Letzte Augen-OP am Rochus

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Eine Flasche Sekt für die Patientin, ein letztes Gruppenbild – die Augenklinik um Dr. Dietmar Redelin (vorne, links) und Dr. Klaus Müller (ganz hinten) verabschiedet sich vom Rochus und zieht an die Zentturmstraße um.

Wieder stirbt ein Stück vom St. Rochus Krankenhaus in Dieburg. In der seit mehr als 25 Jahren bestehenden Augenklinik hat Dr. Redelin im dortigen alten OP-Saal die letzte Staroperation erledigt.

Dieburg – Eine Flasche Sekt für die letzte Patientin nach gelungener OP, eine kleine Feier und ein Abschiedsfoto mit den Mitarbeitern und Ärzten – ein weiterer Kehraus am Rochus.

Dr. med. Dietmar Redelin gründete die Augenklinik am St. Rochus Krankenhaus im Januar 1994. Zwei Jahre später kam Dr. med. Klaus Müller dazu. Beide kannten sich aus der Augenklinik in Darmstadt-Eberstadt, wo sie davor als Oberärzte tätig waren. In den vielen Jahren danach ist das Ärzteteam auf bis heute neun Kollegen angewachsen, auch mit einer Zweigstelle in Babenhausen. Inzwischen arbeitet mit Dr. med. Eva Redelin schon die zweite Generation in Dieburg. Seither wurden am St. Rochus Krankenhaus mehr als 60 000 Staroperationen durchgeführt. Die Patienten kommen dabei vor allem auch aus den angrenzenden Gemeinden und Landkreisen.

Aber nun ist Schluss. Inzwischen hat die Investorengruppe Biskupek Scheinert Moog an der Zentturmstraße 16 in Dieburg einen Neubau entstehen lassen, in den nun erstmals Praxisbetrieb und OP der Augenklinik Dieburg in einer Immobilie auf mehr als 600 Quadratmeter Fläche vereint sind.

Diese Woche wird umgezogen und nächsten Dienstag startet der Betrieb in den dann hochmodern eingerichteten neuen Räumlichkeiten. Insgesamt wurden in den Innenausbau, die neuen Geräte und Möbel über 2 Millionen Euro privat investiert, wie Dr. Redelin mitteilt. Mit sieben Untersuchungsplätzen ist dann in Zukunft ebenfalls die nichtoperative Versorgung der Patienten im Raum Dieburg gesichert, auch wenn die noch ältere Augenarztpraxis Dr. Wallenborn am Dieburger Markt aus Altersgründen zum Ende März endgültig schließt.

„Nach dem Auszug aus dem Rochus sind dort nur noch einige Chirurgen tätig, die aber wahrscheinlich bald zum Operieren ebenfalls in andere Räume umziehen müssen. Jedenfalls endet dort in absehbarer Zukunft erst einmal die medizinische Versorgung, was wir insgesamt sehr bedauern“, so Redelin. „Über Jahre hatten wir mit mehreren Verantwortlichen für das Rochus über bauliche Verbesserungen für die Augenklinik beraten, teilweise waren schon Pläne durch Architekten baureif ausgearbeitet worden. Letztlich leider wie bekannt ohne Erfolg, obwohl die Augenabteilung für das Krankenhaus kein Defizit sondern positive Einkünfte generierte.“

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Auf eine mögliche Wiederbelebung der medizinischen Versorgung auf dem Rochus- Gelände kann die Augenklinik mit ihrem Praxis- und OP-Betrieb natürlich nicht warten. „Nach meiner Einschätzung wird es sicher mindestens zehn Jahre brauchen, bis dort nach Eigentümerwechsel, Konzeptentwicklung, Investorensuche, Entscheidungsfindung in den städtischen Gremien, Nutzersuche und mehrjähriger Bauphase (Tiefgarage?) dann wieder vielleicht ein medizinisches Pflänzlein blüht“, äußert sich Redelin – dann ist er 70 Jahre alt und wahrscheinlich schon im Ruhestand. (st)

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