Neue Rampe bei Hörgeräte Bonsel / Altes Exemplar am helllichten Tag zerstört

„Lego-Oma“ schafft flugs Ersatz

In kürzester Zeit stellte Rita Ebel (links) eine neue Lego-Rampe für Dieburg her. Michelle Spieß holte das Exemplar bei ihr in Hanau ab. Die alte Lego-Rampe wurde mutwillig zerstört. Unweit der Steinstraße wurden die Bruchstücke entdeckt.
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In kürzester Zeit stellte Rita Ebel (links) eine neue Lego-Rampe für Dieburg her. Michelle Spieß holte das Exemplar bei ihr in Hanau ab. Die alte Lego-Rampe wurde mutwillig zerstört. Unweit der Steinstraße wurden die Bruchstücke entdeckt.

Dieburg – „Wer macht so was?“ Diese Frage kommt bei Michelle Spieß und Salomé Diehl immer noch auf, wenn sie drei Wochen zurückdenken. Am 26. März mussten die Mitarbeiterinnen von Hörgeräte Bonsel in der Steinstraße feststellen, dass die Lego-Rampe, die Rollstuhlfahrern über die Schwelle der Eingangstür hilft, verschwunden ist. Wenig später wurde sie zerstört unweit des Geschäfts gefunden.

Der mit Vandalismus gepaarte Diebstahl geschah am helllichten Tag bei laufendem Betrieb. „Er hätte gar nicht nachts passieren können, da wir die Rampe jeden Abend reinholen“, erläutert Spieß. Diese Vorsichtsmaßnahme half an jenem Freitagmorgen wenig: Als die beiden Hörgeräteakustikerinnen zwischen 11.15 und 12.30 Uhr gerade in den Kundenkabinen beschäftigt waren, trug jemand das etwa vier Kilo schwere Stück weg und zerstörte es in einer Seitenstraße. Neben den Bruchstücken lag ein Nagelknipser, mit dem versucht wurde, Legostücke herauszuhebeln. Als dies nicht gelang, dürfte der Dieb vermutlich aus Zorn die Rampe aufgeworfen haben. Einzelne Steine zu entfernen ist schon deshalb sinnlos, da sämtliche Teile mit einem harten Baukleber für die Festigkeit der Konstruktion zusammengefügt sind. Schließlich soll ein Rollstuhlfahrer problemlos drüberfahren können. Die gute Verklebung macht nun auch eine Reparatur unmöglich.

Die Rampe löste durch ihre außergewöhnliche Idee im vergangenen Jahr Aufsehen aus: Alte Legosteine, die in Kellern und Dachböden niemand mehr braucht, sorgen durch geniale Wiederverwendung für Barrierefreiheit. Die Eingebung dazu hatte Rentnerin Rita Ebel aus Hanau. Hörgeräte Bonsel erhielt im September von ihr das erste Exemplar für Dieburg. Mittlerweile entstanden von der selbsternannten „Lego-Oma“ 49 Rampen. Selbst in England, Spanien und Frankreich sind dank ihres großen Engagements bereits welche zu finden. Nach dem Vorfall in Dieburg erstattete Michelle Spieß Anzeige bei der Polizei. Auch wenn die Vorrichtungen vor allem aus alten und ausrangierten Legosteinen bestehen, besitzen sie dennoch einen dreistelligen Warenwert. Dafür sorgen etwa die Bodenplatte oder die große Menge an verwendeten Kleber-Kartuschen.

Als Rita Ebel von der Zerstörung erfuhr, reagierte sie auf recht überraschende Art und Weise: Innerhalb von vier Tagen baute sie über Ostern eine neue Rampe für das Hörgeräte-Geschäft. Dafür bekam sie von Michelle Spieß bei der Abholung in Hanau einen Blumenstrauß überreicht. Wie alle anderen ist auch die neue Ausfertigung kostenlos, da das gesamte Projekt, sowohl was die Legosteine als auch die benötigten Arbeitsmittel angeht, nur über Spenden läuft. Rita Ebel, die selbst im Rollstuhl sitzt, möchte nichts daran verdienen. Ihr geht es einzig und alleine darum, auf die Bedürfnisse von Menschen mit Handicap aufmerksam zu machen. „Durch die Gemeinnützigkeit und die Freude, die die Rampen bereits an vielen Orten ausgelöst haben, tut die erlebte Zerstörungswut in der Seele weh“, so Michelle Spieß. Sie hofft, dass der Verursacher vielleicht zur Einsicht kommt, dass er Mist gebaut hat. Für die Hörgeräteakustikerin ist es nicht vorrangig, dass der Übeltäter eine Strafe zahlt: „Viel besser wäre es, mal an einer Rampe mitzubauen“, sagt sie. Ihre Worte sind mit der Hoffnung verbunden, dass sich so etwas, auch mit Blick auf die anderen Dieburger Geschäfte, die eine solche Rampe an der Eingangstür liegen haben, keinesfalls wiederholt.

(Michael Just)

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