Waldklassenzimmer eingerichtet

Lernen unter Baumwipfeln

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In Dieburg ist Schulunterricht fortan in einem neuen Waldklassenzimmer möglich. Das Angebot hat das Dieburger Forstamt geschaffen. Die Eule steht als Symbol für Weisheit.

Dieburg - Junge Menschen sollen sich stärker für Natur interessieren und Zusammenhänge in Fauna und Flora besser verstehen lernen. Dazu soll das neue Waldklassenzimmer beitragen. Von Michael Just 

Das Dieburger Forstamt hat die Einrichtung zusammen mit dem Museum Bioversum (Kranichstein) als Partner verwirklicht. Es sind Sätze, die Förster Peter Sturm regelmäßig überraschen: „Immer wieder sagen Kinder zu mir, dass sie noch nie im Wald waren.“ Die Kids stammen laut dem Dieburger Revierleiter aus Familien, deren Leben – egal ob Schule, Arbeit, Spazierengehen oder Sport – sich nur in der Stadt abspielt. Für den Mann von Hessen Forst ist das nicht ganz nachvollziehbar, denn die Nutzungsmöglichkeiten des Waldes sind vielfältig. Hinzu kommt dessen ökologische Bedeutung, die im virtuellen Computer- und Handyzeitalter allerdings oft verkannt wird.

Da braucht es Ideen, wie sie das Forstamt Dieburg hat: Ab sofort ist Schule in einem neuen „Waldklassenzimmer“ möglich. Unter hohen Baumwipfeln und auf raschelndem Blätterboden wurden im Dieburger Stadtwald Sitze und ein Lehrerpult eingerichtet. Das Angebot steht allen Klassen, unabhängig von Schulform und Alter, offen. „Wir hoffen, dass sich möglichst viele Lehrer von den Dieburger Schulen als auch aus der Umgebung dafür entscheiden, hier mal Unterricht zu halten“, sagt Sturm. Das müsse nicht unbedingt Biologie sein. Einstellen muss man sich lediglich darauf, dass es keine Tafel sowie Tische gibt. Dafür kreuzt mit Glück vielleicht ein Hirschkäfer den Weg oder ein Eichhörnchen wirft einen neugierigen Blick auf die ungewohnten Gäste.

Das Waldklassenzimmer ist nicht nur von Natur umgeben, es besteht auch zu 100 Prozent aus dieser. Der Pult des Lehrers wurde aus einem großen, abgesägten Baumstamm gemacht,

die 24 Stühle und 13 Hocker für die Schüler erweisen sich gleichen Ursprungs. „Hier hatten wir die Hilfe von Michael Gomersky, einem Motorsägenkünstler, der mehrere Sitze mit Rückenlehne geschaffen hat“, erklärt Sturm. Was der Werkstoff Holz alles hergibt, verraten die Eule und eine Wildschweinrotte, die beide einen Blickfang darstellen. Die Eule steht als Sinnbild für Weisheit, die Frischlinge für Neugierde. „Bekanntermaßen wühlen Frischlinge gerne und stecken ihre Nase überall rein. Das sollen Schüler ja auch“, hebt der Förster heraus. Diese Allegorien waren den Verantwortlichen im Forstamt besonders wichtig.

Zu erreichen ist der ungewöhnliche Schulsaal über den Herrenweg: Gleich hinter den Spargelfeldern liegt er rund 100 Schritte abseits der Strecke zur Moret im Wald. Bisher scheint er einzigartig. „Ich habe etwas Ähnliches noch nicht gesehen“, sagt Sturm. Die Idee kam beim Dieburger Forstamt in Zusammenhang mit dem Messeler Hügelland auf und wurde mit dem Museum Bioversum (Kranichstein) als Partner verwirklicht. Das Naturschutzprojekt Messeler Hügelland zielt, neben der Förderung der Artenvielfalt, auf die Umweltbildung ab. Menschen sollen sich stärker für Natur interessieren und Kinder an praktischen Beispielen Feld und Wald, Tier- und Pflanzenwelt besser kennenlernen.

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Das Waldklassenzimmer lässt sich kostenfrei über die Homepage des Dieburger Forstamtes reservieren. Auch eine Kombi mit einer Waldführung ist möglich. Nicht nur wegen jener Schüler, die noch nie im Wald waren, will Sturm eine möglichst enge Bindung zur Natur schaffen. Denn: je früher die Sensibilisierung, je besser meist das spätere Umweltschutzverhalten. Auch bei der Lindenallee, die seit 2008 auf dem Aufweg zur Moret mit jährlicher Erweiterung entsteht, holen Forstamt und Odenwaldklub so oft wie möglich Schulklassen oder Vereine hinzu. Dann darf jeder Schüler sein eigenes Bäumchen im bereits ausgehobenen Loch in die Erde bringen.

Bei der Nutzung des Waldklassenzimmers lässt sich auf Wunsch mit einem Förster ebenfalls symbolträchtig ein junger Baum pflanzen. „Auf einer nahen Lichtung ist genügend Platz. Der reicht für mindestens 50 Schulklassen“, ist sich der Revierleiter sicher.

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