Letzte Hürde zum Gesellenbrief

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Dockingstation: Lehrling Magnus Resch präsentiert ein Eingangsmöbel, das nicht nur als Ablage, sondern auch als Aufladestation für Handys dient.

Dieburg - An ihren Gesellenstücken hatten die Tischler-Lehrlinge der Landrat-Gruber-Schule 100 Stunden gehobelt, gefeilt und gezimmert. Um die letzte Hürde vor dem Gesellenbrief zu nehmen, stellten sie das Ergebnis letzte Woche dem Prüfungsauschuss vor. Von Fabian Sell

Bei der Gestaltung ihrer Arbeiten hatten die Lehrlinge größtenteils freie Hand. Dies zeigte auch die Vielfalt der neun Gesellenstücke, die von der Nachtkommode, über einen Schreibtischaufsatz bis hin zu einem schwarzgrünem Schreibtisch reichte.

Lehrling Magnus Resch war dabei der einzige, der sein Gesellenstück an die Steckdose anschloss. „Ich dachte mir, einfach kann jeder und ein bisschen Herausforderung brauche ich schon“, verriet Resch über „sein Möbelstück für den Eingangsbereich mit Dockingstation.“

Am Anfang habe er einfach nur etwas Kleines bauen wollen, um Kleinigkeiten ablegen zu können. Dazu bietet sein hoch angelegtes Möbel auch zwei Schubfächer. Später baute er jedoch noch eine Ladestation für Handys ein.

Mit der Zeit gehen

Als Resch sein Gesellenstück den Prüfern vorstellte, steckte insofern auch ein Handy in der kleinen Öffnung der Filzablage. Mit Strom umzugehen ist für Magnus Resch selbstverständlich. „Man muss mit der Zeit gehen“, sagt der 19-jährige, der nach seiner Lehre den Meister anstrebt. Sein Gesellenstück jedenfalls habe er problemlos in der 100-stündigen Zeitvorgabe bauen können.

Allerdings bestand die Arbeit an den Gesellenstücken nicht nur aus der Praxis: „Seit Weihnachten wurde an Ideen und Entwürfen gearbeitet“, erklärte Klassenlehrer Thorsten Setzer. Auch eine theoretische Prüfung sowie eine „Handarbeitsprobe“ ist bereits geschafft: „Bei der Handarbeitsprobe müssen die Lehrlinge ein vorgegebenes Stück in acht Stunden bauen. Dieses Jahr war es ein Arzneischrank“, sagte Setzer.

Letzten Tischler-Gesellen der Landrat-Gruber-Schule

Die Gesellenstücke wiederum bewerteten die Prüfer der Tischlerinnung Dieburg nach bestimmten Kriterien wie Maß, Ausführung oder Oberfläche. Gleichwohl die Ergebnisse während der Präsentation noch nicht bekannt gegeben wurden, zeigte sich Klassenlehrer Thorsten Setzer zuversichtlich, dass alle bestehen. Seine Einschätzung bestätigte sich dann in der folgenden Woche.

Die neun Absolventen, die Setzer nun verabschiedet, sind im Übrigen die letzten Tischler-Gesellen der Landrat-Gruber-Schule. Alle zukünftigen Lehrlinge aus Dieburg und Umgebung werden die Peter-Behrens-Schule in Darmstadt besuchen. Der Grund dafür ist eine Vorgabe des Kultusministeriums, wie Schulleiter Thomas Reinholz auf Nachfrage unserer Zeitung erklärte. 15 Schüler müssten mindestens in einer Klasse sein, damit die Schule die notwendigen Lehrkräfte bewilligt bekomme. „Wir hätten gerne weiter ausgebildet“, sagte Reinholz. „Doch in den letzten Jahren wurde weniger ausgebildet in Dieburg und Umgebung.“ Daher sei es letztlich nicht mehr möglich gewesen, die erforderliche Klassengröße der Tischler einzuhalten.

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