Volker Bouffier kommt zur CDU

Landesvater als Zugpferd bei Empfang

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Willkommen in Dieburg: KVD-Präsident Friedel Enders (links) dekoriert Ministerpräsident Volker Bouffier mit dem Fastnachtsorden. CDU-Generalsekretär Manfred Pentz (rechts) und Stadtverbandsvorsitzender Renée Exner freuen sich über die Geste.

Dieburg - Erst kam Volker, dann „Egon“: Der erste Neujahrsempfang in der 70-jährigen Geschichte der CDU Dieburg litt am Donnerstagabend zwar unter dem angekündigten Sturmtief. Dennoch lockte der angekündigte Besuch von Ministerpräsident Volker Bouffier über 400 Besucher in die Römerhalle. Von Lisa Hager 

„Es sind trotz des Wetters erstaunlich viele gekommen“, freute sich Stadtverbandsvorsitzender und CDU-Bürgermeisterkandidat Renée Exner über den Ansturm vor dem Sturmtief „Egon“. Zum ersten Mal hatte der Stadtverband zu einem Neujahrsempfang eingeladen – eine Idee des neuen Vorstands. Und dem Gremium gelang es, Ministerpräsident Volker Bouffier als Hauptredner des Abends zu gewinnen. Der Landesvorsitzende machte auch keinen Hehl daraus, dass er mit seinem Auftritt auch dem CDU-Bürgermeisterkandidaten unter die Arme greifen wolle. „Sie stehen mittendrin hier im Leben, das sehe ich“, sagte er am Ende seiner Rede in Exners Richtung, Physiotherapeut von Beruf. „Die halbe Stadt lag ja sicher schon unter ihren Händen.“

Applaus aus dem Saal gab es immer dann, wenn Bouffier in seiner durchschnittlich sehr versöhnlichen Rede klar Stellung zu konkreten Punkten bezog. Beispielsweise wenn er die Ausweitung der Videoüberwachung oder ein strikteres Vorgehen gegen islamistische Gefährder rechtfertigte oder für mehr Opfergerechtigkeit plädierte. Auch die Einrichtung weiterer „humanitärer Zonen“ für Flüchtlinge nach dem Vorbild des Paktes mit der Türkei („das geht aber auch noch besser“) befürwortete er. Damit könnte auch den Schleusern das Handwerk gelegt werden, die am Elend anderer nur verdienten.

Er nannte es eine „gigantische Leistung“, die das Land Hessen bei der Aufnahme von 120.000 Flüchtlingen, von denen derzeit noch 80.000 da wären, bewältigt habe. Sich „gegenseitig respektvoll und ehrlich ohne Angst zu begegnen“ sei dabei die Basis für ein Zusammenleben. Er erteilte aber auch all denen eine Absage, die glaubten, als Neuankömmlinge die hiesige Lebensart nach ihrem Gusto verändern zu können. Dafür hatte er auch drastische Worte parat: „Und dann Bikinimädchen im Schwimmbad als Schlampe betiteln.“ Solchen Versuchen müssten alle, die unsere freiheitliche Art zu leben, verteidigen wollen, auch konsequent und aktiv begegnen.

Das Paradoxe am gegenwärtigen Zustand des Landes sei, dass es den Bürgern so gut gehe wie noch nie zuvor, sie aber gleichzeitig sehr verunsichert seien. Das sei nicht nur der Flüchtlingskrise geschuldet, sondern auch der Fülle und Geschwindigkeit der Veränderungen, denen die Menschen ausgesetzt seien. „Denken Sie sich einmal neun Monate zurück“, forderte Bouffier die Zuhörer zu einer kleinen Zeitreise auf. „Vor neun Monaten hätte noch keiner geglaubt, dass Trump amerikanischer Präsident wird, dass der Brexit kommt, dass sich die Türkei zu einer Diktatur entwickelt, dass Renzi weg ist und Hollande nicht mehr will.“ Auch die „Revolution der Kommunikation“ trage zur Verunsicherung bei. „Heute will man ja in 140 Zeichen die Welt erklären“, so Bouffier.

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Ausdrücklich forderte er die jungen Leute auf, ihre Chancen wahrzunehmen. „Wir haben in Hessen 30.000 unbesetzte Ausbildungsplätze“, sagte er. Zu keiner Zeit hätte die Jugend mehr Möglichkeiten gehabt als heute, es gelte nur, sie auch zu erkennen und zu nutzen.

Exner, der die Rede Bouffiers „beeindruckend und eindrücklich“ nannte, rief in seinem Beitrag zu persönlichem Engagement auf. „Wir haben alle das gleiche Ziel, nämlich Dieburg liebenswert zu erhalten“, sagte er. Zugleich wandte er sich gegen Pöbeleien und Shitstorms in den sozialen Netzwerken, die derzeit vor allem durch gefälschte Nachrichten („Fake news“) auf sich aufmerksam machten. „Die Schimpfenden vergessen, dass Argumente nicht dadurch besser werden, in dem man Lügen verbreitet“, so Exner. Der politische und bürgerschaftliche Umgang in Dieburg setze auf Sachlichkeit und Gemeinsamkeit.

CDU-Generalsekretär Manfred Pentz nahm beim Neujahrsempfang auch Ehrungen und Auszeichnungen vor (siehe dazu Seite 3). „Alle haben mich mit der Nadel ans Revers gelassen“, scherzte er. „Das ist doch ein eindeutiger Vertrauensbeweis.“

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