Mit Leib und Seele dabei

SERIE: „Menschen, die bewegen“

Dieburg - Im Alltag begegnen uns immer wieder Menschen, die im Gedächtnis bleiben, die bemerkenswert sind. Von Stephanie Stiefler

Dabei geht es nicht um Aussehen, Alter, Herkunft, sondern darum, dass diese Personen besonders herzlich sind, sich engagieren, ohne dafür ein Lob zu erwarten, die einfach im positiven Sinne auffallen. In dieser Serie stellt der DA in loser Folge Menschen vor, die andere bewegen.

Günter Renn? Wer ist Günter Renn? Sicher kann nicht jeder in Dieburg diese Frage beantworten. Aber wer in den letzten 47 Jahren die Gutenberg- oder die Anne-Frank-Schule besucht hat, kennt ihn. Denn dort ist er seit 1976 Hausmeister – und das mit Leib und Seele.

Aus zwei Schulen wurden drei

Mit großer Umsicht und viel Elan kümmert sich der gelernte Installateur um alles, was so anfällt im Rahmen der Aufgaben eines Hausmeisters zweier Schulen. Genau genommen sind es sogar drei Schulen, für die er zuständig ist, denn die nagelneue Gutenbergschule auf der Leer gehört seit Januar 2012 auch zu seinem Aufgabenbereich.

Und was ist das Besondere an ihm? Egal, wem man diese Frage stellt, seien es Kollegen, Lehrer, Eltern, Schüler der Gutenberg- oder der Anne-Frank-Schule, jeder lobt ihn in den höchsten Tönen.

So auch Ingrid Spiehl, die Leiterin der Anne-Frank-Schule. Sie erzählt: „Er ist unermüdlich, hilfsbereit zu jeder Zeit, absolut zuverlässig, dabei humorvoll und schon immer hier an der Schule - gefühlte 100 Jahre.“

Auch die Leiterin der Gutenbergschule, Silke Werner-Lehr, ist von Günter Renn begeistert: „Er ist Hausmeister und mehr. Das ,mehr’ kann man kaum mit Worten beschreiben“, sagt sie lachend und fügt bedauernd hinzu: „Er wird uns fehlen - an allen Ecken und Enden“.

Eine Institution auf zwei Beinen wird bald fehlen? Ja, denn Ende des Jahres wird der Hausmeister in den Ruhestand geschickt, weil er die Altersgrenze erreicht. „Gerne würde ich noch zwei Jahre weitermachen, aber das geht im Öffentlichen Dienst leider nicht“, bedauert der sympathische Dieburger.

„Ich brauche keine Hobbys“

Nicht nur daran erkennt man, wie sehr er in seiner Arbeit aufgeht. „In 51 Jahren Berufstätigkeit war ich nur fünf Wochen krank. Und meinen Urlaub lege ich immer in die Ferienzeit - damit ich da bin, wenn die Schule losgeht“, sagt der 64-Jährige strahlend, der gut als Mitfünfziger durchgehen würde.

Hobbys hat er keine. „Brauche ich auch nicht“, sagt er bestimmt. „Mit meiner Arbeit und den Veranstaltungen, die in den Schulen oder in der Halle der Gutenbergschule auch außerhalb der Unterrichtszeiten stattfinden, bin ich gut ausgelastet. Gerade in der Gutenberghalle ist am Wochenende oft etwas los, wie beispielsweise Sportveranstaltungen oder Partys.“ Das macht ihm nichts aus, vielmehr stellt er sein Wissen und seine Arbeitskraft gerne zur Verfügung, auch außerhalb seiner Arbeitszeit.

Häufig hilft seine Frau Rosel mit, natürlich unentgeltlich. „Das macht sie schon immer“, erzählt Renn. „Wir wohnen ja hier auf dem Schulgelände in einer Dienstwohnung, also gleich nebenan. Für uns ist es selbstverständlich, dass wir helfen, wo wir gebraucht werden. Und Überstunden schreibe ich sowie so nie auf“, sagt er ganz selbstverständlich..

Günter Renn macht es offensichtlich Freude, mit Menschen zu tun zu haben. Besonders die Kinder halten ihn jung. Etliche Jahrgänge hat er kommen und gehen sehen. Nicht selten trifft er Eltern, die den Hausmeister noch aus ihrer eigenen Grundschulzeit kennen und schätzen.

Früher wie heute kann er sehr gut mit den Schülern umgehen. „Er hat einen guten Draht zu ihnen, macht viel Spaß, kann aber auch mal klare Worte sagen“, beschreibt Ingrid Spiehl seine „sozialen Kompetenzen“, wie man heute so sagt.

Nicht umsonst hat der beliebte Hausmeister schon Dankesbriefchen von scheidenden Viertklässlern bekommen. „Er versteckt zu Ostern Eier und zu Nikolaus Süßigkeiten“, freut sich eine Schülerin. „Und wenn man Herrn Renn helfen darf, bekommt man eine Fanta oder kann mit ihm im Aufzug fahren. Er ist einfach super nett!“

Günter Renn ist eine Institution

Nun geht Günter Renn zum Jahresende in den Ruhestand. Schüler und Lehrer sehen dem Termin mit gemischten Gefühlen entgegen. Er wird eine Riesenlücke hinterlassen – er ist eben mehr als ein Hausmeister, er ist eine Institution.

‹ Wenn auch Sie Menschen kennen, die bewegen, rufen Sie uns in der DA-Redaktion an oder schreiben Sie uns: s  06071 8279450, E-Mail: red.dieburg@da-imnetz.de.

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