Planspiel WIWAG: Wie führt man ein Unternehmen?

LGS-Schüler simulieren Aktiengesellschaft

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Ein Teil des LGS-Trupps, der mit WIWAG die Führung eines Unternehmens simulierte (v. l.): Lisa Marie Enters, Mira Blüm, Sophie Muther und Sven Müller. Hinten stehend Schulleiter Thomas Reinholz (links) und Lehrer Jürgen Weiss.

Dieburg (jd) ‐  Ein Gutteil aller Firmenneugründungen geht inzwischen auf das Konto von Franchise-Nehmern. Franchising? Genau: das Verwenden eines bereits bestehenden Geschäftskonzepts gegen Entgelt. Edeka-Märkte, die teils von selbstständigen Kaufleuten geführt werden, sind sein Beispiel dafür.

Nur blöd, dass das Thema selbst auf den Wirtschafts-Zweigen von Gymnasialen Oberstufen normalerweise keine Rolle spielt. „Die Rahmenlehrpläne hinken der Realität hinterher“, sagt Jürgen Weiss, Lehrer an der Landrat-Gruber-Schule (LGS). Eben dem steuern Weiss und seine Kollegen durch die Teilnahme am Wirtschafts-Planspiel WIWAG zumindest ein bisschen entgegen. In diesem Jahr waren es 52 Schüler der Gruber-Bildungsanstalt, die die Wirtschaftssimulation eine Woche lang in Ernsthofen durchführten. Betreut wurden sie einerseits von den Lehrern Jürgen Weiss, Frank Wilhelm, Arne Raab, Herrmann Koenen, Oliver Lüdicke und Bettina Nick, andererseits von Klaus Schulte, Spezialist für Präsentationstechnik.

Die Aufgabe für die LGSler, die sich in fünf Gruppen aufteilten: ein Unternehmen führen, das sich im elften Geschäftsjahr befindet und niedrigpreisige Kaffeeautomaten produziert. Durchzudenken mit allem, was dazu gehört: Marketing mit den zugehörigen Säulen Preis-, Produkt-, Distributions- und Kommunikationspolitik, aber auch das Berücksichtigen der Tatsache, dass das Unternehmen börsennotiert ist. Konkrete Überlegungen etwa zu Rentabilität und Herstellkosten geben den Schülern bei WIWAG ein Gespür dafür, dass unternehmerischer Erfolg von mehr abhängt als von bloßer Kosten-Leistungs-Rechnung. Das Planspiel sensibilisiert zudem für Aspekte wie Mitarbeiterqualifizierung, aber auch den Soft Skills wie dem Teamwork. Gerade das habe sie sich „nicht so stressig“ vorgestellt, meinte mit Lisa Marie Enters eine beteiligte Schülerin der LGS im Gespräch mit dem DA.

Eigenständigkeit und Teamfähigkeit

Hinzu - darauf legten Weiss und seine Kollegen Wert - kamen zu berücksichtigende Punkte, die Oberstufenschüler zunächst kaum als Erste mit unternehmerischem Alltag in Verbindung bringen: etwa die Rolle externer Berater, weil der Prophet vielerorts wenig gilt im eigenen Lande. Aber auch wichtige Zertifizierungen wie die Qualitätsstandards der Reihe ISO 9000 fortfolgende, ohne die in bestimmten Branchen kein Auslandsgeschäft zu machen ist.

Die Ziele, die das WIWAG-Planspiel verfolgt, sind vielschichtig: Der praxisnahe Unterricht soll den Teilnehmern einerseits Wirtschaftszusammenhänge näher bringen, andererseits die Fähigkeit zur Gruppenarbeit stärken und immer wieder dazu führen, dass Präsentationstechniken eingeübt und automatisiert werden. Weiterhin gibt es Situationsaufgaben, bei denen die Unternehmen auf besondere Ereignisse reagieren mussten - diesmal etwa die Wirtschaftskrise, die die Kauflust am Markt reduzierte. Die Lehrer werten bei WIWAG mithilfe eines Programms die Geschäftsergebnisse jedes Tages aus und weisen dabei immer wieder auf Probleme und Lösungsansätze hin. Eine Pressegruppe dokumentiert das gesamte Projekt - Gegenwind durch die Konsumenten ihrer journalistischen Ergüsse inklusive. Besonderen Wert legten die Lehrer auf die Eigenständigkeit und Teamfähigkeit der Gruppen - schließlich ist in der Wirtschaft kaum noch Platz für Einzelkämpfer.

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