Einsehen hat und die Sonne ihre Strahlen vom Himmel schickt, präsentiert der bekannte Bildhauer seine Arbeiten nicht nur in im Atelier, sondern auch in seinem heimelig gestalteten Hof. Von Verena Scholze

Im Rahmen des südhessischen Kultursommers öffneten am Wochenende wieder mehrere Ateliers in Dieburg ihre Pforten, wobei Konietschke bereits zum zwölften Mal teilnahm.

Im Atelier von Elke Bergerin konnten die Besucher Malereien und Zeichnungen in Öl, Mischtechniken, Tusche und Aquarell bewundern. Ellen Terjung präsentierte an beiden Tagen textile Collagen, Bilder aus Stoff und ihre besonderen, themenbezogenen Quilts. Zu sehen waren Werke im traditionellen Stil oder in freier Gestaltung. Günter Grosch bot Besuchern in seiner Werkstatt die Möglichkeit, sich im freien Malen zu versuchen.

„Gescheiterte Künstler - in Würde gealtert“

Eine Besucherin betrachtet eine Bronzefigur des Künstlers Martin Konietschke.

Martin Konietschke stellte neben Zeichnungen und Radierungen auch Plastiken und Bronzefiguren aus. „Ich habe dieses Jahr wieder viel neue Arbeiten dabei“, sagt er. Seine Werke zum Thema „Tanz“ zeigen zum Beispiel zwei Tango-Begeisterte. „Küsten und Wind“ - das sind Impressionen von Nord- und Ostsee und das Thema „Musiker“ setzt sich eindrucksvoll mit gealterten Künstlern auseinander. „Diese Menschen sind eindeutig keine Gewinner“, so Konietschke. „Es sind gescheiterte und vergessene Künstler, die in Würde altern wollen und weiterhin versuchen, ihrem Beruf nachzugehen.“

Die Inspiration zu dieser Reihe erhielt der Künstler auf einer Reise durch Argentinien. Im November wird Konietschke mit einer Ausstellung im Schloss Fechenbach vertreten sein.

Reisen mit Acryl und Öl

Das Thema „Reise“ behandelte auch einige der ausgestellten Werke im Atelier Hénon. Schülerarbeiten aus der Kunstschule des Künstlerehepaares Sue und Sylvain Hénon zeigen Reiseimpressionen der Teilnehmer, gemalt in Acryl, Ölfarbe oder Pastell. Neben der Darstellung des Chrysler-Buildings in New York finden sich ein detailgetreues Gemälde des indischen Taj Mahals, Ansichten von Santorin, Strandimpressionen wechseln sich mit Sonnenuntergängen ab.

Ab Mitte Januar wird die Kunstschule in neuen Räumen in der Steinstraße zu finden sein. Dann wird auch ein zusätzlicher morgendlicher Samstagskurs für junge Talente zwischen 8 und 13 Jahren angeboten.

Zum angebotenen Workshop des Künstlerehepaares haben sich viele Interessierte eingefunden, die sich an ihrem ersten Werk, der Kohlezeichnung eines Stilllebens versuchen wollen. Sylvain Hénon zeigt den angehenden Malern die ersten Tricks und Kniffe, die möglichen Blickwinkel und das einfallende Licht, mit dem man die Licht- und Schattenspiele eindrucksvoll in Szene setzten kann. „In den Anfängerkursen nutzen wir zunächst immer Kohlestifte“, sagt er. „Kohle hat eine einfache Handhabung, sie hält sich leicht in der Hand und Fehler lassen sich durch Wegwischen leicht korrigieren.“

„Kinder malen einfach drauf los“

Erwachsene zeigen in den Workshops eine deutlich höhere Hemmschwelle als Kinder und Jugendliche. „Die Großen trauen sich nicht richtig, den ersten Strich zu machen und zögern länger“, so Hénon. „Kinder dagegen malen einfach drauf los.“ Dies zeigt sich eindrucksvoll in den Bildern von rollenden Wellen, die der Kurs der ab Sechsjährigen anfertigte. „Wir wollten die Kinder in Geduld üben“, sagt Sue Hénon. „Dieses Projekt dauerte drei Wochen: Die Kinder begannen zunächst mit einer Zeichnung der Welle, bevor es ans Mischen der Farben und Gestalten ging“.

Das Schwierigste an dem Projekt war jedoch, die Kinder davon zu überzeugen, sich für einige Tage von ihren Werken zu trennen und diese der Ausstellung zur Verfügung zu stellen.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare