Stadt will sich von Wirtin trennen

Ärger um Ekel-Haxe: Was wird aus dem Dieburger Schlossgartenfest?

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Neben Maden in einer Haxe hatten auch die langen Schlangen an Essens- und Getränkeständen für Ärger gesorgt.

Dieburg - Lange Schlangen vor den Getränke- und Essensausgaben, warmes Bier und – als Höhepunkt – eine mit Maden verdorbene Haxe: Die Stadt Dieburg zieht Konsequenzen und will sich von der Wirtin des Schlossgartenfests, Ilona Böhm, trennen. Von Stefan Scharkopf  

„Wir können es nicht durchgehen lassen, wenn sich Festbesucher über die hygienischen Zustände beschweren“, sagt Bürgermeister Frank Haus, ergänzt aber: „Ursächlich für die Trennung ist der Vorfall nicht. “ Denn es geht auch um die Zukunft des Schlossgartenfests an sich: Seit einigen Jahren mehren sich die kritischen Stimmen zu dessen Gestaltung. „Wir sind zu dem Schluss gekommen, und da spreche ich sicher vielen Dieburgern aus dem Herzen, dass das Fest in seiner derzeitigen Konzeption keine Zukunft mehr hat. Gerade während des diesjährigen Fests sind viele Menschen auf mich zugekommen und haben sich nicht nur kritisch geäußert, sondern angeboten an einer Neuausrichtung unseres Schlossgartenfests konstruktiv mitgestalten zu wollen“, so Haus. Der Magistrat habe sich daher auf seinen Vorschlag hin einstimmig dafür ausgesprochen, den mit der Festwirtin bestehenden Vertrag zu beenden. Ende vergangener Woche gab es im Rathaus ein Gespräch mit Ilona Böhm und Stephan Blumenschein, bei der Gastronomie Hamel-Zelt zuständig für das Marketing.

Wie genau die Trennung aussehen soll, ist bislang noch unklar. Ilona Böhms Kontrakt läuft bis März 2020, sie könnte also das Fest 2019 noch mal ausrichten. Am Telefon sagte sie lediglich: „Ich habe einen gültigen Vertrag.“ Was das jetzt konkret für das nächste Jahr heiße, wollte sie auf Nachfrage nicht beantworten. Laut Haus soll die Entscheidung in zwei Wochen feststehen.

Stephan Blumenschein, der davon ausgegangen war, dass der Termin im Rathaus als Fest-Nachlese gedacht war, zeigte sich „entsetzt“ über das Verhalten der Stadt: „Uns wurde ein dreieinhalbzeiliger Aufhebungsvertrag vorgelegt, den wir hätten unterschreiben sollen. Wir müssen erst mal überlegen, wie die Exit-Modalitäten und die wirtschaftlichen Folgen für uns aussehen“, so Blumenschein.

Doch, wie gesagt, gehen die Überlegungen der Stadt zum Schlossgartenfest tiefer. „Von vielen Menschen wird das alljährlich im Juli stattfindende Fest inzwischen als beliebig und leblos wahrgenommen“, so Verwaltungschef Haus. Das früher von sieben großen Vereinen in einem turnusmäßigen Wechsel ausgerichtete und gestaltete Heimatfest habe seinen Charakter als Fest von Dieburgern für Dieburger und ihre Gäste zunehmend verloren. Dabei biete der Schlossgarten mit seinem großen Festplatz und dem idyllischen Ambiente ideale Voraussetzungen für ein besonderes Fest, das sich von anderen in der Region abhebt. Auch der Dieburger Stadtverordnetenversammlung sei es schon in den Haushaltsberatungen für das Jahr 2018 ein Anliegen gewesen, das Schlossgartenfest neu auszurichten.

Bestärkt habe die schnell erfolgte Beschlussfassung durch den Magistrat, dass insbesondere in diesem Jahr die unterschiedliche Auffassung zwischen der Stadt und der Festwirtin über die Qualität des Service und des Angebots „mehr als deutlich“ hervorgetreten sei. Ein prima Freitagabend mit einem guten Musikprogramm – auch von der Stadt forciert –, aber ein deutlicher Abfall an den Folgetagen. Beim gemeinsamen Gespräch habe das der Bürgermeister gegenüber der Festwirtin klar formuliert.

Bilder vom Schlossgartenfest in Dieburg

Zwar gibt es Unternehmen, die sich vorstellen können, das Schlossgartenfest zu schultern, doch die Statuten sehen vor, dass ein großes Zelt gestellt wird – über das wiederum die Interessenten nicht verfügen, sondern für teures Geld anmieten müssten. Doch hier gibt es schon mal Entwarnung: In der Frage des Zelts ist nichts in Stein gemeißelt“, sagt Haus.

Jetzt gehe es darum, kurzfristig ein deutliches Zeichen für einen Neuanfang des Schlossgartenfests zu setzen, um möglichst viele interessierte Mitstreiter, denen das Fest wirklich am Herzen liegt, für die Zukunft zu gewinnen. „Ich halte die getroffene Entscheidung zu einhundert Prozent für richtig. Dieburg hat ein besseres Fest verdient“, so Haus.

Quelle: op-online.de

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