WenDo-Kurs für Frauen zum bundesweiten Aktionstag „Soziale Kompetenzen“

Lernen, eigene Grenzen klar zu ziehen

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Drei Teilnehmerinnen des WenDo Angebotes.

Dieburg (ves) ‐ „Es war ganz schrecklich für mich“, erklärt eine Teilnehmerin schaudernd. „Meine Erlebnisse sind noch nicht lange her und ich habe diese Dinge noch nicht verarbeitet.

Es war viel zu früh, so eine Konfrontation zu erleben, ich hatte Angst und wollte nur raus“. Eine andere Teilnehmerin wiederum sah die Veranstaltung sehr positiv. „Ich hatte keine Schwierigkeiten, mich in die Rolle hineinzuversetzen, allerdings bin auch bereits seit fünf Jahren in Therapie“, berichtet die 50-Jährige.

Zum bundesweiten Aktionstag „Soziale Kompetenzen“ bot das Frauenwohnheim Notwaende in Kooperation mit der Beratungsstelle des Frauenhauses Darmstadt-Dieburg jetzt ein WenDo-Angebot für Frauen an. Kursleiterin und WenDo Trainerin Brigitte Sterner vom Verein Frauen Offensiv aus Darmstadt leitete die Gruppe.

Es wurde nach Absprache mit den acht teilnehmenden Frauen Alltags- und Gewaltsituationen durchgespielt. Als Rollenspiel wurde eine typische „Anmach-Situation“ in der Discothek gewählt, bei der sich die Frauen dem „Mann“ gegenüber behaupten und durchsetzen sollten. Auch körperliche Übergriffe und wie man sich dagegen schützen kann, waren Thema dieses Rollenspiels.

„Wichtig in diesem Kurs war es, dass die Frauen wieder spüren, wo ihre inneren Grenzen sind und diese klar ziehen, um damit das Näherkommen zu verhindern“, erklärt Sozialpädagogin Lioba Wunderle von Frauen helfen Frauen. „Sie sollen ihr Selbstwertgefühl zurückgewinnen“. „Diese Rollenspiele konfrontieren die Frauen auf spielerische Art mit ihren Ängsten und Erfahrungen“, weiß auch Sozialpädagogin Katja Wolf.

Häusliche Gewalt geschieht gerade in jenem Bereich, in dem eigentlich Sicherheit und Geborgenheit gegeben sein sollen. In rund 80 Prozent der Fälle wird diese Gewalt von Männern ausgeübt. Schätzungen zufolge wird etwa jede dritte bis fünfte Frau Opfer häuslicher Gewalt. Dabei umfasst häusliche Gewalt verbale Beeinträchtigungen wie Bedrohungen, Erniedrigungen und Beleidigungen als auch körperliche Gewalt jeder Art und Intensität, wie zum Beispiel Schläge, sexuelle Gewalt oder Vergewaltigung.

Häusliche Gewalt tritt in allen sozialen Schichten auf, vollkommen unabhängig von Bildungsgrad oder Einkommensverhältnissen. Um den Opfern häuslicher Gewalt wieder ein normales Leben zu ermöglichen, ist zum 1. Januar 2002 das Gewaltschutzgesetz (GewSchG) in Kraft getreten. Dieses Gesetz bietet den Opfern die Möglichkeit, gegen ihre Peiniger vorzugehen.

Frauen helfen Frauen ist eine Beratungsstelle, die Betreuung, Beratung und Unterstützung bei physischer, psychischer und sexualisierter Gewalt gegen Frauen bietet. Zu dem Betreuungsangebot und der Beratung betreibt der Verein das anonyme Frauenhaus, in dem bis zu 22 Frauen mit ihren Kindern in Fällen von häuslicher Gewalt Zuflucht und Unterstützung finden.

Die Beratungsstelle befindet sich in Dieburg in der Altstadt 29 und bietet Betroffenen neben anonymen und kostenlosen Beratungen auch längerfristige Betreuung, Stabilisierung, Prävention, Orientierung, Intervention und Aufarbeitung der Situationen an.

Die Veranstaltung des Aktionstages wurde erstmals in Kooperation mit dem Frauenwohnheim Notwaende durchgeführt. „Ein großer Bestandteil unseres Angebotes und unserer Arbeit ist die Kooperation mit anderen Fraueneinrichtungen und deren Klientel“, erklärt Einrichtungsleiterin Dorothea Köhler.

„Es ist wichtig, dass wir ein großes und funktionierendes Netzwerk im Landkreis haben“, so Köhler. Der Verein Notwaende unterhält ein Frauenwohnheim mit elf stationären Plätzen für Frauen mit ihren Kindern. „Das Wohnheim kann auch als Übergangswohnheim für Wohnungslose bis zu einem Jahr genutzt werden“, so Köhler.

„Wir entwickeln mit den Betroffenen neue Perspektiven. Ebenso ist nach dem Wechsel in eine eigene Wohnung eine befristete ambulante Nachbetreuung möglich“.

Kontakt: Beratungsstelle Frauen helfen Frauen, Altstadt 29, Dieburg, z 06071/33033; Frauenwohnheim Notwaende, Spitalstraße 33a, Dieburg, z 06071/61750.

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