Leben den Menschen und Gott gewidmet

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Vor 50 Jahren wurde Bruder Wolfgang zum Priester geweiht. 2002 kam er zum ersten Mal ins Dieburger Kloster.

Dieburg - Der Begriff „Philanthrop“, der aus der Antike kommt, bezeichnet jemand, der durch seine Menschenliebe auffällt. Auf Bruder Wolfgang aus dem Dieburger Kapuzinerkloster trifft die Bezeichnung „Freund der Menschen“ in besonderer Weise zu. Von Michael Just

„Franziskus war auch nie hinter dicken Klostermauern, weil er mit den Menschen zusammen sein wollte“, sagt der 79-Jährige, der am 26. Juli ein ganz besonderes Jubiläum begeht: Vor 50 Jahren wurde er in Münster/Westfalen zum Priester geweiht.

Bruder Wolfgang Drews, geboren in Bad Homburg, machte zuerst in Frankfurt eine Lehre zum Elektro- und Maschinenbauer. Dabei wurde ihm klar, dass er eines vermisst: Den Umgang mit Menschen. Das sollte und musste zukünftig der Kernpunkt seines Wirkens sein. Nach der Lehre folgte das Abitur in einer Klosterschule in Bensheim, ein einjähriges Noviziat in Stühlingen sowie ein Philosophie- und Theologiestudium in Krefeld und Münster. Weitere Lebensstationen waren unter anderem in Deggingen, Ottersweiher, Werne, Bühl und Frankfurt, wo der Kapuziner Aufgaben als Pfarrer, Wallfahrtsseelsorger oder als Klostervorsteher (Guardian) übernahm. Dazu saß er im Definitorium, in dem die Ordensleitung über die Verteilung der Kapuziner auf die Klöster entscheidet.

Seit 2002 ist er mit einer kurzen Unterbrechung in Dieburg. „Ich bin oft gewandert. Das war aber nie ein Problem, da ich - wo auch immer - auf die Menschen zugehe“, sagt der Mönch. Mit die schönste Zeit hat er in Stühlingen verbracht, wo man damals das Haus nicht nur in den Sommerferien für Jugendliche öffnete, um das Klosterleben vorzustellen. Zum Teil waren 70 bis 80 Personen zu Gast. „Mit Jugendlichen kann man Gottesdienste anders feiern: Wir haben manchmal die halbe Nacht durchgemacht und moderne Lieder gesungen“, fällt der Blick zurück.

Die Gemeinschaft ist Bruder Wolfgang im Kloster ein wichtiges Anliegen, der spirituelle Einkehrer, der die Abgeschiedenheit sucht, war er nie. So fühlt er sich in Dieburg wohl, da die Mönche von der Stadt als auch von außerhalb großen Zuspruch erfahren. Jüngst führte er über 100 Besucher durch den Klostergarten, die sich für dessen aktuelle Umgestaltung interessieren.

Heute ist Bruder Wolfgang der älteste Mönch in Dieburg und mit seinem pragmatischen Charakter stets für andere da, wenn Hilfe gebraucht wird. Den Gang ins Kloster hat er nie bereut oder sich eingeengt gefühlt: „Ich hätte draußen nie so frei sein können wie hier. Der Raum im Kloster, für Menschen und für Gott da zu sein, gab mir ein freies und erfülltes Leben.“

Das goldene Priesterjubiläum von Bruder Wolfgang Drews wird am morgigen Sonntag um 10 Uhr mit einem Dankgottesdienst im Kloster begangen. Auch während der Kapuzinerkerb (siehe Kasten) gibt es Gelegenheit, dem Jubilar zu gratulieren.

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