Der LGS-Lotse geht von Bord

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Dieter Staudt mit dem Modell der LGS: Der rechte Zeigefinger liegt auf dem jüngsten, dem „grünen“ Gebäude.

Dieburg (eha) ‐ Zehn Jahre war er Leiter der Landrat-Gruber-Schule, des beruflichen Schulzentrums des Landkreises in Dieburg. Nun geht er zum 31. Juli mit einem lachenden, aber auch einem weinenden Auge, elf Tage vor seinem 66. Geburtstag. Am 22. Juni wird er offiziell verabschiedet. „Ich war und bin ein leidenschaftlicher Schulleiter. Insofern fällt mir der Abschied nicht leicht“, sagt Staudt.

Es waren ereignisreiche Jahre. Zwei Gebäude wurden grundsaniert, ein neues Gebäude geplant und gebaut. Die Fassade des Hauptgebäudes und der Naturwissenschaftstrakt wurden erneuert und derzeit beginnt die Grundsanierung des Atriumgebäudes, in dem künftig neue pädagogische Konzepte des selbstorganisierten und selbst gesteuerten Lernens ermöglicht werden.

Überall sieht man die Spuren des Schulleiters, der sich als gelernter Architekt stets in die räumliche und ästhetische Gestaltung der Schule einmischte. „Der Raum ist der dritte Pädagoge“, weiß Staudt aus jahrzehntelanger Erfahrung zu berichten. „In angenehmen und möglichst auch mit den Schülern gestalteten Räumen gelingt Lernen besser und effektiver.“

Regionales Kompetenzzentrum für „grüne Berufe“

Neben den vielen räumlichen Verbesserungen gelang es Staudt aber auch, zusammen mit einem engagierten Kollegium die LGS in der Region zu einem geachteten beruflichen Schulzentrum für Aus- und Weiterbildung sowie Studienqualifizierung zu entwickeln. Sowohl die dualen als auch die vollschulischen Ausbildungen werden hoch geschätzt. Die studienqualifizierenden Bildungsgänge Berufliches Gymnasium und Fachoberschule sind inzwischen so nachgefragt, dass Bewerber abgewiesen werden müssen.

Die LGS kümmert sich auf der anderen Seite engagiert um benachteiligte Jugendliche in den Bildungsgängen zur Berufsvorbereitung. Nicht zuletzt ist die Erzieherausbildung attraktiv über die regionalen Grenzen hinaus.

Letztendlich ist die LGS durch die Übernahme der grünen Berufe aus ganz Südhessen (rund 300 Auszubildende - Gärtner, Floristen und Landwirte) und den vom Landkreis dafür eigens errichteten, über drei Millionen Euro teuren Neubau mit vorbildlichen Theorie- und Praxisräumen und entsprechenden Außenanlagen zu einem regionalen Kompetenzzentrum für den grünen Bereich geworden. „Darauf“, so Staudt, „bin ich besonders stolz, denn es war ein steiniger Weg gegen viele Widerstände, die Übersiedlung eines ganzen Berufsfeldes von Darmstadt in eine ländliche Region hinzubekommen.“

„Nichts tun“ kommt für Staudt nicht in Frage

Staudt absolvierte nach der Mittleren Reife eine Maurerlehre und nahm nach einer vierjährigen Bundeswehrzeit 1969 das Studium an der damaligen Ingenieurschule Darmstadt im Fachbereich Architektur auf. Er arbeitete daran mit, aus der Ingenieurschule eine Fachhochschule zu machen, was 1971 schließlich auch gelang. In dieser Zeit heiratete er seine Frau Helga, mit der er eine Tochter und einen Sohn bekam.

Nach dem Architekturstudium begann Dieter Staudt ein Aufbaustudium für das Lehramt an beruflichen Schulen mit dem Berufsfeld Bautechnik und dem Unterrichtsfach Politik an der Technischen Universität in Darmstadt, das er 1975 abschloss. Im Anschluss an das Referendariat wurde Staudt 1977 an den Beruflichen Schulen in Groß-Gerau als Berufsschullehrer für die Bauberufe eingestellt. Neben seiner Arbeit als Pädagoge engagierte er sich aber auch von Anfang an in der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und im Personalrat.

Was macht nun ein solch engagierter und in seiner Arbeit bisher aufgehender Mensch in seinem Ruhestand? „Nichts tun geht überhaupt nicht“, ist Staudts Antwort. Mehr Zeit für die oftmals vernachlässigte Familie zu haben, ist ihm besonders wichtig.

Außerdem ist da ein kleiner Beratervertrag beim von ihm mit aufgebauten Hessencampus Darmstadt-Dieburg. Zudem wird sein Lehrauftrag in der Lehrerausbildung an der TU Darmstadt leicht erweitert fortgeführt. Haus und Garten bieten außerdem vielfältige Arbeitsgelegenheiten und schließlich sollen die zu kurz gekommenen sportlichen Aktivitäten mehr Raum erhalten.

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